Freitag, 30. März 2012

Museumsdefinitionen. Das Beispiel Südafrika

Die verbreitetste aller Museumsdefinitionen ist die der Interantionalen Museumsorganisation ICOM. Wo immer jemand in der Verlegenheit ist, sagen zu müssen, kann er auf diese Definition zurückgreifen.
Aber ist es eine Definition?

Wiewohl ICOM als weltweiter Museumsverabnd eine Art Monoplstellunmg hat, so hat dennoch die Definition die einer Art standespolitischer Grenzziehung. Die kanppen Zeilen dien sowohl dazu, die Gemeinsamkeit der Mitglieder auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu bringen, als auch genügend trennscharf zu sein, um es ICOM zu ermöglichen, darüber zu entscheiden, wen der Verband überhaupt vertritt, wen er aufnimmt und wie er sich von anderen, ähnlichen Organisationen abgrenzt.

Das nicht geringe Unglück liegt also darin, diese organisationssoziologisch nachvollziehbare Definition auch überall dort heranzuziehen, wo es um eine strategische, inhaltliche oder historische Bestimmung dessen geht, was ein Museum ist oder sein soll. Dort erweisen sich die wenigen Zeilen aber als ziemlich zahnlos und kaum mehr als eine Aufzählung von Funktionen.
Was in museologischen Debatten der letzten Jahrzehnten zum Begriff vom Museum beigetragen wurde, geht da nicht ein. Und so hat sich ICOM ja auch zu einer Revision der Definition entschlossen, deren vorgängige Debatte (als Buch dokumentiert) interessant, dessen Ergebnis aber karg (einige winzige Änderungen) ist.

Mir ist eben eine Definition untergekommen, die ich signifikant abweichend finde, die der South African Museums Assoiciation, die sie - zusammen mit der ICOM-Definition - auf ihrer Webseite präasentiert.

Ich stelle sie hier neben der ICOM Definitiuon und der der UK Museums Association in den Post:

ICOM
A museum is a non-profit, permanent institution in the service of society and its development, open to the public, which acquires, conserves, researches, communicates and exhibits the tangible and intangible heritage of humanity and its environment for the purposes of education, study and enjoyment.

The UK Museums Association
Museums enable people to explore collections for inspiration, learning and enjoyment. They are institutions that collect, safeguard and make accessible artifacts and specimens, which they hold in trust for society.

South African Museums Association
Museums are dynamic and accountable public institutions which both shape and manifest the conciousness, identities and understanding of communities and individuals in relation to their natural, historical and cultural environments, through collection, documentation,  conservation, research and education programmes that are responsive to the needs of society.

Man könnte allein mit diesen drei Definitionen (es gibt natürlich ungleich mehr, auch hochinteressante historische) ein kleines Seminar abhalten und z.B. den Grad der Passivität der drei Definitionen vergleichen, etwa festgemacht am Unterschied von 'service', 'enable' und 'accountable', oder die Art und weise untersuchen, wie die Beziehung zwischen Museum und Gesellschaft in die jeweilige Definition eingeht. ICOM sieht z.B. die aktiven Momente (education etwa) ganz auf der Seite des Museums, während die englische Definition mit 'enable' und 'explore' den Besucher und Nutzer des Museums weitaus ernster nimmt. Da ist die Definition aus Südafrika zwar wieder zurückhaltender, dafür wird die Beziehung sehr umfassend, stark und reflexiv bestimmt. Nirgendwo wird so nachdrücklich das Museum als Werkzeug einer kollektiven Verortung und Vergewisserung angesprochen. Verantwortung wird allein in der Definition der SAMA genannt und eingefordert. (Und es gäbe natürlich noch viel mehr anzumerken.)

Wahrscheinlich, so denke ich mir, hat das mit der Entwicklung und Funktion südafrikanischer Museen nach der Apartheid zu tun. Wenn man einzelene Museumsprojekte näher ansieht oder Mission Statements einschlägiger Stiftungen und Projekte, wird klar, wie sehr hier eine politische und erzieherische Verantwortung regiert. Wahrscheinlich gibt es derzeit kein anderes Land, wo Museen entstanden sind, die mit solchem Nachdruck als Medien der Selbstverständigung konzipiert sind. Die traumatischen historischen Ereignisse (an denen Südafrika überreich ist), der Rassismus und seine Überwindung, die militante Politik der Apartheid und vieles andere mehr, werden zu Museumsthemen. Aber nicht als Stoff distanzierender und befriedender Betrachtung, sondern als soziale und demokratische Räume der diversen Communities. Ich kenne kaum vergleichbare Beispiele für Museen, die man mitten in die Elendsviertel, die durch die Segregationspolitik der Apartheid geschaffen wurden,gesetzt hat. Museen, die als Orte, Werkzeuge, Medien der Communities gedacht sind.

Ich breche hier ab. Die seriöse Darstellung dessen, was in Südafrika an Museumspolitik hochinteressant ist, sprengt den Rahmen meines kleinen Hinweises. Die Definition zeigt, wie sehr ein politisches Verständnis vom Museum, sein Verständnis prägt und das, was man ihm abverlangt.

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