Sonntag, 21. Dezember 2014

Ansichtssachen. Das nagelneue Musée des Confluences. Teuer und was eigentlich außerdem noch?

2001 wurde das Siegerprojekt ermittelt, dreizehn Jahre später wurde es nun eben eröffnet, das Musée des Confluences, nach Plänen des österreichischen Architektenbüros Coop Himmelb(l)au und ungleich teurer als veranschlagt.
Wieder mal ein Museum, das einer Großstadt an einem ihrer problematischen Punkte (Autobahn, Eisenbahn, Flußlandschaft, ziemlich häßliche Umgebung...) "stadträumliche und volkswirtschaftliche Schubkraft" verleihen soll. Wieder mal ein Wissenschaftsmuseum. Mit möglichst beträchtlicher Tourismusattraktivität. Vielleicht. Dafür also, weils in Bilbao ja geklappt hat, oder?, ein "Signature-Building im Dienste der Stadtreparatur". Reparatur heißt, die Stadt soll nicht mehr ganz so hässlich aussehen wie vorher.
"Du hast einen Gehry? Wir kriegen einen Prix. Baust du eine Hadid, besorgen wir uns einen Nouvel. Das sind nicht nur gute Architekten. Es sind auch Renditeversprechen."
Die Rendite wirds geben. Irgendwer muß ja schließlich an der Kostenexplosion verdient haben, statt 60 Millionen Euro fünf Mal so viel. Nicht schlecht. Und jahrelange Bauverzögerung.
Der Rezensent ist angetan einerseits, von der Architektur, andrerseits wundert er sich über so viel investiertes Geld, die exorbitante Kostensteigerung und die Melange aus "Staunen-Wollen (Stadt Lyon) und Staunen-Liefern (Coop) (...) also aus Profilierungssehnsucht, Bauherrenambition und Politikerehrgeiz. Aus Architekturkönnen obendrein."
Und warum wird so etwas eigentlich dermaßen teuer? "Gründliche Voruntersuchungen und Kostenkalkulationen hat es vorab kaum gegeben. Unberücksichtigt blieb zum Beispiel die an einem solchen Bauplatz unabdingbare Baugrunduntersuchung. Auch wurde das Verfahren zur Bauleitplanung mehrfach geändert, die Zuständigkeiten wechselten - dann wurde das Ganze auf Eis gelegt. Für Jahre. Dann wurde das Raumkonzept geändert. Dann kamen weitere Sonderwünsche hinzu. Dann wurden die Sicherheitsrichtlinien verändert - versicherungstechnisch."
Was mir aufgefallen ist (der ich nur Fotos sehe und Texte lese, aber das Museum klarerweise nicht kenne). Es gibt jede Menge an Ansichten von Außen, Pläne, Skizzen, Animationen, Fotos, einige sehr wenige von Innenräumen (die extra trostlos aussehen, aber wer weiß?) und kein einziges (ich habe keines gefunden, das Auskunft über das Zusammenspiel von Exponaten und Architektur gibt. Der Rezensent, den ich hier zitiere, erwähnt auch mit keinem Wort, worum es denn nun geht im Museum, was es denn zu sehen, zu erfahren, zu "lernen", zu "wissen" gilt. Nichts.
Und. Wie sehr ich mich - mit Hilfe der zahllosen Fotos auch um das Museum herumbewege, die diversen Ansichten studiere, mich drehe und wende, ansprechend ist es nicht. 

Alle Zitate aus dem Bericht von Gerhard Matzig in der Süddeutschen Zeitung vom 20.12.2014, "Wunder gewünscht, Fiasko bekommen". (Hier)











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