Unter dem Titel "Wimmelnde Welt" hat Christian Thomas dem nach vieljähriger Schließung und Sanierung heute wieder geöffneten Hessischen Landesmuseum in Darmstadt in der Frankfurter Rundschau einen schönen Artikel gewidmet.
So umfassendes Einlassen auf das Konzept des Museums und seine Umsetzung findet man nicht so oft - und der Artikel macht Lust aufs Hinfahren und Anschauen.
Montag, 15. September 2014
Samstag, 13. September 2014
Museumsszene
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Lecture Hall, Mechanics’ Institution, Derby, 1839
Hand Coloured Lithograph Print, from a drawing by Samuel Rayner
Image © and courtesy of Derby Museum & Art Gallery
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Montag, 8. September 2014
Seltene Kritik am Heeresgeschichtlichen Museum
Via Anton Tantner und das Facebook werde ich mit dem Auszug einer Kritik an den laufenden Weltkriegsausstellungen bekannt. Seiner Einschätzung, daß der Text im "Augustin" von Robert Sommer eine "vernichtende" Kritik sei, kann ich nicht folgen. Es sind Anmerkungen und Beobachtungen, aber eine Kritik müsste wesentlich umfassender sein. Immerhin: Das Heeresgeschichtliche Museum verdiente jede Menge kritik und seltsamerweise gibt es die praktisch nicht. Die Historikerzunft ist bei Museums- und Ausstellungskritiken sowieso ziemlich absent.
DEshalb gebe ich hier die Passage wieder, die ohnehin schon über Facebook zirkuliert, als Anstoß, daß sich doch mal jemand dem Heeresgeschichtlichen Museum annehmen sollte.
Robert Sommer im "August" (Nr. 373, 3.9.2014, S.24f): "Das HGM hatte 5 Millionen Euro zur Verfügung, um die Ausstellungsräume 'Erster Weltkrieg' zu erneueren. Eine Chance wurde vertan. (...) Radetzky, Gottvater des österreichischen Militarismus, scheint mit seiner Präsenz das Einsickern zivilen Geistes ins Arsenal zu überwachen. Die Military-Modeschau - Vitrinen voller fesch herausgeputzter Ulanen, Dragoner, Militärgeistlicher, Pioniere, Infanteristen, Militärrechnungsbeamter, Landesschützen oder Gardewachtmeister - nimmt die Hälfte der Fläche ein. (...) Keinem Besucher, keiner Besucherin entgeht, was der eigentliche Hochaltar der Weltkriegsausstellung im Arsenal ist. Es ist die plankgeputzte, 80 Tonnen schwere 38-cm-Haubitze aus den Pilsener Skodawerken, die vom Rapidplatz aus das Horr-Stadion beschießen hätte könne, um die Reichweite zu veranschaulichen. Ein großer Teil der Kosten für die Neugestaltung des Teils zum Ersten Weltkrieg wurde für die Absenkung des Museumsniveaus verwendet. Erst dadurch ereichte man eine Saalhöhe, die nötig war, um die Haubitze in voller Pracht aufzustellen. (...) Wenn dieses letztlich versagende Unding den Hochaltar abgibt, so bilden das Sarajewo-Attentats-Originalauto (...) und Albin Egger-Lienz' berühmtes riesigformatiges Kriegspropagandagemälde 'Den Namenlosen 1914' quasi die Seitenaltäre."
DEshalb gebe ich hier die Passage wieder, die ohnehin schon über Facebook zirkuliert, als Anstoß, daß sich doch mal jemand dem Heeresgeschichtlichen Museum annehmen sollte.
Robert Sommer im "August" (Nr. 373, 3.9.2014, S.24f): "Das HGM hatte 5 Millionen Euro zur Verfügung, um die Ausstellungsräume 'Erster Weltkrieg' zu erneueren. Eine Chance wurde vertan. (...) Radetzky, Gottvater des österreichischen Militarismus, scheint mit seiner Präsenz das Einsickern zivilen Geistes ins Arsenal zu überwachen. Die Military-Modeschau - Vitrinen voller fesch herausgeputzter Ulanen, Dragoner, Militärgeistlicher, Pioniere, Infanteristen, Militärrechnungsbeamter, Landesschützen oder Gardewachtmeister - nimmt die Hälfte der Fläche ein. (...) Keinem Besucher, keiner Besucherin entgeht, was der eigentliche Hochaltar der Weltkriegsausstellung im Arsenal ist. Es ist die plankgeputzte, 80 Tonnen schwere 38-cm-Haubitze aus den Pilsener Skodawerken, die vom Rapidplatz aus das Horr-Stadion beschießen hätte könne, um die Reichweite zu veranschaulichen. Ein großer Teil der Kosten für die Neugestaltung des Teils zum Ersten Weltkrieg wurde für die Absenkung des Museumsniveaus verwendet. Erst dadurch ereichte man eine Saalhöhe, die nötig war, um die Haubitze in voller Pracht aufzustellen. (...) Wenn dieses letztlich versagende Unding den Hochaltar abgibt, so bilden das Sarajewo-Attentats-Originalauto (...) und Albin Egger-Lienz' berühmtes riesigformatiges Kriegspropagandagemälde 'Den Namenlosen 1914' quasi die Seitenaltäre."
