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Montag, 29. Dezember 2014

Propter Homines. Etwas zu Privatisierung.

Erschienen in: derdiedas bildende. Akademiezeitung No.2, 2014, S.8/9


Proper Homines bezeichnet - in Goldbuchstaben an eine Wand appliziert - einen Veranstaltungsraum in der Albertina in Wien. Übersetzt heißt das Der Menschen wegen, etwas freier Zum Wohl der Menschen. Die unübersehbare Inschrift hat eine doppelte Funktion. Sie würdigt die Stiftung, die die Errichtung dieses Raumes ermöglicht hat, eine Stiftung, die denselben Namen trägt: Proper Homines und damit die Person des Stifters und Vorsitzenden der Stiftung, Herbert Batliner. Das Motto würdigt Stiftung und Stifter gleichermaßen und weist dem Engagement, das bei der Alberten auch in der Leihgabe von Gemälden aus der Sammlung Batliner besteht, eine allgemeine Bedeutung zu: Zum Wohl der Menschen.
Herbert Batliner ist Rechtsanwalt in Lichtenstein. Er gilt als Erfinder von Stiftungskonstruktionen, die die Umgehung der Steuerpflicht zum Beispiel für deutsche Staatsbürger erlaubte. Im großen Maßstab, wie die Übermittlung von gut gehüteten Daten seiner Kunden an die deutschen Finanzbehörden zeigte. Batliner vermied eine drohende Verurteilung durch freiwillige Zahlungen. Proper Homines?  Ja. Wenngleich nur für wenige und sehr Begüterte.
Die Albertina ist eine weltberühmte grafische Sammlung und ein staatliches Museum. Batliner ist Privatmann. Ein staatliches Museum ist als öffentliche Einrichtung zwingend verpflichtet, sich an das Gesamt der Staatsbürger_innen zu adressieren. Propter homines ist keine Wahl dieser oder jener Museums-Konzeption oder eines Mission Statements, das auch anders lauten könnte. Es ist eine gesellschaftliche, von staatlicher Politik und Verwaltung treuhänderisch wahrgenommene Verpflichtung. Jeder hat das Recht die im Besitz des Staates befindliche Sammlung zu nutzen. Aber Öffentlichkeit erschöpft sich nicht darin, sie charakterisiert alle wohlfahrtsstaatlichen Einrichtungen, die zum Wohle – die frühesten republikanischen Verfassungen kennen hier an Stelle des Wortes „Wohl“ noch das des „Glücks“ -, der Gesellschaft installiert wurden.
Ein Stifter, ein Mäzen, ein Sammler, ein Förderer kann das Wohl aller im Blick haben, er muss aber nicht. Wie man es auch wendet und dreht, seine Interessen bleiben privat. Die staatlichen müssen öffentlich sein, also nicht (nur) im Sinne von öffentlich und allgemein zugänglich, sondern im Sinne von zum Nutzen aller.


Ein Blick auf die Etymologie des aus der römischen Rechtskodifizierung stammenden Wortes privat macht uns sensibel für die Schärfe des Gegensatzes zwischen den beiden Begriffen und Praktiken, die durch sie bezeichnet werden. Da geht es nicht nur um den Gegensatz zwischen der privaten häuslichen Sphäre und den öffentlichen, namentlich politischen Angelegenheiten. Da geht es auch um eine sprachlich vermittelte Wertung, die die res publica, die alle betreffenden Angelegenheiten (die so genannte gemeinsame Sache, also die, die alle angeht und durch deren Vermittlung und Beteiligung an ihrer Ausgestaltung sie von Bürger zu Staatsbürgern und Staatsbürgerinnen warden. Synonym für Gemeinwesen bzw. Gemeinwohl und schließlich auch – als Republik – Staatsform, die vom Prinzip der Volkssouveränität getragen und legitimiert wird) offenbar im Vergleich zum Privaten über das – wörtlich – Geraubte (privare = rauben) setzt.

Etwa drei Jahrhunderte hindurch war Sammeln Privatsache und der Zugang zu Sammlungen und ihre Nutzung (durch Wissenschafter, Künstler, Kenner usw.) hing von der Gunst des Eigentümers ab. Sammlungen im Besitz einer Gemeinschaft, etwa einer Stadt wie Venedig (wo der Doge Domenico Grimani kurz vor seinem Tod 1523 seine Sammlung der Stadt vermacht), Basel (wo der städtische Erwerb der Sammlung des Humanisten Amerbach deren Weiterbestand sicherte) oder Zürich (wo in der sogenannten Wasserkirche 1634ff. eine Bibliothek und eine Sammlung eingerichtet wurden)  sind Ausnahmen. Die Vorstellung eines korporativen Besitzes und Nutzens entwickelte sich in der Aufklärung und voll ausgebildet wird die uns geläufige und im Kern noch gültige Idee des Museums erst in der Französischen Revolution. Bemerkenswert ist, daß es dort zu einer umfassenden (gewaltförmigen, rechtsbrüchigen) Umwandlung privaten Besitzes (Der Königsfamilie, des Adels, der Kirche, der Emigranten) in öffentliches Gut kommt, aus dem (unter anderem) die großen Pariser Museen einschließlich des Louvre gegründet warden können. Der Genuss (ein Wort der revolutionären Praxis) der kulturellen Güter und Werte ist nun nicht von Gunst abhängig, sondern verbrieftes Recht. In Verfassung und Gesetzen niedergelegt, ist dieses allgemeine Recht in seiner frühen Zeit explizit eines, das in seinem zivilisierenden Ritual (Carol Duncan; Sabine Offe) auf die Staatsbürgerlichkeit (im Paris der 1790er-Jahre) bzw. die Humanisierung der Nation (im Berlin der 1830er-Jahre) zielt.
Die allgemeine Zugänglichkeit zu den kulturellen Institutionen und der staatliche Besitz an Kulturgütern - in Italien I beni culturali, in England Heritage, in Frankreich Patrimoine und hierzulande kulturelles Erbe genannt, sind nicht Ziel des Museums, sondern Bedingungen seiner gesellschaftlichen Wirkmächtigkeit.


