Dienstag, 21. Mai 2013
Objet trouvé: Last gum
Last gum Sir Alex Ferguson chewed available on Ebay for £105,500 Quite how or indeed why it has made its way onto Ebay is open for debate, but what is purported to be the very last piece of gum chewed by masticator supreme Sir Alex Ferguson before his retirement from managing could very soon be yours if you’re willing to stump up the cash. Apparently, Fergie’s chewing gum was somehow retrieved from The Hawthorns after being spat out by United’s outgoing overlord following his final game before retirement against West Brom on Sunday.The gum, now proudly sat atop a velvet cushion and housed in a plush perspex presentation case, has been placed on the online auction site. By Monday afternoon, the highest of 98 bids was 105,500 Pounds.
Montag, 20. Mai 2013
Museumsszene
Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Blick aus der Ausstellung Lois Weinberger in die Sammlung Mittelalterlicher Kunst
Besuchervertreibung durch Architektur? Zwei Beispiele aus Graz
Was kann passiert sein?
Nun, kürzlich wurde eine sozusagen "zeitgenössische" Entscheidung was die Ausgestaltung des Zeughauses betrifft, getroffen. Eine mit "Synergien". Statt die alte einführende historische Ausstellung zu erneuern, die im Erdgeschoss auf die auf mehreren Stockwerken verteilte Sammlung von Waffen, Rüstungen und 'Zeugs' vorbereitete, wurde dort der Shop des Graz-Tourismus untergebracht, der bislang einige Häuser weiter, aber ebn auch an erster Adresse, in der Herrengasse, untergebracht war. Beide sparen, das Museum und der Graz-Tourismus, letztere vermutlich an Miete und Betriebskosten, ersteres an Personal, weil der Tourismus den Ticket- und Shopverkauf mit übernimmt.
In den langgestreckten, gewölbten Raum wurden igluartige Kioske eingebaut, die die verschiedenen Funktionen übernehmen. Dadurch ist aber ein relativ dunkler, beengend wirkender Raum entstanden und der immer schon unspektakuläre Zu- und Aufgang zum Sammlungsbereiches ist noch unklarer als bisher.
So erklärt - zumindest die Zeitung - den Besucherschwund.
Besucherschwund durch Architektur?
Eine Parallele gibt's bei der Gestaltung des zentralen Eingangs zum "Joanneumsviertel", wo ja ein gemeinsamer Zugang zu Museen des Universalmuseums und zur Landesbibliothek existiert. Die Bibliothek war bisher ebenerdig, vom zwischen den Museumsbauten, jetzt verschwundenen und durch eine asphaltierte Fläche ersetzten gelegenen Park aus zu erreichen. Ein solcher Zugang existiert noch, jetzt von einem der Höfe aus, wird aber in der Regel nicht genutzt.
Wie Mitarbeiter der Landesbibliothek erzählen, habe es einen sogar beträchtlichen Benutzerrückkang gegeben, seit der neue Eingang benützt werden muß. Man sollte doch denken, daß eine moderne Erschließung einschließlich der hell und ansprechend gestalteten Leseplätze im Foyer neue Besucher anlocken. Stattdessen verweigert sich ein Teil des Stammpublikums.
Warum. Die, so wird einem erklärt, nehmen den unterirdischen Eingang nicht an. Mit einer Rolltreppe geht's in einem Glaszylinder abwärts und wenn man in den eigentlichen Lesesaal kommen will, muß man, mit Lift oder Treppe einige Stockwerke wieder hoch gehen oder fahren. Das scheint als "Abschreckung" zu genügen.
Unterirdische Eingänge namentlich bei Museen sind nicht so selten, aber sie haben meist eine symbolische (Jüdisches Museum Berlin) oder funktionelle Bedeutung (Louvre). Hier aber, bei der Bibliothek und beim Museum trifft beides nicht zu. Die "Umleitung" zuerst in die Tiefe und dann wieder zurück ist weder zwingend noch logisch noch durch eine entsprechende Gestaltung sinnfällig gemacht. Die zentrale Benutzerfahrung ist die von Umständlichkeit - und weiten Wegen.