Sein sechstes und letztes Museum. Reinhold Messner gründet und baut wieder
In den Dolomiten wird derzeit am sechsten der Messner Monutain Museums (so der Sammelname und die Marke) Reinhold Messners gebaut. Anstatt einer eigenen Charakterisierung gebe ich hier den Text der messnerschen Webseite wieder, in der er unter anderem Zaha Hadid als talentiert bezeichnet und auch sons recht schön sagt, was es denn nun mal wird..."ein Erfolgsrezept".
Schon Paul Grohmann, Erstbesteiger vieler anspruchsvoller Dolomitengipfel, schrieb einst: "Es besteht für mich kein Zweifel, dass die Rundschau vom Kronplatz eine der schönsten in den Dolomiten ist, und kein Gipfel, den ich kenne, vereinigt wieder die beiden Gegensätze Marmolata und Zillertaler Ferner in solcher Weise mit der schönsten Talaussicht, die man sich denken kann. "
Die einzigartige Lage des Kronplatz war es, die Reinhold Messner dazu bewogen hat, sein sechstes und letztes Museum hier zu eröffnen – eingebettet zwischen dem UNESCO-Weltnaturerbe Dolomiten und der Zillertaler Bergwelt in einem Schmelztiegel der deutsch-, italienisch- und ladinischsprachigen Kulturgruppen.
Das Thema des Museums wird der "Fels" und das Leben der Bergsteiger sein. Der Fels und das Leben der Bergsteiger werden die zentralen Themen des Messner Mountain Museums sein, veranschaulicht anhand von einzigartigen Sammlungen, Bildern und verschiedenen Gegenständen, die Reinhold Messner in seinem Leben als Grenzgänger gesammelt hat.
Die architektonische Umsetzung der Ideen wurde dem weltbekannten Architekturbüro Zaha Hadid anvertraut. Zaha Hadid zählt zu den talentiertesten und innovativsten Architektinnen der Gegenwart. Reinhold Messner, Zaha Hadid und Kronplatz – ein Erfolgsrezept, das die Presse bereits jetzt beschäftigt.
Schon Paul Grohmann, Erstbesteiger vieler anspruchsvoller Dolomitengipfel, schrieb einst: "Es besteht für mich kein Zweifel, dass die Rundschau vom Kronplatz eine der schönsten in den Dolomiten ist, und kein Gipfel, den ich kenne, vereinigt wieder die beiden Gegensätze Marmolata und Zillertaler Ferner in solcher Weise mit der schönsten Talaussicht, die man sich denken kann. "
Die einzigartige Lage des Kronplatz war es, die Reinhold Messner dazu bewogen hat, sein sechstes und letztes Museum hier zu eröffnen – eingebettet zwischen dem UNESCO-Weltnaturerbe Dolomiten und der Zillertaler Bergwelt in einem Schmelztiegel der deutsch-, italienisch- und ladinischsprachigen Kulturgruppen.
Das Thema des Museums wird der "Fels" und das Leben der Bergsteiger sein. Der Fels und das Leben der Bergsteiger werden die zentralen Themen des Messner Mountain Museums sein, veranschaulicht anhand von einzigartigen Sammlungen, Bildern und verschiedenen Gegenständen, die Reinhold Messner in seinem Leben als Grenzgänger gesammelt hat.
Die architektonische Umsetzung der Ideen wurde dem weltbekannten Architekturbüro Zaha Hadid anvertraut. Zaha Hadid zählt zu den talentiertesten und innovativsten Architektinnen der Gegenwart. Reinhold Messner, Zaha Hadid und Kronplatz – ein Erfolgsrezept, das die Presse bereits jetzt beschäftigt.
Überaltert bis zur Morbidität: Das Musée Carnavalet in Paris
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| Das Museum - eine stehengebliebene Uhr... |
Das Musée
Carnavalet, das Pariser Stadtmuseum, könnte
man sich gut als Schauplatz für
Vladimir Nabokovs unheimliche Erzählung
"Ein Museumsbesuch" vorstellen. Es wären
nur einige Handgriffe eines Filmarchitekten, eines geschickten Kulissenmachers
nötig, eines „Szenografen“
nötig,
um seine ohnehin starke Atmosphäre
von Verlassenheit, Verstaubtheit und Überholtheit zuzuspitzen und ihm eine Färbung Bedrohlichkeit oder
Melancholie zu verleihen.
