Dienstag, 12. April 2016

Wie man ein ungeliebtes Museumskonzept entsorgt. Fristlose Kündigung von Clementine Deliss in Frankfurt war ein "Missverständnis"

"Labortisch" von Antje Majewski
Es hat gedauert, bis die fristlos von der Stadt Frankfurt entlassene Direktorin des Weltkulturen-Museums den von ihr angestrengten Prozess bekam. Er wurde mit einem Vergleich beendet. Clementin Deliss bekommt ihren vorenthaltenen Gehalt und eine Abfindung. Die Zeitungen, die über den Prozess berichten drucksen ganz schön herum. Aus einer Lappalie wollte man ihr einen Strick drehen und ihr finanzielle Unlauterkeit anhängen. In Wirklichkeit passte Stadtpolitikern, vor allem offenbar dem Kulturdezerneneten die "Richtung" nicht.
Offenbar auch den Zeitungen, die sich nicht entblöden, die subtile und komplexe Arbeit darauf zu reduzieren, "dass die ethnologischen Gegenstände Teil moderner Kunstinszenierungen wurden" (FAZ) Keine einzige Zeitung hat während der gesamten Laufzeit von Entlassung und anstehendem Verfahren von der letzten großen Ausstellung berichtet, die das Resultat einer umfassenden Aufarbeitung der Geschichte des Hauses war. Beschämend für die Stadt Frankfurt ist nicht nur die Niederlage vor Gericht, wo festgestellt wurde, daß die Kündigung zu Unrecht erfolgt sei, beschämend ist auch, daß man nach der Kündigung und vor dem Verfahren eine Veranstaltung ausrichtete, die offensichtlich als Scherbengericht über die Arbeit von Clementine Deliss gedacht war. Die bislang letzte Ankündigung der Stadt, die sich zum Urteil nicht weiter äußert, ist, daß man nun an einer Neuausrichtung arbeiten und dann das Museum neu Ausschreiben werde. Eine Neuausrichtung bevor und ohne eine Leitung bestellt zu haben? Was ist das denn? 
Jedenfalls ist eine Chance vertan, für einen Museumstyp, der es nötiger hätte denn jeder andere, neue Wege zu erschließen. 

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