Samstag, 22. Februar 2014

Privatisierung von Innen. Privatisierung (8)

In einem Artikel zur jährlichen Besuchsstatistik der Bundesmuseen (1) werden nicht nur die Museen gegeneinender aufgerechnet und in Konkurrenz zueinander gesetzt (2) sondern auch Sabine Haag zitiert, die den von ihr geleiteten Museumsverbund als Konzern bezeichnet haben soll. Der ganze Artikel mit seinen vielen Zahlenangaben erweckt, nicht nur bei mir, sondern bei vielen Posts von Lesern, den Eindruck einer Konzernbilanz, nirgendwo vom Berichterstatter relativiert. Der Artikel legt nahe, Erfolg am Besucherstrom ablesen zu können und wieder einmal, man kann es nicht oft sagen, werden Besucher mit Besuchen verwechselt, denn nur letztere sind erfassbar. Die beigefügte Grafik, die die Entwicklung der Besuchszahlen über die Jahre hinweg wie Aktienkurse abbildet, ist vollends absurd. Denn es wird hier nicht auseinenandergehalten, ob ein Museum ganz oder teilweise geschlossen hatte, welche und wie viele Ausstellungen es gemacht hat, ob eine neue Aussenstelle geöffnet wurde, das heißt es wird auch notorisch nicht zwischen Dauerausstellung und Sonderausstellungen unterschieden. Ob und welche Sonderveranstaltungen einbezogen wurden und werden bleibt unklar und angesichts der "Berichtigung" der Zahlen des MAK unter der Direktion Noever ist das insgesamt unglaubwürdig und unseriös. Mit der Übernahme statistischer Bewertungskriterien, dem Wegfall einer museologischen und kulturpolitischen Begründung für Erfolg, mit der Adaption neoliberalen Jargons bestreiten manche Museen, grade die staatlichen "Flagschiffe", eine "Privatisierung von Innen" her, die ihnen ganz schön auf den Kopf fallen könnte. Die Tendenz, die Deckelung der staatlichen Mittel, gezwungenermaßen mit Sponsoring zu kompensieren ohne Widerstand gegen eine Politik der "Entstaatlichung" zu leisten, könnte auch die Museen in die prekäre Lage bringen, in die sich das Burgtheater manövriert hat.

(1) Thomas Trenkler: Museen: Rekordjahr mit Alarmsignal, in: der Standard 27.1.2014

(2) In einem Interview fragt Andrea Schurian vom Standard tatsächlich die Direktorin des KHM, Sabine Haag, wies ihr mit der Tatsache geht, daß sie vom Belvedere "überflügelt" worden sein.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Links zu den Fußnoten:
(1) http://derstandard.at/1389858422388/
(2) http://derstandard.at/1385172217667/