Ich stellte mir Nabokovs seltsam geisterhaftes Museum immer als
eines jener "aufgegebenen" Museen vor, wie es sie ja in Wirklichkeit noch
immer und nicht selten gibt und für
das das Carnavalet ein Beispiel ist. Unter "aufgegeben" verstehe ich
ein Museum, das von den Verantwortlichen aufgegeben, das heißt, nicht mehr ausreichend gepflegt,
nicht mehr genügend betreut wird, das uns den Eindruck vermittelt, es würde
sich niemand mehr um es kümmern. Dem Besucher begegnen veraltete
Anschläge,
ein lädiertes
Leitsystem, Staub, Dämmrigkeit,
lustlose Mitarbeiter, ungepflegte Räume, veraltete Installationen,
halbblinde Vitrinen.
Im Carnavalet trifft man gleich zu beginn, im Treppenhaus, auf
eine abgeschabte Gipsstatue, sehr zweifelhafter ästhetischer und dokumentarischer
Qualität,
dann auf aus einem Gebäude gerettete vergoldete Wandtäfelungen,
ein sonderbar scheußliches
Nashorn auf einem undatierbaren Gemälde,
eine Wachsbüste unsicherer
Zuschreibung, Vitrinen ohne Beleuchtungen, einen Raum ganz ohne Licht, unzählige handgeschriebene
Zettelchen, die die Abwesenheit von Gemälden
oder Plastiken rechtfertigen. Orientierung sucht man im weitläufigen
Gebäude
vergeblich, es sei denn man kann Evakuierungspläne lesen, die aushängen.
Ich kenne das Museum schon lange. Es war nie anders. Inzwischen
ist es noch abgenutzter, noch vernachlässigter,
noch morbider denn je. An der Kassa ein Schild, die englischsprachige Museums-Broschüre sei leider vergriffen, man möge sie sich im Internet
runterladen. Wäre ganz
praktisch, so ein Museumsleitfaden, denn im Museum werden einem nur
Objektbeschriftungen geboten. Da die Chronologie überhaupt die „Ordnung“,
die das Museum hat, manchmal unklar ist, hat man auch keine Chance, sich aus
den Aberhunderten von Objekten so etwas wie eine Erzählung zusammenzubasteln.
Das Carnavalet ist ein Stadtmuseum und als solches würde man ein historisches Museum
erwarten. Aber wie bei vielen anderen Stadtmuseen auch, stützt es sich überwiegend auf Kunstwerke, Gemälde, Plastiken, Stiche, Pläne, Modelle, die in erster Linie
als vereinzelte und um ihrer Ästhetik willen ausgestellt sind. Sinnhafte,
visuelle Stützung von historischen Zusammenhängen, Ereignissen,
Strukturen, gibt es nicht. Nirgendwo ist durch sinnhafte Zusammenstellung so
etwas wie eine Information zu erkennen, es sei denn, die Zusammenstellung eines
Bettes und eines Stadtmodelles verweisen auf einen Architekten, der seine Pläne noch einmal überschläft. Die Gemälde,
die Raum um Raum füllen und große
Zeitabschnitte vollkommen dominieren, sind von oft unterirdischer ästhetischer und fragwürdiger oder nicht erkennbarer dokumentarischer
Qualität. Wie man in einer
Stadt der bedeutendsten Kunstmuseen eine solch inferiore Auswahl treffen kann,
ist rätselhaft.
Nirgendwo habe ich eine solche Diskrepanz von Ort und Museum
erlebt. Paris, eine Stadt wie keine, die „Hauptstadt des XIX.Jahrhunderts“.
Nichts davon hier. Stadtplanung, Stadterweiterung, Haussmann? Die Stadt der
Literatur, der Grand Opera, der sozialen Gegensätze
und Revolutionen? Nichts oder herzlich wenig. Weltausstellungen? Nahezu nichts.
Aufklärung, Geschichte der
Wissenschaft, das Theater. Nichts. Das XX. Jahrhundert findet nur in Genre- und
Porträtmalerei statt, und
auch das nur bis etwa zu seiner Mitte. Dann ist Schluss. 1871, Erster
Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg, die Besetzung von Paris. Nichts. Nichts zu den
großen Konflikten des
19.Jahrhunderts, nichts zur Affaire Dreyfuss, nichts zum Pariser Judentum. Nichts
zur Entwicklung der Presse, der Erfindung der Fotografie (übrigens:
es findet sich kaum ein Foto unter den ausgestellten Objekten), des Kinos. Absolut
nichts. Nur zufällig oder
wenn man sich schon sehr gut auskennt, findet man interessante Objekte, wie etwa
die Porträts der
Protagonisten der Großen
Revolution, Dokumente zur Commune, interessante Stadtveduten - doch das alles
geht unter im großen
Sammelsurium.
Ein Museum von so umfassender Ignoranz muß man erst einmal zusammenbringen. Und man hat in
Paris keine Alternative, bis auf Splitter der Stadtgeschichte in diversen
Spezialmuseen ist das
d a s Museum über
die Stadt.
Immerhin ist das Museum ein guter Arbeitgeber. In jeder Ecke eine
Aufsichtsperson, die hier einen besonders trostlosen Job machen in einem so
freudlosen und auch architektonisch ungepflegten, sichtlich dahinsiechendem
Haus.
