Sonntag, 27. November 2022

Heeresgeschichtlichen Museum. Eine Neuausschreibung ist nötig. Offener Brief


Das Heeresgeschichtliche Museum muss die Leitungsposition neu ausschreiben und kann die massive Kritik am Museum und seiner bisherigen Ausrichtung nicht ignorieren!

 

Seit Jahren steht das Heeresgeschichtliche Museum in der Kritik. Der Rechnungshof, mehrere vom Ministerium eingesetzte Kommissionen, eine zivilgesellschaftliche Gruppe #hgmneudenken, viele HistorikerInnen und MuseologInnen und die Medien haben die Geschichtsideologie der Dauerausstellung, zahllose organisatorische Mängel, aufklärungsbedürftige Naheverhältnisse zu rechtsextremen Kreisen, das Fehlen einer klaren und zukunftsweisenden Konzeption und vieles andere mehrfach kritisiert. Große Teile der Belegschaft berichten zudem öffentlich von dramatischen Fällen von Mobbing.

 

Nach langen Verzögerungen wurde die Direktion des HGM 2022 endlich neu ausgeschrieben. Die fast ausschließlich aus Berufsoffizieren und Ministerialjuristen zusammengesetzte Berufungskommission hat sich in einem intransparenten Berufungsverfahren für einen Dreiervorschlag entschieden, in dem offenbar vorwiegend Personen bevorzugt wurden, die in einem Naheverhältnis zum Ministerium stehen, und in dem der vielkritisierte amtierende Direktor an aussichtsreicher Stelle gereiht sein soll.

 

Dies legt den Schluss nahe, dass eine dringend nötige, auf wissenschaftliche, museologische und gesellschaftliche Diskurse des 21. Jahrhunderts aufbauende Neuausrichtung des Museums offenbar verhindert werden soll. Die vielstimmige und anhaltende Kritik am Museum wird ignoriert und konstruktive Vorschläge werden nicht gehört.

 

Die Unterzeichnenden fordern eine Neuausschreibung und ein Berufungsverfahren, das öffentlich und unter Einbeziehung in- und ausländischer ExpertInnen stattfindet und den Weg zur grundlegenden Erneuerung des Museums öffnet.

 November 2022

 

Unterzeichnet von:

 

Gottfried Fliedl, Museologe

 

Heidemarie Uhl, Österreichischen Akademie der Wissenschaften Wien, Mitglied der Austrian Delegation to the International Holocaust Remembrance Alliance und stv. Vorsitzende des Internationalen Wissenschaftlichen Beirats des Hauses der Geschichte Österreich, stv. Vorsitzende der Militärhistorischen Denkmalkommission des BMLV

 

Aleida Assmann, Universität Konstanz

 

Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museums Hohenems

  

Nora Sternfeld, Kuratorin und Professorin für Kunstpädagogik, Universität Hamburg

 

Mirjam Zadoff, Direktorin NS-Dokumentationszentrum München

 

Omer Bartov, Brown University

 

Tantner, Anton. Universität Wien. Institut für Geschichte


Dominique Trimbur, Fondation pour la Mémoire de la Shoah (Paris)

 

Katharina Eisch-Angus, Institut für Kulturanthropologie & Europäische Ethnologie, Institutsleiterin

 

Bernhard Tschofen, Univ. Prof. für Europäische Ethnologie in Zürich

 

Ingrid Böhler, Universität Innsbruck / Leitung Institut für Zeitgeschichte

 

Martha Keil, Institut für Jüdische Geschichte St. Pölten

 

Werner Dreier, ehem. Geschäftsführung von erinnern.at

 

Florian Wenninger, Institut für Historische Sozialforschung

 

Verena Moritz, ehem. Mitglied zweier Kommissionen des BMfLV für die Überprüfung des HGM, unabhängige Historikerin

 

Dünser, Kathrin. Kuratorin vorarlberg museum

Christine Haupt-Stummer, Kuratorin  (section.a)

 

Niko Wahl, ext. Kurator u.a. für Wien Museum

 

Marcel Amoser, Universität Innsbruck / Institut für Zeitgeschichte

 

Susanne Neuburger, Kunsthistorikerin, zuletzt Kuratorin im MUMOK

 

Beatrice Jaschke, Kuratorin (purpurkultur)

 

Eric Burton, Universität Innsbruck / Institut für Zeitgeschichte

 

Petra Paolozzi, Ausstellungskuratorin, Innsbruck

 

Christa Hämmerle, Universität Wien, Institut für Geschichte

 

Eva Pfanzelter, Universität Innsbruck / Institut für Zeitgeschichte

 

Gerhard Baumgartner, Wissenschaftlicher Leiter DÖW, Mitglied des wissenschaftlichen Beirates HGM

 

Georg Blaha, Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien-Krems

 

Peter Pirker, Universität Innsbruck, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats HGM

 

Klaus Schönberger, Professor für Kulturanthropologie, Institut für Kulturanalyse, Alpen-Adria-Universität-Klagenfurt, Vorsitzender der Österreichischen Gesellschaft für Empirische Kulturwissenschaft und Volkskunde