Wer zu viel (oder zu schlecht?) baut, den bestraft der (Nicht)Besucher...
Sonntag, 19. Mai 2013
Krieg, ausgestellt
Der (mir) vor allem als Filmkritiker bekannte Georg Seeßlen hat sich jetzt mal an eine
Art von Ausstellungskritik gewagt, besser gesagt an eine Kritik der Musealisierung des Krieges seit der
Kriegsausstellung von 1916 (!).
In Seeßlens Blog "Das schönste an Deutschland ist die Autobahn" hier nachzulesen:
http://www.seesslen-blog.de/2013/05/15/die-kriegsausstellung/#more-2035
Sonntag, 12. Mai 2013
Martyrologisches Objekt
Blutige Handschuhe von Kaiser Franz Josef und seines Adjutanten, "Blutzeugen" des Attentats auf den Kaiser, eingeredet Erinnerung
Ausstellung Maximilian von Mexiko
Donnerstag, 9. Mai 2013
Was ist ein gutes Museum? - Die "Times" hat eine Liste
Die 50 besten Galerien der Welt listet jüngst die Times auf. Alle Österreichischen Zeitungen berichteten, denn das Leopold-Museum gehört zu den best of und das Kunsthistorische Museum findet sich unter den top ten. Dieses Museum, das einer meiner kunsthistorischen Lehrer als gutes zweitrangiges Museum einstufte, liegt noch vor dem Louvre und der National Gallery. Leider wird nirgends etwas über die Kriterien der Bewertung verraten, die zu einem so bizarren Ranking führt.
Mittwoch, 1. Mai 2013
Intervention, unbestellt
Interventionen in Museen sind meist Auftragsarbeiten von Künstlern, die das Bedeutungssystem der (Dauerausstellung) kommentieren, erweitern, durchkreuzen, negieren oder kritisieren. Der Umstand, daß Interventionen in der Regel beauftragt und also erwünscht sind, setzt ihrem subversiven Potential Grenzen. Interventionen in Museen sind oft Indizien ihrer Ermüdung oder auch ihrer Unfähigkeit, sich von sich heraus zu ändern.
Unerwünschte, nicht beauftragte, also ohne Wissen der Institution gesetzte Aktionen sind sehr selten. Jetzt gabs in Wien eine solche Intervention, die nicht weniger als die Legitimation des Museums in Frage stellte.
Der Künstler Pedro Watkins (ein Pseudonym?) verkündete die Schließung des MUMOK in Wien, wobei er sich des Internets und einer gefakten Museumswebseite bediente. Das Museum war genötigt, zu dementieren. Der Künstler setzte - im Namen des Museums - noch nach um sich dann zu erkennen zu geben.
Nicht unoriginell die Begründung für seine "Museumsschließung": Wegen eines "inakzeptabel hohen Anteils von Besuchern aus sozioökonomisch wohlhabenden Gruppen" und dem "schwindenden Interesse der Besucher für die Kunst zugunsten der Museumsshops, Restaurants etc." habe sich das Museum zur Schließung entschlossen.
(Hier der Bericht im Standard).
Unerwünschte, nicht beauftragte, also ohne Wissen der Institution gesetzte Aktionen sind sehr selten. Jetzt gabs in Wien eine solche Intervention, die nicht weniger als die Legitimation des Museums in Frage stellte.
Der Künstler Pedro Watkins (ein Pseudonym?) verkündete die Schließung des MUMOK in Wien, wobei er sich des Internets und einer gefakten Museumswebseite bediente. Das Museum war genötigt, zu dementieren. Der Künstler setzte - im Namen des Museums - noch nach um sich dann zu erkennen zu geben.