 In einem vor nicht allzu langer Zeit bei ARTE gezeigten Dokumentarfilm wurden zwei römische Passantinnen gefragt, wem denn das gerade mit Mitteln eines privaten Unternehmers sanierte Kolosseum gehöre. „Mir. Uns“ antworteten die beiden ohne eine Sekunde zu zögern und lachten. Daß ein solches Selbstbewußtsein nicht bloß anekdotisch ist, wird in der Doku im Gespräch mit irischen Bürgerrechtler_innen deutlich, die gegen den Verkauf der staatlichen Forste an private Unternehmen kämpfen und nun in der Verfassung die Umformulierung vom unveräußerlichen Staatsbesitz zum nicht veränderbaren Volksbesitz erzwingen wollen. Die Aktivisten haben ein tiefsitzendes Gefühl für den Wert gemeinschaftlichen Besitzes und für den Bruch, den es bedeuten würde, diesen aufzugeben. Sie wollen nicht, daß das, was ihnen gehört und was sie vielfach genießen und nutzen - was verlorenginge erzählen sie praktisch und anschaulich - enteignet wird, privatisiert, geraubt. Das propter homines muß also wieder in die Verfassung.
Solche Formen der Privatisierung gibt es heute viele und in vielen Formen. Privatisierung bedeutet immer Umwandlung von staatlichem in privaten Besitz. Und nicht überall ist der Bürgersinn so geschärft, für den essentiellen Verlust, für das Ausmaß und die Folgen der Enteignungen, die da im Großmaßstab vorgenommen werden.
In der Praxis ist die Unterscheidung von privat und öffentlich nicht immer einfach. Das Museum des Sammlerehepaares Karl Heinz und Agnes Essl, das diese auf der Basis einer mehrere tausend Kunstwerke umfassenden Sammlung, errichtet haben (in Klosterneuburg bei Wien), unterschied sich für einen Besucher nicht von einem staatlichen Museum. Privat an ihm waren die Auswahl der Sammlung, die Kriterien der Wahl, die Wahl von KuratorInnen usw. Es gibt andere Beispiele für mäzenatisches, also großzügiges Handeln, das sich bewußt und verantwortungsvoll auf das Gemeinwohl bezieht ohne eine Gegenleistung einzufordern oder zu erwarten. Umgekehrt gibt es paternalistisch geführte Museen, wo eine Leitung persönliche Vorlieben und Ideologien zum herrschenden Maßstab für die gesamte Institution macht, unter Umständen sogar bis zur Korruption. Und auch Politiker können sehr einsame Entscheidungen treffen, die man nicht anders als privat bezeichnen kann. Da ist ein Bundeskanzler der einen befreundeten Sänger zum Staatsoperndirektor ernennen will oder eine Stadträtin die eine Fernsehsprecherin zur Museumsdirektorin bestellt hat oder  der Landesrat, der sich be idem ihm unterstellten Museum eine zu seinem Hobby passende Ausstellung bestellt.. Letztlich sind das private Entscheidungen, die keinem gesellschaftlichen Auftrag mehr verpflichtet sind, und die nur durch mediale Thematisierung oder zivilen Einspruch zu verhindern sind. War der Ankauf der Sammlung Leopold, war die Errichtung eines Museums mit Steuergeld wirklich in öffentlichem Interesse? Und auch die Ausnahmekonstruktion eines Bundesmuseums als Privatstiftung? (sic!) es im öffentlichen Interesse, ein Landesmuseum, das Museum der Moderne in Salzburg, so mit einer Sammlung eines riesigen Versicherungskonzerns zum amalgamieren, dass  die meisten symbolischen und materiellen Vorteile auf Seiten des Konzerns und nicht bei der öffentlichen Hand liegen?

Der Gegensatz von öffentlich und privat hätte heute nicht eine solche Bedeutung und Dynamik, wenn nicht nahezu alle Sphären von ökonomischen Imperativen durchdrungen wären, die strukturell auf Privatisierung, auf Ballung riesiger Vermögen in wenigen Händen hinauslaufen und die Ziele und Werte des Wohlfahrtsstaates und demokratischer gesellschaftlicher Verfasstheit unterminieren. Im günstigeren Fall ist die Politik neutral, im schlechteren interessiert, die postdemokratische und kasinokapitalistische Dynamik als alternativlos (Angela Merkel) zu fördern. Und klassische diskursive und kritische Öffentlichkeit hat sich gerade im Feld des Ausstellens und der Museen kaum je entwickelt und existiert auch kaum. Es gibt daher kaum so etwas wie kulturelle Gegenöffentlichkeit und Innovation und Experiment findet man eher am Rand oder meist eher jenseits der Institutionen. Und die Museen und Ausstellungshäuser selbst? Sie bilden Kompromisse, um dem Druck der Verknappung der Mittel der sogenannten öffentlichen Hand standhalten zu können (beim Wiener Burgtheater hat sich zum ersten Mal gezeigt, dass das Grenzen hat) oder es werden auf Teufel komm raus Bündnisse geschlossen, die die Privatisierung von innen her vorantreiben und der Öffentlichkeit, etwa als Public Private Partnership, als Ausweg verkauft werden. Anders gesagt: die Museen betreiben eine Politik, die die ihre eigene Grundlage kontaminiert und beschädigt. So beklagen sie die Macht der veröffentlichten Besuchszahlen, rechnen sie selbst aber als Ausweis ihres Erfolges gegen staatliche Fördergelder.
Propter homines. Von einer Inschrift in er Albertina bin ich ausgegangen, um die sehr unterschiedlichen Instrumentalisierungen dieses Mottos zu thematisieren. Eine seiner Bedeutungsfacetten kann man im Shop der Albertina gewahr werden. Dort liegt das Kochbuch von Rita Batliner. Mit Liebe zur Koch-Kunst. 




Dienstag, 18. Mai 2010

"Frau Minister...??". Das Ringen des Matthias Dusini um eine Antwort der für die Museen zuständigen Ministerin Claudia Schmied auf seine ausgefuchsten Fragen



Der kleine Matthias Dusini - Claudia Schmied - Quiz. Wie hat die Ministerin geantwortet?

1.

Dusini: Werden öffentliche Einrichtungen dazu verwendet, das Image fragwürdiger Privatpersonen (D. nennt Herbert Batliner) aufzupolieren?

Schmied:

a) Da müssen Sie Herrn Batliner fragen?

b) Ich hoffe nicht. Institutionen sollten genau prüfen, mit wem sie kooperieren

c) Als Kunstminsterin freut es mich grundsätzlich, wenn die Museen gemeinsam mit Privaten Kunst für uns alle zugänglich machen.

2.

Dusini: Das Mumok und die Alberten werden derzeit mit Beständen des Daimler-Konzerns bespielt. hat man sich so die Zukunft der Bundesmuseen vorzustellen?

Schmied:

a) Diese Frage zielt ins Herz der Kulturpolitik

b) Kunst mit allen - die Wege zur Kunst müssen breiter werden. Dieses Bekenntnis müssen wir gegenüber neoliberalen Tendenzen immer wieder erneuern.

c) Nein. Man kann nicht öffentliche Einrichtungen die Verfügung über die Museums- und Kulturpolitik überlassen

Das gesamte Interview: "Ich bin nicht allein am Minoritenplatz". Claudia Schmied über die Reform der Museen, die Verantwortung des Staates und das Risiko in der Politik. Interview: Matthias Dusini, in: FALTER, 19/2010, S.34/35 (nicht online).

Richtig ist:

1a und 1c; 2 a und 2 b

Post scriptum:


"Ein chinesisches Sprichwort sagt: „Glück ist ein Gut, das sich vervielfacht, wenn man es teilt.“
Die Übergabe der Sammlung von Rita und Herbert Batliner an die Albertina kann als Realisierung dieses weisen Spruchs gesehen werden.
Was zwei Menschen mit großer Liebe zur Bildenden Kunst gesammelt haben, wird hier zur Freude und Bereicherung für viele Menschen.
Picasso hat einmal gesagt: „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele.“
Reiner könnte die Seele nicht sein, als am Ende dieser Ausstellung".

Rede Bundesminister Claudia Schmied anläßlich der Eröffnung der Ausstellung der Sammlung Batliner in der Albertina. 28.5.2009. Webseite des Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur.

Samstag, 23. Dezember 2017

Die Verdienste des Herrn Busek um die Verdienste des Herrn Batliner

Wer sich gerne über die österreichische Museums- und Kulturpolitik wundert, lese nach. wie Herr Erhard Busek, der Vorzeigeintellektuelle der ÖVP, das "Geschenk Batliner" feiert. Hier der Link. Und hier etwas, was ich schon mal zu Batliner und seinem Segen, den er über die Albertina gebracht habe, geschrieben habe.



