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Samstag, 11. Oktober 2014

Das Haus der Natur stellt sich zum ersten Mal seiner Vergangenheit. Manche Frage bleibt offen.


Das Haus der Natur in Salzburg stellt sich nun zum ersten Mal seiner Geschichte. Neunzig Jahre nach seiner Gründung durch Paul Eduard Tratz wird dessen Direktionszeit als "Ära" in Form einer Ausstellung gewürdigt. Aber man muß nicht befürchten, daß dieser eher affirmative Begriff „Ärafür eine neuerliche Würdigung von Tratz steht, die dessen vielfältigen Aktivitäten während der NS-Zeit und als SS-Funktionär im "Ahnenerbe" zudeckt.
Die AusstellungDas Haus der Natur 1924-1976 - Die Ära Tratz[1] (bis 30.Juni 2015), die nicht mehr als einen großen Raum und den vorgelagerten Gang beansprucht, listet wesentliche Aktivitäten von Tratz auf, wie sie in jüngeren Forschungen umfassend dokumentiert wurden.[2] Nun kann sich niemand mehr auf Un- oder Halbwissen zurückziehen. Die Beschlagnahmungen, die Raubzüge, die rassenideologischen Forschungen, die Plünderungen selbst katholischer Institutionen und das direkt in der Stadt Salzburg, die Vernetzung mit einschlägigen Institutionen und Personen, Trat schreckliche Schriften, das ist jetzt umfassend dokumentiert. Mit Zitaten, Publikationen, Dokumenten, Fotografien und Filmen, vieles davon noch nie veröffentlicht. Viele zusammenfassende (merkwürdig altbacken designte) Texte (auch in Englisch) verknüpfen alles zu einer ausführlichen chronologischen Darstellung.


Daß die Ausstellung vor allem dokumentiert und sich weitgehend jeden moralisierenden Kommentars enthält, sehe ich positiv.[3] Auf die Dokumentation aufbauend kann man gut seine eigenen Schlüsse ziehen und sich seine Meinung bilden. Allerdings endet die Dokumentation dort, wo es um die Verbindung zur Zeit nach Tratz langer Direktion und um die Gegenwart geht. Es gibt im Moment keinen Katalog oder eine Publikation der Arbeit der Expertenkommission (die offenbar vorgesehen ist).[4] Warum der von der US-Besatzungsmacht eingesetzte Nachkriegsdirektor mehr oder weniger weggelobt wurde, um wiederum Tratz Platz zu machen, dessen Entnazifizierungsverfahren für ihn sehr günstig "gestaltet" wurde, wirft die Frage nach den Motiven und den Förderern und Seilschaften auf. So bleibt auch die Entscheidung, als Tratz Nachfolger Eberhard Stüber, dessen Schüler, einzusetzen, im Dunkeln. Dessen Direktion, soll, wie man off records hören konnte, ausdrücklich und als Bedingung für das Zustandekommen des Forschungsprojekts zur Geschichte des Hauses ausgespart werden.
Stüber hielt aber immer am Erbe von Tratz fest, er machte selbst noch fragwürdige ethnologische Feldforschung und ich erinnere mich gut an die Dermoplastiken und die Fotografien, die ihn mit seinen "Forschungsobjeketen" zeigten. Niemand nahm daran Anstoß, auch nicht an den rassenkundlichen Figurinen aus der Direktionszeit von Tratz, die u.a. den "östlichen" und "westlichen Typ" darstellen sollten.
Stüber wusste genau, was diese Objekte bedeuteten und wie wenig harmlos sie waren. Als der Europarat eine große Tagung im Haus der Natur abhielt, führte Direktor Stüber durch das Haus, vermied es aber jene Räume zu zeigen, in denen einschlägige Objekte zu sehen waren.


Die Direktion Stüber, in der Ausstellung wie in dem zitierten begleitenden Aufsatz[5] also einfach ausgespart, gehörte aber unbedingt ebenfalls untersucht. Und zwar deshalb, weil eine der Schlüsselfragen, die nach der Entwicklung des Hauses der Natur, nach Kontinuitäten und Diskontinuitäten von museologischen und naturkundlichen Paradigmen und Ideologien, offen ist. Auch nach der Ausstellung.