Mir ist der Gedanke durch den Kopf gegangen, vielleicht verfolgt
der Museumsstab die Taktik, seinen zurückhaltend
finanzierenden Träger, die
Stadtverwaltung, durch fortschreitendes Vernachlässigen
sozusagen zur Revision zu nötigen.
So wie Immobilienbesitzer durch Verfall Verwaltung oder Denkmalpflege zwingen
einem Abriss zuzustimmen. Wenn’s so ist, dann war das nicht
erfolgreich, das Museum hat schon vor 25 Jahren so vor sich hin gedöst. Ein neues Stadtmuseum würde
tatsächlich
einem Abriss des Museums nahekommen.
Und ein Café,
in dem man sich von den mannigfachen Schrecken des Hauses etwas erholen könnte, gibt's nicht. Das auch
noch!
Dienstag, 2. September 2014
Breaking news in der causa Essl
Sammlung Essl: Der Industrielle H.P. Haselsteiner soll den Teil der Sammlung Essl mit österreichischer Kunst bereits übernommen haben. Internationale Werke sollen angeblich versteigert werden und der Erlös in die Sanierung des Baumax-Konzerns investiert werden. Ob damit auch die Weiterführung des Museums ermöglicht wurde, wurde nicht berichtet.
Die Presse, hier http://diepresse.com/home/kultur/kunst/3863554/Haselsteiner-rettet-Sammlung-Essl?_vl_backlink=%2Fhome%2Findex.do
Und nun auch der Kurier: http://kurier.at/kultur/kunst/gerettet-haselsteiner-kauft-sammlung-essl/83.385.921
Und am 2. September detaillierter zum Deal Essl - Haselsteiner und zur Versteigerung von Werken aus der Sammlung Esslb bei Christies: http://derstandard.at/2000005076484/Sammlung-heimischer-Kunst-bleibt-erhalten
Die Presse, hier http://diepresse.com/home/kultur/kunst/3863554/Haselsteiner-rettet-Sammlung-Essl?_vl_backlink=%2Fhome%2Findex.do
Und nun auch der Kurier: http://kurier.at/kultur/kunst/gerettet-haselsteiner-kauft-sammlung-essl/83.385.921
Und am 2. September detaillierter zum Deal Essl - Haselsteiner und zur Versteigerung von Werken aus der Sammlung Esslb bei Christies: http://derstandard.at/2000005076484/Sammlung-heimischer-Kunst-bleibt-erhalten
Dienstag, 19. August 2014
Dienstag, 5. August 2014
Es gibt noch Institutionenkritik am Museum. Im "Kurier".
"Wiir sind jetzt also wieder im Barock. In einer Zeit, in der sich eine Elite in abgeschlossenen Zirkeln vergnügte und das Volk sich glücklich schätzen konnte, wenn es einen Blick auf die schönen, wenn auch seltsamen Spiele der edlen Herrschaften erhaschen konnte. Der Unterschied ist: Heute, 2014, dienen öffentliche Museen als Guckkästen auf diese Elite. Selbst zum Sammeln nicht mehr fähig, sehen sich die Institutionen gezwungen, dem neuen Geldadel unter Vernachlässigung ihrer ureigensten Aufgaben den Hof zu machen."
So beginnt der Artikel von Michael Huber über die Ausstellung der Pivatsammlung Titze in den der Österreichischen Galerie durch die ehemalige Finanzministerin überlassenen Repräsentationsräume im Finanzministerium, einem barocken Palais des Prinzen Eugen.
Der Artikel verrät, daß der Autor eine reflektierte und kritische Vorstellung vom Museum, von Ausstellungen, vom Kunstbetrieb und -Markt hat. Unter den vielen affirmativen oder halbherzigen Artikeln auf diversen Kulturseiten (die sich Zeitungen ohnehin immer weniger leisten) war das mal ein auffallendes Lesevergnügen.
Und hier geht's zum Artikel: http://kurier.at/kultur/kunst/love-story-im-belvedere-ein-guckkasten-auf-die-elite/73.368.576
Donnerstag, 31. Juli 2014
Mittwoch, 30. Juli 2014
Wie aus Subversion Affirmation wird
Dienstag, 29. Juli 2014
Sonntag, 27. Juli 2014
Wer folgt Wolfgang Kos in der Leitung des Wien-Museums? Ich betrete die Gerüchte-Küche
Möglicherweise stimmt nichts von dem, was ich hier schreibe. Vielleicht stimmt alles. Es geht um Gerüchte. Damit beschäftige ich mich öffentlich nicht. Diese Ausnahme mache ich, weil in diesem Fall Gerüchte doch etwas verraten. Etwas über den Zustand der Kulturpolitik. In Wien.