Dienstag, 11. Dezember 2018

Essl, Batliner. Eine Sammlung „unter Verdacht“, die andere nicht

Olga Kronsteiner pisackt das Sammlerehepaar Essl schon seit langem hingebungsvoll. (link). Jetzt fordert sie im Standard Provenienzforschung für jene Sammlungsbestände ein, die in Bundesbesitz übergegangen sind. Gut. Soll man machen. Aber dann bitte auch und endlich eine Provenienzoffenlegung und -forschung für die Sammlung Batliner.

Dienstag, 21. Januar 2014

Ein Coup. Eine gravierende Meinungsänderung. Kommentar 3 zur Kooperation von Generali Foundation und Museum der Moderne Salzburg

Sabine Breitwieser im anlässlich ihrer Bestellung zur Leiterin des Museum der Moderne gegebenen Interview. Tageszeitung Der Standard, 13.August 2013 "...Es  gab an diversen österreichischen Museen, auch am MdM, Ausstellungen privater Sammlungen und Institutionen. In den USA ist es tabu, eine Privatsammlung auszustellen, wenn einem nicht Werke auf Dauer zur Verfügung gestellt oder im Idealfall geschenkt werden. Das ist auch grundsätzlich richtig so: Eine private Sammlung zu zeigen, sozusagen zu ihrem Upgrading beizutragen und sie dann wieder ziehen zu lassen, ist nicht Aufgabe eines öffentlichen Museums. Mein Ziel ist es, eine wichtige Sammlung an das Haus zu binden und im Dialog mit den bestehenden Sammlungen zu entwickeln, welche weiteren Impulse für die Sammlung sinnvoll zu setzen sind."
Sabine Breitwieser weiß natürlich was sie sagt und sie weiß auch jetzt was sie tut. In dem Interview, aus dem ich zitiere, erwähnt sie den Code of Ethics des Museum of Modern Art (von dem sie ja nach Salzburg berufen wurde) und wie strikt der gehandhabt wurde. Es sei dahingestellt, ob wegen eines solchen Codes die Verhältnisse in den Museen der USA wirklich so viel anders sind, als in Europa. Allein die Existenz eines Codes weist ja darauf hin, daß es etwas zu regeln gibt. Und das gilt für keinen Museumstyp mehr, als für Museen moderner Kunst. Die Verflechtung von Museum, Markt, Galerien, Händlern, Experten, Sammlern ist nirgendwo derart eng und dickichhaft verflochten. 
Sabine Breitwieser, weiß was sie tut. Und sie weiß, warum sie ihre Meinung ändern kann. Sie weiß, daß sie in Österreich anders agieren kann als anderswo. An der Albertina und an Klaus Albrecht Schröder gab es mancherlei Kritik, eine gezielte und wirksame an seinem Deal mit dem Ehepaar Batliner ist mir nicht bekannt, eine Auseinandersetzung mit Batliner und seiner Rolle in der Finanzwirtschaft auch nicht. Dabei müsste man z.B. nur die Süddeutsche Zeitung gelesen haben, seinerzeit und rechtzeitig. Als man die Stiftung Leopold einrichtete, statt die Sammlung in ein staatliches Museum zu integrieren, hat man über den Kaufpreis geschrieben. Was die Stiftungskonstruktion bedeutet, dämmert vielen erst jetzt, angesichts des Umgangs mit Restitutionsfragen und der Gründung einer Klimt-Stiftung durch Mitarbeiter des Hauses.
Weil die Verhältnisse so verschlampt sind, weil die Medien nicht reagieren oder auch wegschauen, kann Frau Breitwieser machen was sie eben macht. Was die Politiker betrifft, bleibt die Frage, wissen sie es auch, was sie tun oder haben sie ahnungslos und ohne jede Beratung agiert? Haben sie sich je mit der Frage beschäftigt, was den Unterschied von privat und öffentlich in bezug auf eine Kulturinstitution, auf ein Museum ausmacht?

(21.01.2014)

Der Ausgangstext mit den wesentlichen Informationen, einigen mir bekannt gewordenen Pressereaktionen und einem ersten Kommentar hier: http://museologien.blogspot.co.at/2014/01/ein-coup-eine-ubernahme-eine.html

Freitag, 5. Juli 2019

Wien bekommt mit dem Heidi-Museum ein Privatmuseums-Bermuda-Viereck

Hocherfreut nimmt der Museumskonsument die geplante Errichtung eines Heidi-Horten-Museums gegenüber dem Helmut-Batliner-Klaus-Albrecht-Schröder Museum unter der Leitung von Agnes Husslein-Arco zur Kenntnis und damit die Expansion der Privatsammler im Bermuda-Vierck mit der Haselsteiner-Essl-Sammlung im Künstlerhaus und dem Augenarzt-Leopold-Schatzthaus im Museumsquartier.
Aber wer ist Heidi Horten? Darüber gab schon mal im Vorjahr Matthias Dusini im Falter ausführlich Auskunft und er hat seinen Artikel nun wieder online gestellt. (Hier)
Die Diskussion "Wieviel Kunstmuseen braucht Wien" wird in die Verlängerung gehen. und vielleicht gibts ja auch mal eine Diskussion über die Privatisierung der Museen.

Dienstag, 26. März 2019

Die Drogenabhängigkeit der Museen

Die National Portrait Gallery in London hat eine Zuwendung der Familie Sackler zurückgewiesen. Sie ist die erste derartige und gewichtige kulturelle Einrichtungen, die dies tut.

Die Familie Sackler wurde mit dem Verkauf von abhängig machenden Schmerzmitteln über ihre Firma Purdue Pharma zu einer der reichsten Familien der USA. Das Ausmaß des Konsums der Droge und der Folgen mit zigtausenden Toten allein in den USA jährlich - Tendenz stetig steigend -, wird inzwischen offiziell als Epidemie oder Opiodkrise bezeichnet. Inzwischen laufen mehrere Gerichtsverfahren gegen die Familien, sehr spät, ist doch das Suchtpotential von Oxycontin, einem der umsatzstärksten Medikamente der Welt, seit Jahrzehnten bekannt. Das Medikament, ursprünglich nur für Schwerstkranke gedacht, wurde mit aggressiver Werbung und gezielten Strategien als allgemeines Schmerzmittel durchgesetzt. Dabei gelang es der Firma den gesamten Prozeß - von der Erzeugung über die Erporobung und Begutachtung, den praktischen Test in Krankenanstalten, die Werbung und den Vertrieb bis hin zur manipulativen Bericterstattung - in seinem Interesse zu kontrollieren und zu beeinflussen. Mittlerweilen wurde in Gerichtsverfahren die rücksichtslose Politik der Sacklers sehr weit aufgeklärt und es kam zu ersten Verurteilungen.

Aus ihrem Vermögen schöpfend trat die Familie Sackler als Sponsor vieler großer Kulturinstitutionen auf: Metropolitan Museum New York, Smithsonian Museum Washington, Victora & Albert Museum London, Guggenheim Museum New York, Louvre Paris, Tate Gallery Lonson, Harvard University, Princeton University, University of Oxford u.v.a.m. Zahlreiche Einrichtungen tragen den Familiennamen Sackler, wie etwa die Sackler Library der Universität Oxford für wissenschaftliche Literatur auf den Gebieten der Altertumswissenschaften, Archäologie und Kunstgeschichte oder die Serpentine Sackler Gallery in London. das Arthur M. Sackler Museum of Art and Archaeology der Harvard University, der Arthur M. Sackler Wing of Galleries at the Royal Academy of Arts. In Peking eröffnete 1993 The Arthur M. Sackler Museum of Art and Archaeology. Die Aufzählung ist bei weitem nicht vollständig.
Ein Mitglied der Familie, Mortimer Sackler ist übrigens Ehrensenator der Universität Salzburg, eine Ehre, die er mit einem anderen Kultur- und Museumsmäzen teilt: Herbert Batliner.