 

Anja Seipenbusch, Universität für Angewandte Kunst Wien

 

Katharina Seibert, Universität Wien / Institut für Zeitgeschichte

 

Herbert Posch, Universität Wien / Institut für Zeitgeschichte

 

Hannes Sulzenbacher, Kurator Jüdisches Museum Wien

 

Alina Strmljan, Wien Museum

 

Tanja Schult, Kunsthistorikerin, Stockholm University

 

Werner Wintersteiner, Universität Klagenfurt 

 

Nadja Danglmaier, Universität Klagenfurt / Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung

 

Andreas Rudigier, Vorarlbergmuseum

 

Josef Mitterer, Institut für Philosophie, Universität Klagenfurt

 

Lisa Rettl, Zeithistorikerin

 

Mario Keller, Institut für Wirtschaftsgeschichte / Universität Wien

 

Lisa Noggler-Gürtler, Museum der Völker, Schwaz

 

Tim Corbett, Historiker

 

Roswitha Muttenthaler, Kuratorin und Kustodin

 

Stefania Pitscheider, Frauenmuseum Hittisau

 

Elena Messner, Kulturwissenschaftlerin, Universität Wien

 

Matthias Breit, Leitung Gemeindemuseum Absam

 

Elsbeth Wallnöfer, Kulturwissenschaftlerin

 

Stefania Pitscheider, Frauenmuseum Hittisau

 

Judith Goetz, Universität Innsbruck

 

Markus Gönitzer, Kollektive Leitung Forum Stadtpark, Graz

 

Andrea Stangl, Historikerin

 

Harald Walser, Historiker

 

Georg Spitaler, Politologe

 

Anna Jungmayr, Wien Museum

 

Nils Olger, Künstler und Filmschaffender

 

Julia Brandstätter, Universität Wien

 

Sebastian Reinfeldt, Journalist und Publizist

 

Thomas Geldmacher-Musiol, Obmann des Personenkomitees »Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz«

 

Felicitas Heimann-Jelinek, Kuratorin, u.a. Jüdisches Museum

 

Ljubomir Bratić,  Philosoph und Sozialarbeiter

 

Karl Öllinger, Abg. z.NR a.D.

 

Nikola Langreiter, Kulturwissenschaftlerin


Amanshauser, Hildegund. Kuratorin, Autorin und war bis August 2020 Direktorin der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg

 

Regina Wonisch, Wien Museum, Volkskundemuseum Wien / Forschungszentrum für historische Minderheiten

 

Eva Binder, Universität Innsbruck / Institut für Slawistik









  


Mittwoch, 23. November 2022

Mehr Bock zum Gärtner war nie. Christian Ortner wird Leiter des Heeresgeschichtlichen Museums bleiben

Es gibt massive Hinweise, daß Herr Ortner im Heeresgeschichtlichen Museum sein eigener Nachfolger wird. 

Er, der von Rechnungshof und von mehreren Kommissionen massiv kritisiert wurde und der vom Ministerium selbst nicht verlängert, aber interimistisch eingesetzt wurde, er, der von Museolginnen, Kuratorinnen, Historikerinnen etc. in mehreren Veranstaltungen massiv kritisiert wurde, er dessen Museumsleitung den unbestrittenen Reformbedarf des Museums verursacht hat, er ausgerechnet ist intern im Ministerium nicht nur im Dreiervorschlag gelandet sondern intern auch Favorit, informell bereits erstgereiht.



Verführung (Texte im Museum 1101)

 


Werbung (Texte im Museum 1100)

 


Dienstag, 22. November 2022

Klimaaktivisten im Museum? Böse? (Sokratische Fragen)

Der Guardian"-Kolumnist Monbiot fragt: "Interessieren wir uns wirklich mehr für van Goghs Sonnenblumen als für die echten?“

Die Frage sei hiermit weitergegeben

Montag, 21. November 2022

Nachricht aus Kakanien: Wird Christian Ortner sein eigener Nachfolger im Heeresgeschichtlichen Museum?


Zur Illustration der mionisteriellen Politik ist mir nur das eingefallen: Wolf Vostells "Endoegne Depression", hier vielleicht zu übersetzen "Das Ministerium und sein Kandidat"

Die Debatte um das Heeresgeschichtliche Museum wurde von Vorwürfen ausgelöst, die die politische Haltung des Museums betrafen, sein Geschichtsbild, die Geschäftsführung und finanzielle Gebarung sowie museologische Defizite. Die Vorwürfe stammen aus Evaluierungen des Rechnungshofes, den Erhebungen mehrerer Kommissionen und aus mehreren zivilgesellschaftlich getragenen Veranstaltungen, auf denen namhafte WissenschafterInnen und MuseumsepertInnen zu Wort kamen.

Eine Konsequenz der Kritik am Museum war, daß sein Leiter, Christian Ortner, nicht wiederbestellt wurde. Allerdings setzte ihn das Ministerium interimistisch wieder als Leiter ein. Obwohl es doch auf der Hand liegt, daß er die Verantwortung für die Situation des Museum trägt.