Nachfolger von Wolfgang Kos wird, sagt die Gerüchteküche
1) Wolfgang Kos. Wolfgang Kos, so "heißt es", will nicht aufhören. also wird er versuchen, seinen Vertrag zu verlängern. Die Chancen dazu werden als gar nicht so schlecht eingestuft.
2) Christian Rapp. Das Gerücht geht so: Kos will nicht gehen und sucht einen Nachfolger, mit dem er weiter Chef sein kann. Immerhin: Christian Rapp ist ein erfahrener Asusstellungsmacher. Für die Variante spricht ein im Stil eines Bezirksjournals im FALTER erschienener Artikel über C.R. und die segensreiche Tätigkeit der Wiener Verkehrsbetriebe und die Stadt Wien insgesamt.
3) Daniel Spera. Das liefe auf eine Art Generaldirektoriat der Museen der Stadt Wien hinaus. So oft man das Gerücht hört, dagegen spricht, daß die Besetzung vom Kulturstadtrat vorgenommen wird, Renate Brauner, die, so sagt man, für die Karriere von D.S. von der Fernsehsptecherin zur Direktorin des Jüdischen Museums der Stadt Wien verantwortlich ist, soll da nicht so viel zu reden haben. Na ja, ein Gerücht eben.
4) Werner Hanak. Retter von D.S. nachdem D.S. Ihre Chefkuratorin Felicitas Heimann-Jelinek entlassen hatte. Hanak hat die Dauerausstellung des Jüdischen Museums gemacht. Könnte auch als verlängerter Arm von D.S. agieren. Sagt das Gerücht.
5) Otto Hochreiter. Leiter des Stadtmuseums in Graz. Lebt in Wien. Ersparte sich das Hin- und Herreisen. In den Wettbüros ungesetzt.
Übrigens: Ob denn die vom Wiener Bürgermeister, dem Kulturstadtrat und dem noch amtierenden Direktor seit Jahren vollmundig angekündigten Pläne für ein WienMuseum neu, also einen Neubau oder Zubau und eine längst überfällige Dauerausstellung mit der Berufung einer neuen Leitung verknüpft werden und wie, das ist offen. Drüber gibt die Gerüchteküche keine Auskunft. Man kann davon ausgehen, daß das inzwischen allen Beteiligten egal ist.
Dienstag, 22. Juli 2014
Fundsachen aus Vietnam (Objet trouvé)
Originalkiste mit Keramikbruchstücken des 1. bis 3. Jh.n.Chr. aus Ausgrabungen von Olov Janse. Musée Guimet, Paris
Mittwoch, 16. Juli 2014
Das Musée de la Chasse et de la Nature
Und plötzlich stehe ich vor einem der typischen Stadtpaläste, dessen winziges aus der Mauer ragende "Zunftzeichen" mich ahnen läßt, daß ich vor einem Museum stehe, das ich schon länger auf der Wunschliste führe: das Musée de la Chasse et de la Nature.
Im Ausstellungsgeschoss soll ich mich zwischen Eisbär (linke Tür) und Wildschwein (rechte Tür) entscheiden. Ein Aufseher scheucht mich zum Wildschwein. Das hat in nicht naturgerechter Natur ganz gut überlebt, artig verharrt es im kargen Biotop, das aus Parkettboden und barockem Jagdbild besteht.
Das Museum ist mir sofort symphatisch. Hier ein kleiner Kunstschrank, dessen Fächer und Läden kleine Kostbarkeiten aber auch Informationen ver- und entbergen, dort ein Kunstobjekt zwischen Naturdingen, oder umgekehrt, Luster, 'naturnah' designt, eine gefaltet Überwachungskamera, die sich wie ein Vogel auf einem aus der Wand ragenden Zweig festkrallt, ein riesiger Hirsch vor einem Gobellin, zwei große Sofas, die grade eine ganze Jugendgruppe aufnehmen.
Auf allem, worauf man nicht sitzen soll, liegen seltene getrocknete Früchte oder Samen, auf einem Schränkchen steht eine Reliquienschrein mit Vogelnestern, zur Linken öffnet sich ein Kabinett, nicht größer als ein Schrank, mit Vitrinen voller seltsamer Gerätschaften: Instrumente zur Nachahmung von Vogelstimmen. Ein grauer Wolf schleicht um die Ecke. Aus einem dunklen Raum blickt mich ein Baummensch an, zwei, drei Räume weiter steht ein verrostetes und verbeultes Kleinst-Auto, das von Baumstämmen und Zweigen durchwuchert wird. Ein waffenstarrender Raum, einer für Trophäen. Einer mit Porzellan, Geschirr, Fotografien mit Affen, denen man das gepflegte Tafeln und Speisen beibringen will, Präparate von Affen, Affen als Möbeldekor.