Die vielelicht berühmteste Sackler-Galerie in einem Museum, die im Metropolitan-Museum New York. Im Sackler-Wing ist unter anderem der Tempel von Dendur zu sehen, den die USA von Ägypten geschenkt bekamen, als der gewaltige Nilstaudamm, den man seit den 60er-Jahren erichtete, viele altägyptische Bauten und Kunstwerke überflutet hätte.
Carsten Probst hat im Deutschlandfunk die Motive von Konzernen gerade mit moralisch fragwürdiger Geschäftspolitik klar umrissen: "Spätestens seit der Finanzkrise von 2008 entdecken immer mehr Investoren ihre vermeintliche Liebe zur Kunst und sehen darin doch eigentlich nur einen alternativen Markt für Geldanlagen. Und wenn Großkonzerne oder von ihnen abhängige Stiftungen Museen und Universitäten in aller Welt fördern, hat auch dies in der Regel weniger mit rein philanthropischen Motiven zu tun, als mit Öffentlichkeitsarbeit. Auto- oder Zigarettenhersteller, Banken, Rüstungskonzerne oder Pharmafirmen, sie alle haben Imageprobleme, denen man am besten mit der öffentlichen Demonstration edler Gesinnungen begegnet. Volkswagen fördert mit Vorliebe Ausstellungen mit dem Thema Natur und Umwelt. Banken gerieren sich als Wohltäter am Gemeinwesen, Rüstungskonzerne wie Rheinmetall fördern die Völkerverständigung wie etwa durch Sponsoring einer Großausstellung mit europäischer Gegenwartskunst in Peking. Und die private Stiftung der Familie Sackler, die der Pharmabranche nahesteht, fördert großzügig Kunst und Wissenschaft in aller Welt, um den medizinischen Fortschritt in die Nähe anderer kultureller Errungenschaften zu rücken."

Der Entschluß der National Portrait Gallery, eine Spende der Familie Sackler anzunehmen fiel, als die Künstlerin Nan Goldin damit drohte, eine geplante Retrospektive ihres Werkes abzusagen, wenn das Museum nicht die finanzielle Zuwendung der Sacklers abweisen sollte. Nan Goldin, zeitweilig selbst opioidabhängig, hatte zuvor an mehreren Museen, Metropolitan Museum, National Gallery London und Guggenheim Museum Proteste gegen die Drogenpolitik der Sacklers organisiert. Ihre Aktivitäten scheinen mittlerweile zusammen mit den Gerichtsverfahren, Verurteilungen und der kritischen Berichterstattung in großen US-Medien, dazu zu führen, daß auch andere Museen sich gegen Sackler abgrenzen oder versprechen, ihre Sponsoring-Regeln zu überdenken. Eine Debatte, die die Tiefe der gegenwärtigen Restitutionsdebatte kolonialen Raubgutes hat, ist das noch nicht. Aber vielleicht ein Anfang dazu.

P.S.: Lange hat es gedauert, aber jetzt hat dann doch auch einen österreichische Zeitung das Thema entdeckt, und sich gefragt, wie es in dieser Frage um die Praxis österreichischer Museen steht. Michael Wurmitzer:  Glock, Novomatic, OMV: Von wem sollen Museen Sponsoringgeld nehmen?, in: Der Standard, 6.Juni 2019. https://derstandard.at/2000104411620/Glock-Novomatic-oder-OMV-Von-wem-sollen-Museen-Sponsoringgeld-nehmen


Sonntag, 30. März 2014

Sammlung Essl - Pressestimmen (aktualisiert am 30.3.)

Die Sammlung von Artikeln, Interviews, Statements, Glossen etc. zum Angebot Karlheinz Essls, der Staat möge zur Rettung der Sammlung und Sanierung der Firma seine Kunstsammlung ankaufen, ist umfangreich aber nicht lückenlos. Ich habe versucht, alle die Informationen zu filtern, in denen originelle und neue Informationen und Argumente enthalten sind.

Es kann sein, daß aus technischen Gründen die Links zu den Originalartikeln nicht hervorgehoben dargestellt werden. Sie liegen jeweils auf den Zeitungs-Namen.
Die Nachrichten sind chronologisch gereiht, die aktuellsten finden sich am Schluß des Posts.


"Rasch, rasch. Innerhalb einer Woche müsste etwas passieren." So antwortet Karlheinz Essl auf die Frage nach der Dringlichkeit einer Lösung im APA-Interview, das die Kleine Zeitung wiedergibt. Hier spricht sich Essla auch strikt gegen die Eingliederung der Sammlung in ein Bundesmuseum aus.

"7000 Kunstwerke gegen 4000 Jobs" lautet ein Kernsatz in der Berichterstattung des Kurier. Der zuständige Minister wird so zitiert, als wäre auch für ihn die Rettung der Jobs, das heißt der Baumarktkette, das eigentliche Ziel.
In einem kurzen historischen Exkurs untermauert der Kurier seine These, daß öffentliche Museen ja meist aus privaten Sammlungen entstanden seien. Die Schlußfolgerung, daß daher der aktuellle Vorgang "Essl-Sammlung" nicht so ungewöhnlich sei mündet im Resümee: "Da die öffentlichen Stellen für den Aufbau großer Kunstsammlungen zuletzt immer weniger Geld übrig hatten, sind Kooperationen mit Privatsammlern zum Muss geworden." Was den Kurier nicht so sehr interessiert ist, unter welchen Bedingungen früher Sammlungen staatlich wurden und unter welchen heute. Aktuell zeigt etwa der Deal des Generali-Konzerns mit dem Land Salzburg, daß private Interessen gewahrt bleiben ja sogar von der öffentlichen Hand finanziell unterstützt werden - zum Nachteil der öffentlichen Institutionen. Ist das bei einer Stiftungslösung nach Ankauf der Sammlung Essl durch den Staat nicht auch zu  erwarten?

Die Presse übernimmt in ihrem Bericht von Judith Hecht weitgehend die Argumentation Karlheinz Essls und hält sich mit eigenem Kommentar zurück. Schon am 23.3. berichtete die Zeitung (hier) über den Hintergrund - die Situation der Baumrktkette "baumax", in deren Insolvenz die Sammlung hineingezogen würde.

Im Standard zeigt sich Thomas Trenkler gegenüber dem Status der Sammlung skeptisch, so einzigartig sei sie nicht und ihr Wert könne nicht über eine Schätzung der einzelnen Werte ermittelt werden, wenn sie en bloc verkauft würde. Er beruft sich auf Museumsleiter, die dem staatlichen Ankauf sehr skeptisch gegebüberstünden, vieles sei ohnehin in Bundesmuseen vorhanden oder könnte vorhanden sein, wenn man ein Ankaufsbudget gehabt hätte.