Nicht unoriginell die Begründung für seine "Museumsschließung": Wegen eines "inakzeptabel hohen Anteils von Besuchern aus sozioökonomisch wohlhabenden Gruppen" und dem "schwindenden Interesse der Besucher für die Kunst zugunsten der Museumsshops, Restaurants etc." habe sich das Museum zur Schließung entschlossen.
(Hier der Bericht im Standard).
Sonntag, 21. April 2013
Montag, 15. April 2013
Der Projektmacher als Untoter
Alt aber gut. Chris Dercons Interview aus dem Jahr 2010 über die Fallen der Projektmacherei und das Prekariat im Kunst- und Kunstvermittlerbetrieb ist sehr lesenswert.
Kostprobe: "Der Zombie oder der Untote ist nicht in erster Linie eine Verkörperung des Bösen, sondern ein Leidender, der seine Opfer mit einer bizarren Beharrlichkeit verfolgt, gefärbt von einer Art unendlicher Traurigkeit. Die melancholischen Toten kehren zurück, weil sie nicht richtig begraben wurden. Wenn ich an Geister oder Zombies denke, denke ich an ältere, erfolglose kreative Individuen wie Schriftsteller, DJs, Webdesigner oder Innenarchitekten. Ihre Rückkehr – die Rückkehr der Toten – belegt, dass sie nicht ihren Platz in der Tradition finden können."
Und hier der ganze Text im Magazin Monopol: http://www.monopol-magazin.de/artikel/20101584/-chris-dercon-kuenstlerprekariat.html
Kostprobe: "Der Zombie oder der Untote ist nicht in erster Linie eine Verkörperung des Bösen, sondern ein Leidender, der seine Opfer mit einer bizarren Beharrlichkeit verfolgt, gefärbt von einer Art unendlicher Traurigkeit. Die melancholischen Toten kehren zurück, weil sie nicht richtig begraben wurden. Wenn ich an Geister oder Zombies denke, denke ich an ältere, erfolglose kreative Individuen wie Schriftsteller, DJs, Webdesigner oder Innenarchitekten. Ihre Rückkehr – die Rückkehr der Toten – belegt, dass sie nicht ihren Platz in der Tradition finden können."
Und hier der ganze Text im Magazin Monopol: http://www.monopol-magazin.de/artikel/20101584/-chris-dercon-kuenstlerprekariat.html
Sonntag, 14. April 2013
Wie man ein Museum eröffnet
Samstag, 13. April 2013
Der mathematisch physikalische Salon in Dresden wird wiedereröffnet
Sooft ich in den letzten Jahren in Dresden war, immer stand ich enttäuscht vor den Toren einer der wunderlichsten Sammlungen, die ich je - noch zu Zeiten der DDR - gesehen habe. Jetzt ist der Mathematisch physikalische Salon im Zwinger wieder eröffnet und Eckhard Fuhr hat ihm in DIE WELT einen schönen Artikel gewidmet, der über die wissenschaftsgeschichtliche Bedeutung solcher naturwissenschaftlicher Sammlungen informiert (hier).
Objet trouvé: Selbstmusealisierung
Freitag, 12. April 2013
Unerwünschte Nebenwirkungen
"Inklusion" gehört zu den museologischen Modewörtern, mit denen der Anspruch auf Einschluß bislang nicht beachteter Gruppen ins Museum bezeichnet wird.
Unerwartete Effekte hatte eine über den Eintrittspreis regulierte Liberalsisierung des Zutritts beim Louvre, die Personen bis zum 26. Lebensjahr freien Eintritt gewährt.
Seither machen Jugendliche (Zeitung 1), Jugendbanden (Zeitung 2) oder Roma-Banden (Zeitung 3) die Schauräume unsicher. Immerhin ist dieses Problem so virulent, daß das Aufsichtspersonal einen Tag lang gestreikt hat.