Man könnte denken - was für ein Sammelsurium! Was für ein Durcheinander! Aber der präzise argumentierende Text erläutert die Schwierigkeit, eine klare Grenze zwischen Affen und Menschen zu ziehen, also auch zwischen "uns" und der Natur. Jeder der Räume hat einen solchen thematischen Kern und unter ein solches Fragenniveau geht es kaum. Was so schaustellerisch unbekümmert scheint, ist ein offenes Spiel mit unserem Verständnis von Natur. Hier regiert nicht das Regelwerk der Taxonomie oder ein ökologisches Environment das Ausstellen, sondern ein subtil, witzig und intelligentes Changieren zwischen Kunst, Präparat, Möbel, Architektur, Werkzeug, Bild, Gerät.
Man bewegt sich im Ambiente einer voll ausgestatteten großbürgerlichen Stadtvilla. Vor dieser Folie erscheint alles wie eine Kunst- und Wunderkammer, in die kleine Kunst- und Wunderkammern eingeschachtelt wurden in denen man wiederum Kunst- und Wunderschränke findet.
Um mich etwas zu besinnen, suche ich mir eine Sitzgelegenheit, die nicht mit einem kleinen Objekt "gesperrt" ist und steuere auf einen barocken Lehnstuhl zu. Aber der ist auch schon besetzt - von einem zusammengekringelt schlafenden Fuchs.
Schon lange träume ich von einem Naturmuseum, das darauf verzichtet, einen unhinterfragten und essentialistischen Naturbegriff vorauszusetzen, das nicht so tut, als wäre hier alles Natur, die gleichwohl mit enormen gestalterischem und praparatorischen Geschick, also äußerst künstlich, fingiert wird. Das nicht alles in eine kunstvolle Ordnung bringt.
Hier ist es, dieses andere Naturmuseum!
Es ist ein privates Museum, aus einer Privatsammlung entstanden, einer Sammlung, in der alles Platz hatte, was irgendwie mit Natur zu tun hatte. Eiserne Hundehalsbänder, Jagdwaffen, Suppenschüsseln in Form von Wildschweinköpfen, Tische mit geschnitzten Affen als Dekor, Porzellanfiguren und und und.
Das wäre freilich nicht viel mehr als eine Antiquitätensammlung. Doch die thematische Fokussierung zentriert die Ausstellung von Raum zu Raum, und die Themen sind, wie gesagt, anspruchsvoll. So geht es z.B. um die Projektion menschlicher Verhaltensweisen und Gefühle auf Tiere. Eine Frage, die mir als Gelegenheitskonsument einer Sendung des Österreichiscen Rundfunks "Aus dem Reich der Natur" sofort einleuchtet. Die Anthropomorphisierung, die sich dort durch alle Sendungen zieht, bildet die fragwürdige Grundlage einer sehr seltsamen Naturwissenschaft und -beobachtung. Im Musée de la Chasse et de la Nature werden solche Fragen auch (in vorbildlich knapp und verständlich abgefassten Texten) sogar historisch entwickelt. Und visuell erweitert, wenn man beim Lesen des Textes etwa vor einem Gemälde steht, wo sich eine Hunde-"Mutter" um ihre "Kinder kümmert".
Erst beim Verlassen des Museums habe ich entdeckt, daß das Museum den Besucher mit zehn Regeln empfängt, die man beim Besuch zu seinem Vorteil beherzigen sollte. Die sind in einen sehr witzigen und wunderbar gestalteten Zeichentrickfilm verpackt, wo einem unter anderem die verschieden Informationsmöglichkeiten gezeigt werden, aber auch, ganz zum Schluss des Filmchens, daß es hier nicht nur um Wissen und Information, ästhetisches Vegnügen und Unterhalten-Werden geht, sondern auch ums - Träumen und Weiterträumen nach dem Besuch...
Ganz große Empfehlung!
Dienstag, 15. Juli 2014
Im Louvre, neulich
Eine halbe Stunde Wartezeit zeigt eine Tafel am Ende der Menschenschlange an. Die hat sich schon um eine Wegbiegung herum in der unterirdischen Erschließung des Louvre gebildet, in den Gängen, die direkt von der Metro ins Zentrum des Museums führen. Oberirdisch wird es sich nicht weniger stauen, die meisten Besucher kommen ja durch das Nadelöhr des Tores in der Glaspyramide. Die Sicherheitskontrolle und dann die schmale Rolltreppe sorgen dort schnell für Stau und lange Warteschlangen.
Die riesige Halle unter der Pyranide, mit ihrer problematischen Akustik und einem bei Sonnenschein auch nicht grade angenehmen Klima, scheint fast voll zu sein. Es ist ziemlich laut und man muß aufpassen, niemanden umzurennen oder umgerannt zu werden. Es ist Samstag, aber vor zwei Tagen war ebenso viel los. Auffallend viele Jugendliche sind unterwegs, viele in Gruppen oder Schulklassen. Die Gastronomie agiert am Rand ihrer Kapazität. Freie Plätze gibt es nur in den teureren Lokalen.
Auf dem Weg zu den Ausstellungen schwimmt man mit in Menschentrauben. Für den Zu- und Abgang der Grand Galerie gibt's eine Einbahnregelung.