Die Tiroler Tageszeitung fasst ausführlich die Sammlertätigkeit des Ehepaares Essl zusammen und macht darauf aufmerksam, daß sich das Essl-Museum nicht nur im Feld der bildenden Kunst profiliert hat: "Von Beginn an ist die Pflege der zeitgenössischen, elektronischen und experimentellen Musik durch Konzerte, Performances und Klanginstallationen in den Ausstellungsräumen integraler Bestandteil des Museumsprogramms. Damit hat sich ein international renommiertes und in Österreich einzigartiges Forum Neuer Musik im musealen Kontext etabliert. Seit 2011 bildet das Essl Museum auch eine Plattform für neue Literatur. In Lesereihen und Publikationen wird das Zusammenspiel von Literatur und zeitgenössischer Kunst ausgelotet."

Noch vor der aktuellen Krise der Sammlung brachte das profil (27.2.2014) einen Bericht, der interessant ist, weil er sich mit der Haltung der Essls und ihrem Verständnis ihrer Sammeltätigkeit beschäftigt. Daran schließt sich ein längeres Interview mit dem Ehepaar Essl an.

Olga Kronsteiner geht am 27.3. im Standard der Frage nach dem Wert der Sammlung nach. Dabei müsse man zwischen dem "internationalen" Teil der Sammlung - der kleiner aber wertvoller sei -, und dem "österreichischen Teil unterscheiden. Klar wird bei ihren Ausführungen daß alle bislang genannten Zahlen ziemlich unbrauchbar sind und zum Beispiel zeischen einem Teilverkauf (was Essl vehement ablehnt) und dem Verkauf der ganzen Sammlung ein erheblicher Unterschied bestünde. Sie berichtet, daß nun auch von Seiten der Banken ein Gutachten zum Wert der Sammlung in Auftrag gegeben worden sei.  

Hier berichtet die Kleine Zeitung über die ersten Gegenstimmen gegen den staatlichen Ankauf und hier gibt sie ein weiteres Interview mit Karlheinz Essl wieder, in dem er auf erste Gegenstimmen bereits reagiert.  

Auch der Kurier (25.3.) listet die ersten überwirgend skeptischen Reaktionen auf. Bestritten wird, daß die gesamte Sammlung von Wert sei, daß ein Ankauf eine Sammlungspolitik per Zufall sei oder daß eine Sanierung wohl kaum mit ausschließlich dem Sammlungsverkauf denkbar sein werde. Immerhin gibt es eine Glosse, in der entschieden zum Ankauf geraten wird.

Von überwiegend skeptischen Reaktionen berichtet auch die Presse (25.3.), wobei sie sich unter Galerien umgehört hat. Die nutzen die Gunst der Stunde um für eine Gesetzesänderung zu werben, die es den Museen erlauben würde, Kunstwerke auch wieder zu verkaufen. Damit wäre auch das Problem Essl-Ankauf gelöst, denn dann könnte man die Sammlung erwerben und weniger wertvolle oder für Museen nicht attraktive Teile der Sammlung loswerden.

Ebenfalls in der Presse wird über die wirtschaftliche Situation der "baumax"-Kette und den wirtschaftlichen Hintergrund des Verkaufsangebots der Essl-Kuntsammlung berichtet. 

In einem Beitrag im Standard widmet sich Eric Frey (26.3.) einem sonst unbeachteten Aspekt: dem Ethos des Firmengründers Karlheinz Essl, seiner hohen gesellschaftlichen Verantwortung gegenüber. Seinen Ausführungen, die sich auf die Führung des Konzerns beziehen, müsste man die analoge Haltung bei der Sammeltätigkeit, der Museumsgründung und -führung und der am Konzernstandort gelebten Verbindung von Firmenführung und ästhetischem Engangement gegenüberstellen. Wie auch Eric Frey einräumt, kann dies aber leider kein wirkliches Argument in der laufenden Debatte um den Ankauf der Sammlung sein.

In der Online-Ausgabe des Kurier, abgerufen am 28.3., finden sich gleich mehrere kurze Artikel, die unter anderem die zahlreichen Gegenstimmen gegen den Ankauf referieren, die ablehnende Haltung des Niederösterreichischen Landeshauptmannes (den Essl eigenem Bekunden nach nicht angesprochen hat) und die offenbar etwas vorsichtiger werdende Haltung von Minister Ostermeyer. Mit einer Bildergalerie "Die Preziosen der Sammlung Essl" wird aber ein Plädoyer für das Gewicht der Sammlung gehalten. 

Die Presse zeigt sich angesichts des Gegenwindes gegen Essls Angebot skeptisch und stellt ebnfalls fest, daß aus dem Minsterium vagere Töne zu hören sind: „Der Minister" zitiert sie einen Sprecher,  "hat angeregt, dass sich alle an einen Tisch setzen. Wenn sich keine Lösung finden lässt, dann gibt es eben keine.“ Unter den scharfen Gegenstimmen, die durch das Aufrechnen eigener Sparvorgaben gegen vermutetes Ankaufsbudget motiviert sind, fallen zwei durch ihre Aggressivität auf, das der Secession und das des Rektors der Universität für Angewandte Kunst: „Die Bundesmuseen haben zwar das ,Sammeln‘ als gesetzlichen Auftrag bekommen, aber seit Jahren praktisch kein Budget für Kunstankäufe.“ Kunst und Wissenschaft seien „am Kommunikationsradar der Politik offenbar nicht existent. 0,7% des Staatszuschusses an die Hypo-Alpe-Adria-Bank oder 58% des Buchwertes der Sammlung Essl reichen aus, um den österreichischen Kunstuniversitäten die Inflation in den drei Jahren von 2016–2018 auszugleichen!“

Eben in einem Artikel in der Presse sieht Rainer Nowak die Angelegenheit "Essl-Ankauf" schon erledigt. Vor allem angesichts des Neins aus Niederösterreich, zur Unterstützung einer staatlichen Lösung und wegen des Hypo-Desasters, das das Budget massiv und langfristig belasten wird, gibt es keinen Spielraum mehr.
Tatsächlich spiegelt sich in den ungewöhnlich vielen Reaktion in den Leserforen der diversen Zeitungen, von denen sich viele auf die Hypo-Pleite und die Burgtheater-Krise beziehen, eine große Frustration angesichts einer neuerlichen Belastung der Steuerzahler.

In einem Artikel vom 25.3. listen die Salzburger Nachrichten stattliche Namen - Galeristen und Museumsleiter - auf, die sich mit wenigen Ausnahme mehr oder weniger strikt gegen den Ankauf wenden und sich allenfalls eine Filetierung der Sammlung vorstellen können. Einen bislang überhaupt noch nicht aufgetauchten zentralen Punkt nennt Edelbert Köb: der Staat habe kein Museumskonzept, keine Museumspolitik, was bei einer derartigen Situation eine Entscheidungshilfe wäre.

Am 26.3. argumentierte der Künstler Richard Kriesche für eine strikte Trennung öffentlich-institutionellen Engagements und wandte sich in diesem Sinn selbst gegen eine Schenkung und verwies Essl auf den Kunstkarkt. (Im Standard, hier) Damit sind wir bereits in der Steiermark gelandet, ein anderes Indiz neben den zahllosen, in die hunderte gehenden Leser-Posts in den hier genannten Zeitungen, welche Kreise die Causa Essl zieht. MIt dem Kulturlandesrat und dem Intendanten des Universal-Museum Joanneum meldeten sich aus der Stiermark gleich zwei gewichtige Stimmen, und beide ablehend. (ORF.at, hier)

Martina Salomon steuert im Kurier originellerweise die Auffassung bei, daß es in Österreich zu wenig Reiche gäbe. Und zwar weil "exorbitante Einkommensbesteuerung und hohe Umverteilung in Österreich" den "Spitzenverdienern das Gefühl geben, sie müssten der Allgemeinheit nichts mehr freiwillig zurückgeben." (Kurier) Na, das wird schon noch - bei der rasch wachsenden Einkommenskluft! Frau Salomon, ein bissl Geduld!