Man darf gespannt sein, wie der Louvre die Grenzziehung und -überwachung an seiner inneren sozialen Demarkationslinie zwischen Bildungsbeflissenen und "bildungsfernen Schichten" bewerkstelligen wird.
Jetzt wurde erst mal die Polizei geholt.
Unerwartete Effekte hatte eine über den Eintrittspreis regulierte Liberalsisierung des Zutritts beim Louvre, die Personen bis zum 26. Lebensjahr freien Eintritt gewährt.
Seither machen Jugendliche (Zeitung 1), Jugendbanden (Zeitung 2) oder Roma-Banden (Zeitung 3) die Schauräume unsicher. Immerhin ist dieses Problem so virulent, daß das Aufsichtspersonal einen Tag lang gestreikt hat.
Man darf gespannt sein, wie der Louvre die Grenzziehung und -überwachung an seiner inneren sozialen Demarkationslinie zwischen Bildungsbeflissenen und "bildungsfernen Schichten" bewerkstelligen wird.
Jetzt wurde erst mal die Polizei geholt.
Donnerstag, 11. April 2013
Dienstag, 9. April 2013
Fröhliche Wissenschaft
Eine äußerst kurzweilige Auffassung von kuratorialer Museumsforschung trägt Kees Moeliker vom Rotterdamer Naturmuseum vor - eine Zusammenfassung seiner Forschungen über Vögel, die gegen Glas fliegen und sehr seltsame Sachen machen ...
Hier der Link: http://video.ted.com/talk/podcast/2013/None/KeesMoeliker_2013.mp4
Hier der Link: http://video.ted.com/talk/podcast/2013/None/KeesMoeliker_2013.mp4
Freitag, 5. April 2013
Das Wiener Völkerkundemuseum wird zum "Weltmuseum". Museumstransformationen im Zeitalter der Museumsvermarktung
Das Wiener Völkerkundemuseum soll demnächst "Weltmuseum Wien" heißen. Inspiriert ist die Umbenennung wohl von einigen, schon vor vielen Jahren umbenannten ethnologischen Museen, wie dem Haus der Kulturen in Berlin oder den Museen der Weltkulturen in Frankfurt oder Mannheim, oder dem Basler Museum der Kulturen. Diese kleine Aufzählung zeigt, daß es immer um Kulturen geht, nie nur um Welt. Die Koppelung von Welt und Wien, semantisch ohnehin zweideutig, hat wohl auch mit der angekündigten Neupositionierung des Museums zu tun, aber in erster Linie doch eher damit, irgendein Alleinstellungsmerkmal - nicht über Ziele, Strategien oder Konzepte -, sondern über die Benennung zu bekommen. Es geht um eine "neue Marke" und es ist bezeichnend daß sie zuerst zusammen mit einem neuen Logo und einem Internetauftritt vorgestellt wird, ehe in einigen Wochen das Konzept für das "neue" Museum vorgestellt werden wird.
Was ist ein Weltmuseum? Was ist ein Universalmuseum? Das Landesmuseum Joanneum in Graz hat sich vor nicht allzulanger Zeit diesen Namen gegeben. Dabei war eine Variante "Universalmuseum Steiermark" in Diskussion, aber der Verzicht auf die historische Benennung nach dem Gründer wurde von so manchem Kurator als Verzicht auf ein Stück historisch fundierter Identität des Museums aufgefasst. So koppelte man schließlich das Universale mit dem Joanneum. Begründet wurde die Umbenennung mit der Vielfalt der Sammlungen und, was möglicherweise bezeichnender ist, mit der besseren Übersetzbarkeit von Universalmuseum ins Englische im Unterschied zu Landesmuseum. Auch hier ging es also um die Schaffung einer neuen Marke, die von der Schaffung eines aufwändigen neuen Corporate Design einherging.