Dennoch meine ich, daß die Ausstellung ohne wenn und aber verdienstvoll ist. Sie wird dem Museum bei einer Neuorientierung guttun und sie bietet der öffentlichen Meinung endlich umfassend Information, die es abgesehen von Roberts Hoffmanns Aufsatz nur bruchstückhaft gegeben hat. (Bis heute gehören die Posts zum Haus der Natur in meinem Blog zu den meistgelesenen, ich nehme an, weil sie zu den wenigen Quellen zur Direktion Tratz überhaupt zählen.)[6]
Die Ausstellung gliedert die Geschichte des Hauses der Natur in drei Teile: Da wäre die aus gleichsam laienhaften und bescheidnen Anfängen (Vogelkunde; vogelkundliche Forschungsstation) ein regional bedeutsames, pädagogisch engagiertes Naturmuseum entstanden, eine gleichsam "unschuldige" volksbildnerische Einrichtung, die auf Grund der Beziehung von Tratz zu Wissenschaft und Politik sich anschickte überregionale Resonanz zu bekommen.
Dann kommt die Zeit, in der das Museum Teil des SS-Ahnenerbes wird und sich Tratz nun "schuldig" macht, wie vielfach belegt wird. Die Ausstellung thematisiert diesen Bruch, aber als rätselhaft und nicht erklärbar.
Die dritte Phase wäre dann die der Erneuerung, der Reform und schließlich der ökologischen Neuorientierung. Wir sollen annehmen, daß mit diesem dritten Teil der Geschichte die Kontaminierung mit der Politik und Ideologie des Nationalsozialismus vorüber gewesen sei und ein neuer Abschnitt, der der Entschuldungangebrochen sei.


Das passt nun aber gar nicht zu den Tatsachen. Zunächst tritt ja Maximilian Piperek,[7] NSDAP-Mitglied, die Direktion an, von dem mir aus der knappen Darstellung seiner Biografie und seiner Vorhaben nicht klar geworden ist, ob er sich bloß um eine Modifikation Tratzscher Ideologeme bemüht hat oder ob das ein wirklicher Bruch mit der Vergangenheit war. Die beträchtlichen Aggressionen gegen ihn und die Vehemenz, mit der man Tratz wieder zurückwünschte und dann ja auch tatsächlich zurückholte, sind erklärungsbedürftig. Ist es nicht erstaunlich, daß jemand, der im erzkatholischen Salzburg katholische Institutionen plündern ließ, um sein Museum anzureichern, solche Sympathien haben konnte? Was an ihm war so wichtig, was vertrat er, was war erwünscht, daß er dort weitermachen könnte, wo er aufgehört hatte? Die Ausstellung erwähnt, daß sich Tratz nach 1945 von nichts distanzierte, keine seiner Publikationen verschwieg.
Im eben erschienenen Aufsatz im neuen museum betonen die Autoren Norbert Winding (als Direktor des Hauses der Natur und Mitarbeiter bereits unter Eberhard Stüber) und Robert Lindner (Leiter Sammlungen und Wissenschaft und Leiter des Forschungsprojekts) sowie Robert Hoffmann[8] die Einzigartigkeit des Konzeptes des Hauses der Natur und seiner Abhängigkeit von einer Person, die ohne Zweifelausschlaggebend für die Wiederbestellung von Tratz (ab 1.Juni 1949 ist er wieder Leiter des Hauses der Natur) gewesen sei. Zugleich werden aber die vehementen Forderungen nach Rückkehr durch seine früheren Mitarbeiterund von Mitgliedern des von der Besatzungsmacht aufgelösten Trägervereins erwähnt.[9] Die Autoren halten es für nachvollziehbar, daß Stadt und Land aus pragmatischen GründenTratz zurückholten. Mit solchen Formulierungen vermeidet man jede Beschäftigung mit der politisch-ideologischen Situation in Land und Stadt Salzburg nach 1945 und braucht sich daher auch nicht mit dem zähen und langen Nachleben von Seilschaften und dem Widerstand gegen Aufklärung zu beschäftigen, der bis heute noch zu spüren ist. Wenn die Salzburger Grünen kürzlich haben ausrichten lassen, daß ihr Antrag, Tratz die Ehrenbürgerschaft abzuerkennen, versandetsei, dann darf man sie fragen, was sie seit 2009 unternommen haben, um ihrem Antrag zum Erfolg zu verhelfen,[10] erst recht jetzt, wo sie an der Landesregierung beteiligt sind.[11]

