Samstag, 7. Februar 2015

Breite Historikerfront gegen das "Haus der Geschichte"

INSTITUT FÜR ZEITGESCHICHTE DER UNIVERSITÄT WIEN
RESOLUTION

Die unterzeichneten Institute bzw. Abteilungen protestieren mit aller Entschiedenheit gegen die Vorgangsweise bei der geplanten Errichtung eines “Hauses der Geschichte” bzw. eines “Hauses der Toleranz”. Wir begrüßen zwar die Bereitschaft des österreichischen Nationalrates, die zeitgeschichtlich relevante Forschung und deren Präsentation in der breiten Öffentlichkeit zu fördern, halten aber die hier eingeschlagene Vorgangsweise für wissenschaftlich fragwürdig und dem Gebot der Effizienz widersprechend. Statt eines vom Nationalrat in dem Entschließungsantrag in der 159. Sitzung, XX. GP in Auftrag gegebenen Ideenwettbewerbes wurden im Stile von Auftragsgeschichtsschreibung zwei vom Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten und dem Bundesministerium für Wissenschaft und Verkehr finanzierte Projekte präsentiert, dem Nationalrat weitergeleitet und ohne weitere Diskussion Umsetzungsaufträge vergeben.
Beide Projektteams haben keine systematische Kontaktaufnahme mit der großen Mehrheit von österreichischen Zeithistorikern und Zeithistorikerinnen gesucht und überdies bei den wenigen Einzelkontakten, die Ergebnisse dieser Gespräche nicht in ihren Arbeiten berücksichtigt, wie eine Reihe von Kommentaren in der Tageszeitung “Der Standard” belegt. Ein derartiges Projekt kann, losgelöst vom Stand der wissenschaftlichen Diskussion, der Kompetenz und Erfahrung zahlreicher Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, internationalen Standards nicht gerecht werden. Es besteht derzeit der Eindruck, es würde anstelle einer kritischen und pluralistischen Auseinandersetzung mit der jüngsten österreichischen Geschichte einem Repräsentations- und Rechtfertigungsbedürfnis des Staates und der Parteien folgend, einer überwunden geglaubten Proporzgeschichtsschreibung wieder Geltung verschafft.
Wir protestieren gegen die Vereinnahmung von österreichischen ZeithistorikerInnen durch zwei fachlich in keiner Weise repräsentative und internationalen Standards nicht entsprechende Konzepte sowie gegen eine offenkundig beabsichtigte Monopolisierung der Forschung und Informationsvermittlung.
In einer am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien für Freitag, 21. Jänner 2000 vorbereiteten interdisziplinär besetzten Enquete werden die grundsätzlichen Mängel der bisherigen Vorgangsweisen, die Fragwürdigkeit der Musealisierung und der Probleme der Vermittlung von Republik-Geschichte, vor allem aber effektivere Alternativen diskutiert werden.
Wir verstehen diese Enquete als Beginn einer eingehenden, öffentlichen Diskussion. Erst dann sollte das Parlament eine definitive Entscheidung, die auch mit der Verantwortung für erhebliche öffentliche Mittel verbunden ist, treffen.
Alle einschlägig arbeitendenden österreichischen Wissenschafter/innen werden aufgerufen diese Resolution zu unterstützen.

Abteilung Zeitgeschichte der Universität Graz
Univ.-Prof.Dr. Helmut Konrad m.p.
Institut für Geschichte der Universität Innsbruck
Univ.-Prof.Dr. Josef Riedmann m.p.
Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck
Univ.-Prof.Dr. Rolf Steininger m.p.
Abteilung Zeitgeschichte der Universität Klagenfurt
Univ.-Prof.Dr. Willibald Holzer m.p.
Institut für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte der Universität Linz
Univ.-Prof.Dr. Reinhard Kannonier m.p.
Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Universität Linz
Univ.-Prof.Dr. Rudolf Kropf m.p.
Institut für Geschichte der Universität Wien
Univ.-Prof.Dr. Wolfdieter Bihl m.p.

Frage: Von wann stammt diese Resultion?

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