Mittwoch, 16. März 2011

Neue mediale Reaktionen auf die Vorgänge im Jüdischen Museum Wien

Nachdem "Die Jüdische" als erste (Online)Zeitung den "Offenen Brief" veröffentlichte, der die verantwortlichen Politiker in der Causa "Peter Menasse" um Stellungnahme bittet und zum Handeln auffordert, reagiert im heutigen FALTER (nicht online) Mathias Dusini.

„'Meine Ehre heißt Treue' war in der NS-Zeit der Wahlspruch der Schutzstaffel (SS). Der Gebrauch dieses Spruchs fällt unter das NS-Verbotsgesetz. Der niederösterreichische FPÖ-Chef Ernest Windholz ehrte damit im Jahr 2000 langjährige Mitglieder der Freiheitlichen Partei; die Staatsanwaltschaft ermittelte. Warum aber nimmt jemand, der mit Neonazis nichts am Hut hat und sich jahrelang mit Public Relations beschäftigte, dann so giftige Wörter in den Mund?"

Er habe nicht gewußt, wie öffentlich das Medium Facebook sei, verteidigt sich laut FALTER Peter Menasse. Und "Ich war erregt", meint er, der zusammen mit Danielle Spera für die unsägliche Idee der Ausstellung "Die Geschichte einer österreichischen Aufregung" verantwortlich zeichnet. Aber Peter Menasse hat schon öfter, z.B. in den Mails, die er an mich gerichtet hat, sein Gegenüber mit sich verwechselt und mir Formulierungen um die Ohren schlug, die er selbst in seinen Mails verwendet hatte.

Auch die Wien Holding scheint etwas zu verwechseln: "Eigentümerin des Jüdischen Museums ist die kommunale Wien Holding, die sich von Menasses Aussagen distanziert," schreibt Dusini, "'weil Reaktion und Wortwahl nicht angemessen waren'. Der Vorfall zeige aber auch, wie wichtig es sei, aus der Diskussion um die Hologramme die Emotionen herauszunehmen. Man möge zur Sachlichkeit zurückkehren. "

Bloß: wessen Emotionen? Und: Sachlich wurde die Kritik allemal geführt. Da muß niemand zu ihr zurückkehren. Wenn,m dann eher schon die Museumsleitung.

Dusini abschließend: "Dafür ist es freilich zu spät."

*

Stephan Templ, vermutet in der heutigen Neuen Zürcher Zeitung (Nach der Zerstörung. Misslungener Neuanfang beim jüdischen Museum Wien; nicht online), nicht nur einen Konflikt zwischen Kultur- und Finanzressort in der Gemeinde Wien, er meint auch, dass es sich nun zu bewahrheiten scheint, daß "ein in Museums-, Geschichts- und Judaistikfragen unkundige Leiterin (...) bald mit fachlichen und vor allem logistischen Anforderungen nicht zurechtkommen" könnte und steuert ein neues Detail bei (das ich nicht einschätzen nur widergeben kann): "Die tatsächlich ausführende (gemeint ist der Abbruch der Hologramme; GF) Glasfirma Briza griff zum Vorschlaghammer und hinterliess einen Scherbenhaufen. Auch das wird wohl in die neue Dauerausstellung zur Geschichte der Juden Wiens einzugehen haben, zumal diese Firma auch einen historischen Bezug zu bieten hat: 1939 hat die Familie Briza die Glaserei von Rudolf Munk zum Nulltarif «arisiert». Rudolf, Munk kam in der Shoah um, und sein Geschäft wurde nie restituiert."

Kommentare:

Johannes hat gesagt…

Peter Menasse zieht den Vergleich "Meine Ehre heißt Treue" zurück, zu einem Zeitpunkt, als sogar der Kommunikationsberater Menasse erkennen musste wie Facebook funktioniert. (Wenn auch seine Argumentation - zitiert aus dem Falter-Artikel -, dass er nicht wusste, "dass das jeder lesen kann" in höchstem Maße bedenklich und fragwürdig ist!)

Am 31. 01. 2011 schreibt seine Chefin Danielle Spera in ihrem privaten Blog:
http://daniellespera.mywoman.at/stories/745474/

"Niki Lauda will sich entschuldigt haben. In sich gegangen betont er auf der facebook-Seite von flyniki, dass er nichts gegen Homosexuelle habe. Ob die drei dürren Zeilen als Antwort auf eine heftige Debatte genug sind, bleibt fraglich!"

Da drängt sich schon ein Vergleich auf (ohne jetzt die rabbinische Hermeneutik zu bedienen) - die Antwort ist deutlich:

Nein, die sehr viel dürrere Zurücknahme Peter Menasses reicht sicher nicht!

Gottfried Fliedl hat gesagt…

Habs gelesen...Der Satz beginnt übrigens mit "Also zuerst einmal - believe it or not".

Tja.

(Das dürfte übrigens nicht der Blog von Frau Spera sein, sondern eine Rubrik von My Woman.)