Beim Wiener Museum darf man auf das neue Konzept deshalb gespannt sein, weil es ja dort unter anderem um den Aufbau einer neuen Dauerausstellung geht und um die Frage, ob "Neupositionierung" sich nur auf den "Museumsmarkt" beziehen wird, oder auch auf Ziele und Methoden der Museumsarbeit.
Mit "Museumsmarkt" meine ich den Umstand, daß Museen immer stärker untereinander konkurrieren, um Besucher, um Aufmerksamkeit, um mediales Echo. Die Wahl, das Völkerkundemuseum "Weltmuseum" zu nennen, hat nicht nur mit dem lokalen wiener Museumsmarkt zu tun, sondern mit der internationalen Konkurrenz. Gerade weil die Koppelung von "Welt" und "Kulturen" schon mehrfach "vergeben" war, kam man wohl aufs "Weltmuseum". Damit aus dem "Weltmuseum" nicht ein "Allerweltsmuseum" wurde, war die Spezifizierung "Wien" nötig. Die erst schafft Unverwechselbarkeit aber auch Vergleichbarkeit mit Basel, Mannheim oder Berlin - wo ja das geplante Museum im Schloß im Verbund mit der Museumsinsel bereits als "Universalmuseum" gehandelt wird.
In diesen Zusammenhang gehört auch die Entscheidung, die kunstgewerblichen (früher noch: kunstindustriellen) Sammlungsbestände unter dem Namen "Kunstkammer" auszustellen. Sicher, die Objekte kommen aus verschiedenen habsburgischen Kunstkammern, aber die Art und Weise ihrer Ausstellung hat nichts mit einer Kunstkammer zu tun. Schwerer wiegt, daß diese Sammlung nicht mehr identisch ist mit denen des 16. und 17. Jahrhunderts. Die allmähliche Auflösung der Kunstkammern ging mit einer neuen Klassifikation, Bewertung und Aufteilung in Sammlungsgruppen einher. Kunstkammerbestände gibt es in Ambras und - im Völkerkundemuseum und im Naturhistorischen Museum. Die Bestände der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums sind also Indizien eines sammlungsgeschichtlichen Bruchs, nicht einer Tradition.
Wenn die Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums die Kunstkammer als Wiege des Kunsthistorischen Museums bezeichnet, dann ignoriert sie nicht nur ältere habsburgische Sammlungsbestände in den beiden Schatzkammern sondern auch die grundlegende Transformation die nötig war, um aus den unzähligen Sammlungstypen der frühen Neuzeit (unter denen die Kunstkammer nur eine war) das Museum der Moderne hat entstehen lassen.
Wenn jetzt, wie bestellt oder inszeniert, Untersuchungen an der Hofburg Baureste der dortigen Kunstkammer zutage fördern, wird das als Sensation gemeldet und man ist sofort mit der Formulierung vom "ältesten Museum nördlich der Alpen" zur Hand. Das suggeriert zusätzlich zur Konstruierbarkeit einer jahrhundertelangen sammlungsgeschichtlichen Tradition, deren Fragwürdigkeit ich eben erwähnt habe, die Existenz einer "Museumsarchitektur". Doch Kunstkammern waren in der Regel höchst bescheidene Zimmer oder Gewölbe mit ebenso bescheidener Ausstattung, nüchterne Nutzräume und weit entfernt von dem, was als "Museum" bautypologisch seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden ist.
Was ist ein Weltmuseum? Was ist ein Universalmuseum? Das Landesmuseum Joanneum in Graz hat sich vor nicht allzulanger Zeit diesen Namen gegeben. Dabei war eine Variante "Universalmuseum Steiermark" in Diskussion, aber der Verzicht auf die historische Benennung nach dem Gründer wurde von so manchem Kurator als Verzicht auf ein Stück historisch fundierter Identität des Museums aufgefasst. So koppelte man schließlich das Universale mit dem Joanneum. Begründet wurde die Umbenennung mit der Vielfalt der Sammlungen und, was möglicherweise bezeichnender ist, mit der besseren Übersetzbarkeit von Universalmuseum ins Englische im Unterschied zu Landesmuseum. Auch hier ging es also um die Schaffung einer neuen Marke, die von der Schaffung eines aufwändigen neuen Corporate Design einherging.
