Dienstag, 8. Dezember 2009

Jüdisches Museum der Stadt Wien - Ein Opfer populistischer Kulturpolitik?

Das Jüdische Museum hat eine neue Leitung. Beworben haben sich unter anderem Hanno Loewy (Korrektur vom 1.3.2011: Wie ich erst jetzt erfahre, bin ich einer "Zeitungsente" aufgesessen. Hanno Loewy hatte sich damals n i c h t beworben. Es tut mir leid, daß man der Berichterstattung der österreichischen Tagespresse so wenig trauen kann.) und Bernhard Purin, beide als Wissenschafter und Museumsleiter hervorragend qualifiziert.
Die Stadt Wien hat sich für eine Nachrichtensprecherin des ORF Fernsehens entschieden. Aus den Zeitungsberichten war nichts über eine Qualifikation für den Job einer Museumsdirektion herauszulesen. Keine Managementerfahrung, keine mit dem Ausstellen, keine einschlägige wissenschaftliche Qualifikation.
Worum es geht, wurde in den ersten Äußerungen auf der Pressekonferenz klar, in der Frau Spera vorgestellt wurde. Es geht um Popularisierung, um mediale Präsenz, um bessere 'Quoten'. Das Museum hat etwa 80.000 Besucher im Jahr und das scheint den Kommunalpolitikern zu wenig zu sein.
Das Museum hat eine der innovativsten Dauerausstellungen, die ich kenne. Es gab hier zahlreiche Ausstellungen, die nicht nur durch die Themenwahl interessant waren, sondern durch ihre Reflexivität. Was theoretisch unter diesem Schlagwort so oft gefordert wird, daß Museen sich der Bedingungen ihrer komplexen Arbeit bewußt werden sollen, ihrer 'Hybridität', um damit praktisch neue Repräsentationsformen zu entwickeln, das galt für viele der Ausstellungen des Jüdischen Museums.
Also warum mißt man Museen immer und immer wieder nur an der Zahl der Besucher und nicht an der - in diesem Fall - überragenden Qualität? Warum kann man nicht ertragen, daß es ein paar Museen gibt, es sind ohnehin so wenige, die intelligente, nachhaltige und innovative Arbeit machen? Warum respektiert man nicht die über viele Jahre hin bewährte kuratorische Professionalität und Erfahrung?

fotos: gottfried fliedl

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Wen interessiert ein Museum wenn keiner hingeht? Wieso muß ich als Steuerzahler ein Museum alleine finanzieren? Es ist die Pflicht eines Museums sich publikumswirksam zu präsentieren und somit Einnahmen zu lukrieren. Als Unternehmen werde ich gepfändet wenn ich so nicht handle?