Es gibt kaum eine Sammlung, in der nicht rege Betriebsamkeit herrscht. Nur die letzte der neu eingerichteten ist fast leer - die islamische.
Man hat sie in einen der noch ungenutzten Höfe installiert, unter einem frei schwingenden Zeltdach, mit rundumlaufend verglasten Wänden. Die Museografie bedient sich hier relativ alter, freundlicher gesagt bewährter Methoden. Gedimmtes Licht, dunkle Möbel, die Objekte als Preziosen präsentiert, die Kostbarkeiten sehr dicht zusammengerückt. Auch im noch dunkleren Untergeschoss ist das so. Schatzbildung signalisiert das, Kostbarkeit, Wert, Ewigkeit. wie so oft.
Es gibt zwar externe Information, auf riesigen Bildschirmen, mit Sitzmöbeln, die vielleicht extra für nur kurzes Verweilen gedacht sind, aber die Information, die man hier bekommt ist sehr allgemein. Es sind zeitlich limitierte Text- Bild-Infos, kurze Clips, von denen die Macher wohl annehmen, daß sie der Aufmerksamkeitsspanne durchschnittlicher Besucher entsprechen. Man kann die Dauer der Infos nicht beeinflussen, was man in der vorbestimmten Zeit nicht erfasst, rutscht weg. Jeder Bezug zur Gegenwart fehlt und kann bei dieser Ausstellungsgestaltung erst gar nicht entstehen. Alles wird unterm Prinzip Kunst respektive Kostbarkeit präsentiert. Oberflächlich bleibt einem nur Staunen oder - Langeweile.
Ich wüsste nicht, wie ich hier vor Ort zu einer vertiefenden Auseinandersetzung kommen könnte. Alles ist fein säuberlich chronologisch geordnet, vorgeschaltete Texttafeln erläutern in sehr groben Zügen Epochencharakteristika. Aber um etwas tiefer zu erfassen, müsste ich selbst vorbereitend einigen Aufwand treiben oder mich mit einem Katalog wappnen.
Wo einem die Kultur nicht ganz so unvertraut ist, wie die islamische, gibt es wenigstens die Illusion einer verstehenden Nähe. Die allerneueste Abteilung, die des Kunstgewerbes des (französischen) 17. und 18. Jahrhunderts, bedient sich ansatzweise ebenfalls einer alten und bewährten Methode, der der Epochenräume. So frisch gefärbelt, restauriert und geputzt, ohne jede Spur von Gebrauch und Leben, wirkt das aber auch ziemlich steril, fast tot, trotz des Funkelns von Gold, Perlmutt und edlen Steinen. Zwei Jahrhunderte gabs da also nur Luxus, nur Tabaksdosen, Himmelbetten, Wandteppiche und Porzellan aus Sevres, putzige Globen, wissenschaftliche Instrumente für den königlichen Zeitvertreib. Selbst Ludwig VXI. und Marie Antoinette bleiben mit ihrem kostbaren Spielzeug völlig unbehelligt von Politik und Revolution. Die findet hier erst gar nicht statt.
In der teilweise sehr spröd designten ägyptischen Abteilung geht's ziemlich rege zu. Wie schnell manche Leute die Säle durchqueren! Ich setze mich an ein Fenster. neben mir baut sich ein Mädchen auf, mit den Händen an der Hosennaht, rückt nach Anweisungen vermutlich ihrer für mich nicht sichtbaren Eltern hin und her, bis sie die gewünschte fotogene Position hat. Dann baut sich eine kleine Gruppe vor einem aufrecht in einer Vitrine stehenden Sarkophag auf. Geblödel, Nachahmung einer Mumie. Feixen, Augenverdrehen. Bisschen lustig tot sein. Viele Fotos.
Gibt es schon eine Untersuchung zur Veränderung des Museumsbesuchs durch das Handy? Mir ist noch nie so sehr wie hier aufgefallen, wie viel mit dem Handy fotografiert wird. Oder eher nur geknipst. Manchmal nur so im Vorbeigehen. Oder im Multitasking, in der einen Hand den Audioguide am Ohr, mit der andern das Bild geknipst. Etwa die Hälfte dieser Knipserei aus der Hand gilt Räumen und Objekten, eine andere Hälfte den Verwandten, Freunden, der Familie, die vor einem Objekt fotografiert wird. Für medienaffinen Nachwuchs ist gesorgt. Im Mona-Lisa-Raum begegnet mir ein Zwillingskinderwagen, mit einem Buben, der auf sein Tablet fixiert ist und einem Mädchen mit Smartphone. Ich nehme nicht an, daß sie in kunsthistorischer Lektüre vertieft sind und die Gemälde würdigen sie keines Blickes - könnten sie aus ihrer transportbedingten Froschperspektive auch kaum.