Beim Wiener Museum darf man auf das neue Konzept deshalb gespannt sein, weil es ja dort unter anderem um den Aufbau einer neuen Dauerausstellung geht und um die Frage, ob "Neupositionierung" sich nur auf den "Museumsmarkt" beziehen wird, oder auch auf Ziele und Methoden der Museumsarbeit.
Mit "Museumsmarkt" meine ich den Umstand, daß Museen immer stärker untereinander konkurrieren, um Besucher, um Aufmerksamkeit, um mediales Echo. Die Wahl, das Völkerkundemuseum "Weltmuseum" zu nennen, hat nicht nur mit dem lokalen wiener Museumsmarkt zu tun, sondern mit der internationalen Konkurrenz. Gerade weil die Koppelung von "Welt" und "Kulturen" schon mehrfach "vergeben" war, kam man wohl aufs "Weltmuseum". Damit aus dem "Weltmuseum" nicht ein "Allerweltsmuseum" wurde, war die Spezifizierung "Wien" nötig. Die erst schafft Unverwechselbarkeit aber auch Vergleichbarkeit mit Basel, Mannheim oder Berlin - wo ja das geplante Museum im Schloß im Verbund mit der Museumsinsel bereits als "Universalmuseum" gehandelt wird.
In diesen Zusammenhang gehört auch die Entscheidung, die kunstgewerblichen (früher noch: kunstindustriellen) Sammlungsbestände unter dem Namen "Kunstkammer" auszustellen. Sicher, die Objekte kommen aus verschiedenen habsburgischen Kunstkammern, aber die Art und Weise ihrer Ausstellung hat nichts mit einer Kunstkammer zu tun. Schwerer wiegt, daß diese Sammlung nicht mehr identisch ist mit denen des 16. und 17. Jahrhunderts. Die allmähliche Auflösung der Kunstkammern ging mit einer neuen Klassifikation, Bewertung und Aufteilung in Sammlungsgruppen einher. Kunstkammerbestände gibt es in Ambras und - im Völkerkundemuseum und im Naturhistorischen Museum. Die Bestände der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums sind also Indizien eines sammlungsgeschichtlichen Bruchs, nicht einer Tradition.
Wenn die Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums die Kunstkammer als Wiege des Kunsthistorischen Museums bezeichnet, dann ignoriert sie nicht nur ältere habsburgische Sammlungsbestände in den beiden Schatzkammern sondern auch die grundlegende Transformation die nötig war, um aus den unzähligen Sammlungstypen der frühen Neuzeit (unter denen die Kunstkammer nur eine war) das Museum der Moderne hat entstehen lassen.
Wenn jetzt, wie bestellt oder inszeniert, Untersuchungen an der Hofburg Baureste der dortigen Kunstkammer zutage fördern, wird das als Sensation gemeldet und man ist sofort mit der Formulierung vom "ältesten Museum nördlich der Alpen" zur Hand. Das suggeriert zusätzlich zur Konstruierbarkeit einer jahrhundertelangen sammlungsgeschichtlichen Tradition, deren Fragwürdigkeit ich eben erwähnt habe, die Existenz einer "Museumsarchitektur". Doch Kunstkammern waren in der Regel höchst bescheidene Zimmer oder Gewölbe mit ebenso bescheidener Ausstattung, nüchterne Nutzräume und weit entfernt von dem, was als "Museum" bautypologisch seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden ist.