Nun findet sich Christian Ortner im Dreiervorschlag der ministeriellen Besetzungskommission. Ein Signal, daß ihn das Ministerium ernsthaft als seinen eigenen Nachfolger in Erwägung zieht. Die Absurdität dieser Situation macht einen fassungslos. Wenn Reformbedarf außer Zweifel steht und, wie ich gehört habe, der Reformwille auch Grundlage der Gespräche in der Berufungskommission war, wieso soll dann der für den Reformbedarf ursächlich verantwortliche Leiter, den wie gesagt das Ministerium selbst nicht weiterbestellt hat, der geeignete Leiter des Museums sein?

Nicht völlig unerwartet dürfte der Wunsch nach tiefgreifender Reform des Museums scheitern. Denn ein zweiter Kandidat kommt, wie Ortner auch aus dem Ministerium. Das hat in den Berufungsgesprächen den Bewerbern klargemacht, daß deren Autonomie stark eingeschränkt sein würde und das Ministerium sich wesentliche Entscheidung vorbehalte. Mit anderen Worten, ein selbstverantwortliches, nach zeitgemäßen wissenschaftlichen, museologischen und organisatorischen Prinzipien geführtes Museum ist ganz klar unerwünscht.

Ausstellungseröffnung (Texte im Museum 1099)

 

Eingang zur Ausstellung "perfect love" im Kunstmuseum St.Gallen. Man läuft auf ein Werk von Felix Gonzales Torres zu: Untitled (Perfect lovers) 1991. Zwei Uhren, deren Zeiger ihre Synchronizität um wenige Sekunden verloren haben... Foto: GF

Intervention (Texte im Museum 1098)

 

In der Ausstellung "perfect love" des Kunstmusuems St.Gallen hat Beni Bischof mit Filzstift an die Wände schreiben, kritzeln und zeichnen dürfen - schräge Interventiuonen in einer ansonst eher pedantischen Ausstellung

Orientierung (Texte im Museum 1097)

 

Ausstellung "Perfect love" Kunstmuseum St.Gallen

Lieblingsobjekte (Texte im Museum 1096)

 

Folder zur Ausstellung "Perfect love" des Kunstmuseum St.Gallen Foto GF

Textsorten (Texte im Museum 1095)

Die Fassade des Kunstmuseums St.Gallen im November 2022. Welche Textsorten findet man auf diesem Wimmelbild? Da ist zunächst mal die Inschrift MUSEUM, die keinen Zweifel aufkommen läßt, wo wir uns befinden und was uns erwartet, wenn wir das Gebäude betreten. "Offen" signalisiert uns, daß wir tatsächlich und jetzt eintreten können, was bei der Geschlossenheit von Fassade, Treppe und Türen hilft, diese symbolische Liminalität zu überwinden, unsere "Schwellenangst". "Cafe" verheißt Genuss und Konsum jenseits der Askese, die und Museen bezüglich ihrer Objekte verordnen. 
Links unten, vom Ärmel der tanzenden Brunnenfigur etwas verdeckt, informieren Plakate über die laufenden Ausstellungen.
Bleibt das Rätsel der Inschrift "Die letzten tage des Patriarchats". Ein Überbleibsel einer längst beendeten Ausstellung, wie man mir an der Kassa des Museums, mitteilt. Aber warum am Museum? Ist hier das Patriarchat besonders angezählt? Ist es ein Statement der Museumsleitung? Soll es etwas zur Haltung des Hauses aussagen. 

Waiting for... (Texte im Museum 1094)

Museum of Emptiness St.Gallen Foto GF

 

Sonntag, 20. November 2022

Alle und alles (Texte im Museum 1093)

 

Milo Rau. Warum Kunst? Kunst Halle St.Gallen. Foto GF

Protest gegen Kunst. Irma Frei in der Sammlung Bührle

 

Im Zuge einer "Reinigungsaktion" des Regisseurs Milo Rau im Kunsthaus Zü+rich, das die Bührle-Sammlung beherbergt, hat Irma Frei einen Stein durch die Sammlung des Waffenproduzenten getragen.  Vor etwa 60 Jahren hat die Vormundschaftsbehörde Frei von ihrer geschiedenen Mutter getrennt, erst in eine Familie, dann in ein Heim gesteckt, von wo aus sie in einer Fabrik von Egon G. Bührle arbeiten musste, ohne je eine Lohnabrechnung gesehen zu haben - eine Art Zwangsarbeit, in der Schweiz, lange nach dem Krieg. 

Warum Kunst? (Texte im Museum 1092)

 

Milo Rau. Warum Kunst? Kunst Halle St. Gallen. Foto GF

Wohnlichkeit für Sitzriesen (Sitzen im Museum)

Diese Riesenmöbel erlauben es dem Besucher des Musuemscafes des Kunstmusuems St. Gallen die Videos der Künstlerin Pipilotti Rist, die diese "Sitzecke" gestaltet hat, anzusehen