Gegen die Bewertung des bislang letzten Abschnitts der Museumsgeschichte als vollzogener Bruch mit Tratz und seiner Ideologie spricht die Entwicklung des Hauses unter dessen Eberhard Stüber, der ein, wie man so sagt, Schüler von Tratz war. Er war ebenso wenig wie Tratz nach 1945 jemand, der sich der Vergangenheit des Museums und dem ihm zugrundeliegenden Naturverständnis distanzierte. Die unter ihm angebahnten ökologischen Projekte und Diskurse, die man als Indizien für den grundlegenden Wandel anführt, müssen nicht unbedingt als solche gelten. Man kann dies als Mitvollziehen eines wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Paradigmenwechsels verstehen, es war aber auch, und vielleicht das oft in erster Linie, eine willkommene neue Legitimation einer Institution, die generell unter Legitimationsdruck geraten war. Das galt und gilt für Naturmuseum, die ihre taxonomische und archivierende Arbeit allein nicht mehr als Legitimation ausreichend einstuften. Was man kurzerhand als Modernisierung einschätzt oder propagiert, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ökologische Wende in der Auffassung von Natur. Die aber beginnt lange vor dem Nationalsozialismus, und damit auch mit ihren rassistischen und inhumanen Implikationen, eine Bewegung, die gerade in Österreich auch nach 1945 sehr prominent war. Ich erinnere nur an Konrad Lorenz und den Konflikt, der um seine Verhaltensforschung ausbrach. Diese ökologische Naturauffassung kennt sehr unterschiedliche Spielarten, und einige davon gehören zum Kernbestand der Grünen Bewegung und Partei. Bernhard Lötsch etwa, der direkt aus dieser Bewegung heraus zum Museumsleiter des Wiener Naturhistorischen Museums gemacht wurde, vertrat eine ideologisch-politische, um es freundlich zu formulieren, sehr konservative Position. Er, wie Stüber ein außerordentlich engagierter Naturschützer, wehrte sich vehement gegen die Auflösung des sogenannten Rassensaales, der weder wissenschaftlich noch ausstellungsdidaktisch haltbar war und unter seiner Direktion wurden z.B. einschlägige (etwa zeitgleich zu den Salzburger Abformungen entstandene) rassenpolitische Präparate aus der NS-Zeit in der Eingangshalle als Eyecatcher zur Werbung für Blutspenden (sic) eingesetzt.
Diese Geschichte einzubeziehen scheint das Forschungs- und Ausstellungsteam nicht beabsichtigt zu haben. Hätte man das getan, wäre die 'Dreiteilung' der Geschichte des Hauses der Natur so nicht haltbar, wie sie in der jetzigen Ausstellung vorgenommen wird. Es wäre dann z.B. der scheinbar so rätselhafte Übergang vom naturkundlich engagierten Pädagogen Tratz zum Vernichtungstexte abfassenden Funktionär eines berüchtigten Forschungsinstituts weniger unverständlich gewesen.
Dies zu leisten steht also ebenso noch aus, wie endlich die Direktionszeit und Biografie von Eberhard Stüber aufzuarbeiten, nicht allein um der Aufhellung persönlicher Haltungen und Handlungen willen, sondern zur Aufklärung jener Kontinuitätsgeschichte der Ökologie- und Naturschutzbewegung, die (bis heute) den Rahmen des Hauses der Natur bildet.