Im "Kommentar des Anderen" bietet der Standard am 28.3. gleich vier AutorInnen auf, um die Vorgänge um den Kauf der Sammlung Essl zu kommentieren. Der angesehene Kuartor Rudi Fuchs zeigt sich voll Verständnis für das Ehepaar Essl, Ihre Sammlungspolitik und ihre Persönliche Haltung (hier). "Wenn sie (die Sammlung GF), was der Himmel verhüten möge, zerstreut wird, welches andere österreichische Museum könnte diese Kunst in solcher Vielfalt zeigen."

Auch die Kunsthistorikerin Brigitte Groihofer plädiert für die Sammlung und stellt zu Recht die Frage, welche andere und museale Sammlung denn je einer Sammlungspolitik geolgt und lückenlos gewesen sei? "Das Sammlerpaar Essl hat immerhin eigenes Vermögen investiert, eigenes Herzblut und dazu noch einen professionellen Beraterstab eingesetzt. Denken Sie nur an die kritischen Stimmen zur zweifelhaften "Sammlung Batliner" in der Albertina , zum "eigenwilligen" Geschmack von Karola Kraus, an die Kritik an den Ankäufen Lóránd Hegyis seinerzeit, an die umstrittene Sammlung Ludwig usw." (hier)

Edgar Honetschläger polemisiert wüst gegen Essl - "Herr Essl ist hauptverantwortlich für die Verschandelung dieses Landes und des gesamten Ostens - hier eine abscheuliche Säule, dort ein gräulicher Plastikzaun, den seine Baumärkte unters Volk brachten", den Ankauf und die Sammlung, die er zu 805 "Schrott" nennt. (hier)

Angelika Stief, ehemals Kuratorin an der Wiener Kunsthalle, befragt die Kooperation zwischen Privaten und öffentlichen Institutionen und kommt zur Schlußfolgerung: "Aktuell verdichtet sich der Eindruck, dass es nicht mehr Zeiten der Not und der großen Umwälzungen braucht, um zu erkennen, dass in unserer Kultur und in den kulturellen Angelegenheiten des Landes private Interessen stets den Vorrang vor denen der Allgemeinheit haben, was dem propagierten gesellschaftlichen Anspruch der Kunst diametral entgegensteht." Und weiter: "Was wir uns von den Verwaltern der öffentlichen Gelder erwarten müssen, ist Verantwortungsbewusstsein, Kompetenz im Umgang mit unserem Kulturgut, Transparenz und Kontrolle von denjenigen Direktoren, denen hohe Summen überantwortet werden und die in den letzten Jahren, wie die Fälle Seipel, Noever, Matt und Hartmann drastisch zeigten, Misswirtschaft in einem unverträglich hohen Maße betrieben." (hier)

am 28.3. hat Olga Kronsteiner (ebenfalls im Standard, hier) dem "Filetieren" alles abgewinnen können. In ihrem argumentativ klaren und mit vien recherchierten Details untermauerten Artikel zieht sich den unter allen bislang mir zu Gesicht gekommenen Artikeln den "neoliberalsten Schluß". Verkauf über den Kunstmarkt. Der zweite Teil ihres Essays liest sich denn auch wie ein ekonkrete Handlungsanweisung: "Genau genommen ist die Zerschlagung der Kollektion und ihr schrittweiser Verkauf über Auktionshäuser in London und Wien die ideale, weil marktkonforme Vorgehensweise. Zeitlich wäre derlei sogar innert 18 Monaten abwickelbar, beginnend mit einem Single-Owner-Sale bei den Londoner Juni-Auktionen, gefolgt von weiteren Tranchen, vielleicht auch in Paris, in New York und natürlich in Österreich." Ideal ist, was marktkonform ist. Alle Überlegungen zu einem nichtmateriellen Wert werden strikt ausgeschlossen, oder wo sie auftauchen, dann nur als erwänschtes Nebenproduktion der spekulativen Verwertung. "Mit etwas Fantasie könnte die Demontage des Essl'schen Lebenswerks - die Mechanismen des internationalen Kunstmarktes beherzigend - insofern sogar einen Prestigegewinn für Österreich und eine Vielzahl seiner Künstler bringen." Filetierung, Demonatge, na dann! Der Artikel ist denn auch unter der Rubrik "Kunstmarkt" erschienen.

Im Kurier vom 30.3. reagiert Karlheinz Essl im Interview unter anderem auf die Ablehung durch die Museumsdirektoren und verteidigt die Sammlung: "Die Direktoren jammern alle, dass sie seit Jahren kein Budget für Ankäufe bekommen. Das finde ich auch nicht gut. Nur eines ist sicher: Ob unser Museum übernommen wird oder nicht, hat nichts mit den Museumsdirektoren zu tun. Ihr Budget wird deswegen nicht mehr oder weniger werden. So gesehen betrifft sie der Ankauf der Sammlung kaum. Das Problem ist, dass die Museen in den letzten 50 Jahren nur peripher zeitgenössische Kunst ankaufen konnten. Da wurde ein Mal ein Mikl, ein Rainer und dort ein Staudacher gekauft. Aber das sind ja keine Dokumentationen eines Künstlers, der doch mehrere Schaffensperioden hat. Wir haben alle Entwicklungen von allen wichtigen österreichischen Künstlern seit 1945 in unserem Museum. Meine Frau und ich haben immer versucht, in die Tiefe zu sammeln, wir haben Künstler 40 Jahre lang begleitet. Die Lücke, die in den Museen entstanden ist,wäre mit unserer Sammlung geschlossen. Das ist unbestritten."

Nicht gerade freundlich kommentiert die Welt am Sonntag Karlheinz Essls angebot und spricht von "Erpressung nach Gutsherrenart".

Am 29.3. bittet die Kleine Zeitung eine Reihe Prominenter um ihre Meinung, ob man die Sammlung Essl ankaufen soll und listet die Antworten nach "pro" (3) und "contra" (5) auf.

In der Kronen-Zeitung vom 29.3. kommt erstmals Agnes Essl zu Wort, in einem wie eine Homestory gerahmten und geführten Interview. Darin deutet sie an, daß man sich auch einen anderen Käufer als den Staat vorstellen kann und die ERhaltung des Museums auch ohne Sammlung.

Im Kurier vom 31.3. springen Künstler und Museumsleiter dem Sammlerehepaar Essl bei. Dieter Ronte, Erster Direktor des Museums Moderner Kunst / Museum Ludwig in Wien: "Nirgendwo ist die österreichische Kunstszene so international verankert wie in Klosterneuburg." Das Museum ist ein "Ort der Erinnerung und des Gedächtnisses der Kultur des Landes seit 1945. (...) Das Essl Museum ist aus der museologischen Karte des Landes nicht mehr wegzudenken."