Vor der Mona Lisa die übliche geballte Menge, aber anders als noch vor Jahren mit Dutzenden über die Köpfe hochragenden Händen mit allen Typen von Aufzeichnungsgeräten. Vielleicht liegt der Sinn dieses Aufzeichnens immer noch in dem, was schlichtere Medien früher leisteten, wie etwa die Kunstpostkarte, nämlich zu Hause sich der Begegnung mit dem Original und dessen tatsächlichem Vorhandensein zu versichern. Nippen an Identitätsbedeutsamkeit, an der eigenen, an der des Objekts.
Ich habe mich bei meinem Louvre-Besuch gefragt, ob das Sehen im Museum durch den Vervielfältigung des Mediengebrauchs noch flüchtiger geworden ist, als er seit dreißig oder mehr Jahren ohnehin beschrieben wird, etwa unter dem Stichwort "cultural window shopping". Aber um das zu beobachten, bin ich zu müde. Das Klima im Museum ist anstrengend. Manchmal ist es stickig und schwül, manchmal einfach nur zu warm, in den Sälen mit den zahllosen Corots erzeugt eine überdimensionierte Klimaanlage Gruftkälte, es ist dort kaum auszuhalten. Ausgerechnet jetzt, wo ich Lust auf Langsamkeit hätte.
Das Museum ist als Ganzes sichtbar gestresst. Was nicht in neuerer Zeit restauriert, umgebaut oder, wie die Islamische Abteilung, ganz neu errichtet wurde, blättert, korrodiert, verschmutzt, wirkt ungepflegt. Das WC, das ich benutze - es gibt eindeutig zu wenige inzwischen - ist in einem desaströsen Zustand. Auch hier: Warteschlangen.
An allen Ecken und Enden wird vor Taschendieben gewarnt. Auch der Orientierungsplan, der in vielen Sprachen ausgegeben wird, bietet ganz ausführliche Verhaltensregeln an, wie man sich vor Diebstahl schützen kann. Links und rechts der Mona Lisa hängen schon lange keine Bilder mehr, dafür aber jetzt und unübersehbar, mit dem begehrten Bild ein Triptychon bildend, zwei Diebs-Warntafeln. Ein kleiner unabsichtlicher Gag - die Mona Lisa ist ja auch schon mal geklaut worden.
Knapp 10 Millionen Besucher hat der Louvre derzeit. Er ist das meistbesuchte Museum der Welt. Obwohl es riesig ist, hat man den Eindruck, bei einer Zunahme der Besucherfrequenz würde selbst dieses Museum an Grenzen stoßen. Trotz der vorbildlich dichten orientierenden Beschilderung und des Folders mit dem Museumsplan fällt die Orientierung manchmal schwer. Verirren ist zwar auch nicht schlecht, ohne Verirren hätte ich die Corots im zweiten Stock nicht entdeckt, aber mit zunehmender Müdigkeit sinkt die Lust lange Korridore und Ebenen mit weiteren Hundertschaften von Objekten zu durchqueren, nur um eine bestimmte Objektgruppe oder Sammlung zu erreichen.
Angesichts solcher und anderer Museumszustände würde in letzter Zeit öfter die Sehnsucht nach "Rückbesinnung" laut, eine Sehnsucht nach elitistischer Versenkung und Einsamkeit im Dialog mit den Bildern, ungestört von "den Massen". Also nach aus der Romantik stammender Versenkung als Modus der Bildnisbegegnung. Klingt ein wenig wie die bei Entstehung des öffentlichen Museums laut werdenden Stimmen, nicht jeden Pöbel zuzulassen, in die heiligen Hallen.
Das wird es in einem solchen Museum nicht geben, und es ist auch nicht wünschbar. Zustände wie die im Louvre sind das Ergebnis einer Entwicklung, wie sie wesentlich vom Louvre selbst angestoßen würde. Das Recht auf Bildung für alle, also auch das Recht Museen besuchen zu können, damals völlig neu, kippt unter den Bedingungen des organisierten Massentourismus in einen Zustand, der irreversibel erscheint.
Man kann sich nur selbst dazu verhalten, Inseln der Aufmerksamkeit schaffen, der Konzentration, was aber in einer solchen Betriebsamkeit und angesichts der Fülle und Qualität der Sammmlungen in einem "Weltmuseum" wie dem Louvre wirklich schwer ist. Ja, Der gute Rat von Valery und Adorno, sich ein, zwei Bilder zu suchen, und sie so ernst zu nehmen wie irgend möglich - das soll mir mal einer vormachen, in der Grand Galerie zum Beispiel.
Auch der Louvre wird weiter wachsen, nicht nur mit "Filialen" expandieren, wie nach Lens oder Abu Dhabi, sondern auch in Paris, vielleicht gibt es noch museal nicht genutzte Räume oder Höfe, vielleicht kann man noch tiefer unter die Erde gehen, aber die derzeitige politische und wirtschaftliche Situation läßt es als nicht wahrscheinlich aussehen, daß es in naher Zukunft eine Überbietung von Mitterands Grand Louvre geben könnte. der Stress wird bleiben.
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