Sonntag, 30. Januar 2011

In Russland muss der Archäologe schon mal mit dem Landrat Wodka trinken

Ich finde, daß ein Satz "In Russland muss der Archäologe schon mal mit dem Landrat Wodka trinken" durchaus die Lektüre eines Interviews rechtfertigt. Eines das über den Horizont und Reflexionsstand der Archäologie in Deutschland aus berufenem Munde Auskunft gibt: Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Archäologe. Hier, im SPIEGEL, das Gespräch.

Kommentare:

Roman hat gesagt…

Ich finde, dass der Satz "In Russland muss der Archaöloge schon mal mit dem Landrat Wodka trinken" den Rest des Interviews (das ja durchaus zeigt, dass sich Hr. Parzinger über die gewachsenen Anforderungen an die Archäologie in der [post]modernen Gesellschaft zumindest ansatzweise bewusst ist) unglaubwürdig macht. Schon allein die Tatsache von "dem" Archäologen zu sprechen (was zeigt, dass Herr Parzinger genau wie der Großteil der Bevölkerung das von ihm so beklagte stereotype Bild des Archäologen im Kopf hat), gepaart mit Vorurteilen über eine andere Kultur (in Russland trinkt man halt gerne Wodka), lässt mich mal wieder stark am allgemeinen Reflexionsvermögen in der Archäologie zweifeln.

Statt leeren Worthülsen wie "Wir müssen das Image des Schatzsuchers ablegen", wäre endlich eine aktive Auseinandersetzung mit den Medien (zu denen ja auch das Museum gehört) nötig. Aber so etwas findet in der selbstverliebten Arbeit "des" Archäologen halt keinen Platz.

gez. ein verzweifelter Archäologiestudent

Gottfried Fliedl hat gesagt…

Als ich vor Jahren mal eine Exkursion nach Russland gemacht habe, amüsierten wir uns mit der gemeinschaftlichten Lektüre eines Reiseführers eines angesehenen Verlages, in dem uns versichert wurde "Der Russe trinkt zum Essen Kwas" oder "Der Russe studiert am Abend". Herr Parzinger ist vielleicht Opfer solcher Lektüre? Nicht verzweifeln, anders und besser machen. Und sich ja den Spaß nicht verderben lassen. LG GF