Montag, 3. Februar 2014

Das Große Goldene (Privatisierung 6)

Landeshauptmann Dr. Michael Häupl überreichte dem renommierten Kunstsammler Prof. DDr.Dr.h.c. Herbert Batliner das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien. (2007)

Donnerstag, 23. Januar 2014

Koch-Kunst. Privatisierung (1)

Albertina, Wien. Museumsshop. - Herbert und Rita Batliner haben mit der Stiftung von Teilen ihrer Gemäldesammlung Klaus Albrecht Schröder ermöglicht, aus einer grafischen Sammlung ein Museum mit Gemäldebesitz und -ausstellungen zu machen. Hier ein Schnappschuss aus dem Museumsshop der Albertina (Foto GF)

Mittwoch, 22. Januar 2014

Der Salzburger Coup. Zwei neue Stimmen und Äußerungen.

Matthias Dusini

Heute gibt es einer erste eigenständige und substantielle Äußerung eines Kulturjournalisten, fünf Tage nach der Pressekonferenz, in der eine Zusammenarbeit der Generali Fundation unter der Bedingung ihrer Übersiedlung mit dem und Integration in das Museum der Moderne in Salzburg bekanntgegeben wurde.

Matthias Dusini trennt im heute erschienenen Falter strikt zwischen Bericht (ohne jede Wertung verfasst) und persönlich gefärbtem Kommentar.
Die Übereinkunft von Generali und Salzburger Politik nennt er in der Überschrift eine "eiskalte Übernahme", einen "Deal", eine "unfreundliche Übernahme" und, in Hinblick auf die Behandlung der Leiterin und der MirabeiterInnen "jemanden das Hackl ins Kreuz hauen."
Matthias Dusini bedauert, daß die Fundation mit ihrem "kompromisslosen Arbeitsethos" abwandert und "in einem Provinzmuseum" landet. Besser sei sie wohl im MUMOK im Museumsquartier aufgehoben.
Im Kommentar zerstreut er die Sorge, der Konzern könne das Museum in ein " Marketinginstrument" verwandeln. Die Angst davor sei deshalb "unbegründet", "denn die private Foundation (...) inhaltlich weiter links als das öffentliche Museum" stehe. Außerdem werde die Leiterin verhindern, daß "die Kunst einen schicken Hintergrund für glamouröse Festspielpartys abgeben wird".
"Eigentumsfragen werden sich erst dann stellen, wenn der - bisher nicht veröffentlichte - Leihvertrag ausläuft und das Unternehmen die dann deutlich wertvollere Sammlung verkaufen wollen sollte."

Matthias Dusini: Eiskalte Übernahme: Die Generali Foundation zieht nach Salzburg.Nummer 4, 2014

Martin Fritz

Im Facebook hat Martin Fritz einige Zeilen veröffentlicht, die ich interessant fand, weil er er seit langem fundierte Kritik am Museums- und Ausstellungswesen in der Kolumne "causeries du lundi" in artmagazine betreibt. Auf manche seine Artikel und die seines Kollegen Vitus H. Weh (der seit kurzem nicht mehr in der Kolumne schreibt) habe ich verlinkt, weil die "Hauserin" oft übersehene oder unterschätzte Themen aufgegriffen haben. Ich veröffentliche seine Äußerung mit meinen Repliken.

Martin Fritz: Da ich oft gefragt wurde, was ich zur MdM-Generali Kooperation sage: Seriöserweise kann ohne Kenntnis der Verträge nichts gesagt werden. Dauerleihgaben von Privaten können Fluch oder Segen gleichermaßen sein. Die entscheidenden Punkte wären der Mitteleinsatz des Leihgebers für die Laufzeit der Leihgabe, die Verfügungsrechte und – vor allem – die Optionen der Beteiligten bei Beendigung der Partnerschaft. Also grundsätzlich, ob und inwiefern ein fairer Ausgleich der öffentlichen und privaten Interessen gegeben ist. Sicher ist es (überall auf der Welt) eine der Aufgaben von MuseumsdirektorInnen, Wege zu suchen, interessante private Sammlungen (oder Teile davon) langfristig für das eigene Haus zu „bekommen“.

Gottfried Fliedl: Sehr geehrter Herr Fritz! Man kann sich auch ahnungslos stellen. Ohne daß der Vertrag offengelegt ist - warum wohl? Und glauben Sie, er wird es je? - reicht die Pressekonferenz, um sagen zu können, dass alle Vorteile bei Generali liegen. Sie spart sich Personal, sie hat keine Infrastrukturkosten und könnte z.B. Ihre wiener Immobilie veräußern, und die Mittel von Ankäufen könnten sich mit veritabler Rendite nach der Laufzeit der Dauerleihgabe veritabel verzinst haben. Oder glauben Sie im Ernst, Generali schenkt ohne Gegenleistung seine gesamte Sammlung der Republik? Die öffentliche Hand stellt Steuergelder zur Pflege einer privaten Sammlung zur Verfügung, zu deren Beforschung und partiellen Publikation. Sie macht 25 Jahre lang - auch aus Steuergeldern - Imagepflege für einen internationalen Großkonzern, also für eine jener im sogenannten Finanzsektor tätiges Unternehmen, das unglaubliche Gewinne aus Geschäftstätigkeiten lukriert über deren - nun sagen wir - Kollateralschäden wir von Tag zu Tag mehr lernen. Der Leiterin konzedieren sie Handlungsfreiheit, möglicherweise aber im Wissen, daß ihr das absolut Unmögliche des Deals selbst bewusst ist, wie ein älteres Interview im Vergleich zur heutigen Haltung und Praxis von ihr zeigt. Bemerkenswerterweise verlieren Sie kein Wort über den Umgang mit den Mitarbeiterinnen der ja noch existierenden Foundation, kein Wort über den Umgang mit der Leiterin, kein Wort über die komplette Abwesenheit auch nur einer kritischen Zeile in der Kulturberichterstattung und last but not least kein Wort über den immanent institutionenkritischen Charakter der Sammlung, deren Potential durch die aktuelle kulturpolitische und konzernstrategische Entscheidung bis zur Lächerlichkeit degradiert und denunziert wird. Wenn Sie der Meinung sind, man kann ohne Vertrag nichts sagen, dann bemühen Sie sich doch um die Veröffentlichung des Vertrags, wenden Sie sich an die politisch Verantwortlichen, hier geht's ja nicht um klandestine Kabinettspolitik, sondern um eine öffentliche Einrichtung für die der Eigentümer, wir alle, Transparenz einfordern kann. Und zum Strukturellen der ganzen Angelegenheit, zur schleichenden oder auch gar nicht mehr so schleichenden Privatisierung - da hätten gerade Sie sehr viel Kompetenz uns zu helfen zu verstehen, was vorgeht, was wünschbar ist und vor allem, was der Unterschied von privat und öffentlich ist und in Hinsicht auf diese Unterscheidung einfach ganz und gar nicht erwünscht ist und nicht passieren darf.

Martin Fritz: Sollte die Öffentlichkeit den Vertrag kennen? Die Museum der Moderne Rupertinum Betriebsgesellschaft mbH steht im 100% Eigentum des Landes Salzburg und unterliegt der Kontrolle des Landesrechnungshofs. Es ist anzunehmen, dass der Vertrag mit Zustimmung des Gesellschafters abgeschlossen wurde. Es wird allen Beteiligten wohl offen stehen, ihre Auskunfts- und Aufsichtsrechte wahrzunehmen. Der Ball – so einer ein Match will – liegt also jetzt eher in Salzburg.