Mittwoch, 3. April 2013
Wieder mal: Das Wien Museum
Eigentlich hätte die "Standortfrage" des Wien Museums Ende 2012 geklärt sein sollen. Zur Erinnerung: es geht um die Entscheidung, ob in der Nähe des neuen Zentralbahnhofes ein Neubau errichtet werden soll oder ob das Museum bleibt, wo es ist, am Karlsplatz, und unter Umständen erweitert wird, wie ist offen.
Nun liegt alles bei der Wiener Baudirektion (!), die einen "Vorgehenskonzept" erarbeitet und jede Idee, sie würde nun entscheiden, was weiter geschieht, von sich weist.
Wie schiebt man etwas auf die lange Bank, wie lange delegiert man etwas, wie weit reicht man etwas durch die Verwaltung, bis, ja bis was eigentlich...? Denn: was ist ein "Vorgehenskonzept"? Ein Plan für das, was man tun sollte? Ich weiß zwar nicht was ich will, aber dafür lass ich mir ein Konzept machen? Von der Baudirektion?
Nun liegt alles bei der Wiener Baudirektion (!), die einen "Vorgehenskonzept" erarbeitet und jede Idee, sie würde nun entscheiden, was weiter geschieht, von sich weist.
Wie schiebt man etwas auf die lange Bank, wie lange delegiert man etwas, wie weit reicht man etwas durch die Verwaltung, bis, ja bis was eigentlich...? Denn: was ist ein "Vorgehenskonzept"? Ein Plan für das, was man tun sollte? Ich weiß zwar nicht was ich will, aber dafür lass ich mir ein Konzept machen? Von der Baudirektion?
Dienstag, 2. April 2013
Fundsache "Wie mans (nicht) macht"
Montag, 1. April 2013
Wozu Museen. Eine andere Antwort (Das Museum Lesen 33)
Das Museum im eigentlichen Sinne wird paradoxale Synthese dieses doppelten Ursprungs vollziehen, des Kultes und des Raubs, indem es das Kunstwerk in einen heiligen Schatz, d.h. im Grunde genommen ein Monster situiert auf der Kreuzung von Kontemplation und Konsumation, etwas, das man besitzt, aber wovon man sich verbietet, es zu berühren, etwas, das ihnen einen Genuß verschafft, aber ganz symbolisch und abgeleitet. B. Deloche
Warum Museen. Eine Antwort (Das Museum lesen 32)
»Das
Volk wird nicht vergessen, daß die Vernunft sich durch eine solide und wahre Bildung
stärkt. Die Bildung, die ihm zugänglich gemacht worden ist, ist für es schon
zum wirksamsten Mittel der Erneuerung und des Ruhms geworden; sie hat ihm einen
Hebel von ungeheurer Kraft in die Hand gegeben, dessen es sich bedient, um die
Völker sich erheben zu lassen, um die Throne ins Wanken zu bringen und auf
immer die Monumente des Irrtums umzustoßen. [...] Niemals hat sich den Nationen
ein großartigeres Schauspiel geboten. All diese Objekte, die man vom Volk
fernhielt oder die man ihm nur zeigte, um es in Erstaunen zu versetzen und mit
Respekt zu erfüllen, all diese Reichtümer gehören ihm. Künftig werden sie der
Volksbildung dienen; sie werden dazu dienen, philosophische Gesetzgeber,
aufgeklärte Beamte, gebildete Landwirte und Künstler heranzubilden, Künstler,
deren Genie ein großes Volk nicht vergeblich gebietet, seine Erfolge würdig zu
feiern; sie werden dazu dienen, Professoren heranzubilden, die nur das lehren
werden, was nützlich ist, und schließlich Lehrer, die energisch und mit einer
einfachen Methode stramme Verteidiger der Republik und unerbittliche Feinde der
Tyrannen heranziehen werden. Wer erkennt nicht die Bedeutung, die dieses schöne
Unternehmen für alle Völker und für alle Zeitalter hat.«
Instruction sur la manière d’inventorier et de conserver (...). Paris 1794
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