Gottfried Fliedl: Lieber Herr Fritz! Das ist die formalrechtliche Seite, gut. Umgekehrt gefragt: warum soll jene Öffentlichkeit, die idealster Träger, Finanzier und Nutznießer ist, bestimmte - entscheidende - Vereinbarungen nicht kennen? Gilt sinngemäß etwa auch für Albertina/Batliner, Belvedere/Thyssen. Welche Interessen werden durch Nichtöffentlichkeit geschützt? Und: sollen wir ernstlich unsere Ansprüche an kulturelle Einrichtungen allein via Rechnungshöfe und Betriebsgesellschaften vertreten sehen?

Montag, 20. Januar 2014

Ein Coup. Ein zweiter Kommentar. Das Museum der Moderne in Salzburg und die Generali Foundation

Dieser Kommentar bezieht sich auf den gestern verfassten Post zur Kooperation (um das neutralste aller Worte dafür zu verwenden) zwischen der Generali Foundation und dem Museum der Moderne Salzburg. Die durch eine Presseaussendung mitgeteilten Aspekte der Kooperation sollte man dort nachlesen: http://museologien.blogspot.co.at/2014/01/ein-coup-eine-ubernahme-eine.html

Kommentar (2) 

Das Land Salzburg bezahlt den Museumsbetrieb einschließlich Erhaltung des Baues, Lohnkosten der Mitarbeiter, die Errichtung eines Depots, die Kosten der Deponierung, die Kosten der Einrichtung der Dauerausstellung, die Kosten für Marketing und Pressearbeit, für Kataloge u.v.a.m.
Die Generali-Foundation spart sich (einige ihrer bisherigen) Mitarbeiter, den Aufwand für den bisherigen Standort, den sie u.U. als Immobilie verwerten kann, sie bekommt kostenloses Image und ihre Sammlung wird über die Laufzeit der Leihgabe von 25 Jahren eine veritable Wertsteigerung erfahren (und sich damit der Einsatz des Ankaufsbudgets sehr günstig verzinsen), unter andern deswegen, weil sie eine für den Kunstmarkt attraktive "museumsreife" Sammlung eines klassischen öffentlichen Museums besitzt. Womöglich kann die Generali Foundation dann, wenn das im Vertrag nicht untersagt ist (was ich mir nicht vorstellen kann, weil das eine Schmälerung des Verfügungsrechtes über Privateigentum wäre), die Sammlung oder Teile daraus verkaufen, ohne der Öffentlichkeit etwas zu schulden.
Dabei geht es um eine Sammlung, die sich kritisch mit Politik, (Kunst)Markt, Ökonomie auseinandergesetzt hat und in der mit Hans Haacke die direkte Institutionenkritik am Museum und an seinen ökonomischen und machttechnischen Rahmenbedingungen einen prominenten Platz hatte - eine Kritik an genau jenen Machtverhältnissen und -techniken, wie sie sich im gegenständlichen Fall zeigt - einschließlich des inferioren Umgangs mit den bisherigen MitarbeiterInnen der Foundation und ihrer Leiterin, die bis heute Montag, anders als versprochen, nicht über die Absichten der Foundation in Bezug auf ihre Rolle, unterrichtet sind und die nicht über den "Deal", der ihre Arbeit in Wien beendet, unterrichtet wurden.
Nach der Transformation der Grafischen Sammlung Alberten mithilfe der Sammlung des Ehepaares Batliner (die sie dem Museum der Moderne in Salzburg zuvor angeboten hatten, aber an der Kritik an der prominenten wie, nun sagen wir mal, von vielen Jornalisten und Beobachtern als ebenso problematisch eingestuften beruflichen Tätigkeit Herrn Batliners scheiterte) und der Einrichtung der Leopold-Stiftung ist das das dritte Beispiel einer - indirekten und unterschwelligen -, Privatisierung eines öffentlichen Museums.
Es ist eine Übernahme und eine Preisgabe. Aber alle, Initiatoren wie Berichterstatter, sind zufrieden, glücklich oder gar enthusiastisch.
Der Schaden, nimmt man nicht nur diesen aktuellen Fall, sondern die genannten Beispiele ins Auge, ist nachhaltig und wird es bleiben, denn es geht um die Preisgabe eines kulturellen Projekts, das untrennbar mit liberaler und diskursiver Öffentlichkeit, öffentlicher Verwaltung und sorglicher Erhaltung, egalitärer Nutzung im Interesse aller ohne jeden Ausschluss und um auch materiell-rechtlichen Gemeinbesitz an den kulturellen Gütern verbunden war.

Ein dritter Kommentar - zu einer bemerkenswerten Meinungsänderung von Sabine Breitwieser hier: http://museologien.blogspot.co.at/2014/01/ein-coup-eine-gravierende.html

Samstag, 24. Juli 2010

"Die Idee des Museums ist in der Krise." Ein weiterer großer Direktor spricht...

"Wir vermieten unseren Prunksaal nicht für Pornos". Die Wucht dieses Satzes überzeugt uns auf der Stelle von der hohen Moralität des Herrn Direktors. Wenns ums Geld geht, kann mans ja auch woanders herbekommen: "Man muss für jede Unterstützung dankbar sein. Die Sammlung von Emil Georg Bührle, der mit dem Rüstungsbetrieb Oerlikon sein Geld gemacht hat, ist auch ein Fall, bei dem es immer wieder Debatten gegeben hat. Jetzt erhält die Kollektion beim Kunsthaus Zürich ein eigenes Gebäude." Das überzeugt. Man führt einfach das Aufgeben moralischer Maßstäbe als Beweis dafür an, daß das Aufgeben moralischer Maßstäbe richtig ist. Herr Direktor nimmt den Namen Batliner nicht in den Mund.
Am Geld liegts also nicht. Die Krise liegt am Touristen. Und zwar dem Sacher-Touristen: "Die Touristen bleiben aus. Wer am Wiener Flughafen oder im Hotel Sacher nicht ankommt, kann auch nicht in die Albertina gehen."
Aber, so Direktor S., die Museumskrise ist "nicht unbedingt nur eine Finanzkrise. Die gibt es ja in anderen Branchen auch. Die Idee des Museums ist in der Krise."
Wie sein Kollege Generaldirektor in Dresden entdeckt S. da etwas: die Museen selbst sind (mit)schuld an der Krise. "Das Museum der Gründerzeiten des 18. Jahrhundert und der Blütezeit des 19. Jahrhunderts ist an ein Ende gekommen. (,,,)Das Publikum will (…) entschieden konzipierte Ausstellungen. (…). Das Museum als Identifikationsmedium einer Pseudoelite ist im 21. Jahrhundert nicht mehr lebensfähig."
Während wir darüber nachdenken, was das denn nun eigentlich heißen soll und ob das stimmt, halbwahr oder bloß so dahingesagt ist, greifen wir zum nächsten Strohhalm, den uns Direktor S. zur Lösung der Frage Museumskrise, aber welche? hinhält: "Die Kunsthallen und Kunstvereine sind dabei, vollkommen zu verschwinden. Wenn sie Gerhard Richter oder einen Jonathan Meese fragen, ob er lieber im Baden-Württembergischen Kunstverein ausstellt oder in der Staatsgalerie, wird er sofort das Museum wählen."
So sehen wir uns betroffen und alle Fragen sind - offen. Das ganze Gespräch, das Paul Jandl mit Klaus Albrecht Schröder geführt hat, finden sie in der WELT vom 10. Juli 2010