Dann könnte man noch einen dritten Aspekt thematisieren, der bislang noch kaum wo gewürdigt wurde: die museologisch-didaktische Philosophievon Tratz, also seine eminent pädagogische Bemühung um Verständlichmachen und Veranschaulichen. Seine unzähligen ungemein liebevoll gebauten didaktischen Apparaturen, akkurat beschriftet, beweglich, bunt, möglichst klar, einfach, kind- und erwachsenengerecht - dieses enorme Repertoire an Didaktikverschwindet langsam aus dem Haus, sicher auch, weil es durch modernere Medien überholt wirkt. Klar, diese eminent didaktische Haltung gehört zur ökologischen Vermittlungsarbeit, bei der die Grenzen zur politisch-ideologischen Doktrinierung während der Jahre des NS nicht zu ziehen sind. Noch heute kann man in den Restbeständen der Tratzschen Veranschaulichungs-Maschinchen Objekte oder Schautafeln entdecken, die unmissverständlich sein schreckliches Menschen- und Naturbild verraten. Diese Didaktik läßt sich nicht isolieren und als Museumspädagogik an sich studieren oder bewundern. Dennoch hätte ich es für sinnvoll gehalten, diese große Besonderheit des von Tratz  geprägten Hauses der Natur im Kontext der Erneuerungsbewegungen und Museumsdidaktik seit 1900 zu untersuchen und zu bewerten. Ich bin auch nicht dafür, alle Tratschen „Überlebsel, die das Haus zeigte und z.T. noch zeigt, einfach verschwinden zu lassen. Behutsam in eine neue Ausstellung integriert und kontextualisiert könnte man ihnen ein längeres Überleben ruhig gönnen.
Daß man die Tratz-Büste aus dem Foyer und dem Museum schon vor Jahren im Zuge eines Umbauus des Foyer entfernt hat, ist richtig. Das Museum darf nicht unterm Zeichen einer solchen Person stehen. Ich bin aber nicht für eine "Entschuldung" durch Entfernen oder Entsorgen. Dadurch wird man seine unerwünschte Geschichte nicht los, eher im Gegenteil. Unter der Bedingung der Aufarbeitung, die mit der Ausstellung nun nachdrücklich eingesetzt hat, könnte so manches bleiben oder wieder gezeigt werden, wenn es in einem neuen Kontext und unter Klärung der historischen Bedingungen vielleicht ganz neue Erkenntnisse ermöglicht.
Das gilt namentlich für die Tibet-Dioramen, die aus der Ahnenerbe-Forschung stammen und zu den Attraktionen des Hauses gehören. Sie werden seit Tratzens Zeit gezeigt. In der Ausstellung wird ihre Herkunft und ihr Zustandekommen dokumentiert, im Museum nicht. Ganz im Gegenteil. Anlässlich eines Besuchs des Dalai Lama im Museum während der Direktion Stüber wurden den Dioramen zwei Textafeln vorgeschaltet, die aus dem Ensemble eine "Tibet-Schau" mit einer komplett irreführenden Jahreszahl machen. Der unbedarfte Besucher meint nun, daß diese Schau in jüngster Zeit aus Anlass des Besuches des religiösen Oberhauptes der Tibeter entstanden ist und daß dieser, so scheinen es die Fotos zu belegen, der Ausstellung außerdem Nobilität und Authentizität zuerkannt hat. Also im Akt einer Art von Imprimatur von "höchster Seite". Das kann so nicht bleiben und ich wundere mich, warum das eigentlich immer noch so gezeigt wird, wo es doch erst recht zeitgleich mit der Ausstellung extrem fragwürdig wird. Man hätte nur eineiige Texte der Ausstellung doppelt ausdrucken müssen und hätte eine provisorische Kommentierung der Tibet-Dioramen zur Hand gehabt. Gerade hier muß die Ausstellung und die umfassende Recherche zur Geschichte des Hauses praktisch werden. Die Funktion und Ideologie der Tibet-Expedition gehören benannt, die Eckdaten präzisiert, das Zustandekommen der Dioramen einschließlich der Information, daß die Figuren nach rassenkindlich behandeltenTibetern entstanden sind, die man vor Ort vermessen und denen man Masken abgenommen hat.
Das wird aber nicht reichen. Die Dioramen vermitteln das Bild eines archaischen und ursprünglichen Tibet. Lhasa liegt da wie zur Zeit Sven Hedins oder Heinrich Harrers. Tibet ist heute eine Region Chinas, was zwar in einem Text angedeutet wird, aber für Besucher, die Lhasa schon mal für Salzburg halten,[12] doch viel zu verschlüsselt und versteckt. Also müsste man - mindestens - etwas zum heutigen Tibet sagen, zur Differenz der Bilder, die man vor Augen hat, zur Gegenwart und der heutigen Lebenswirklichkeit der Tibeter.
Mit der Ausstellung hat das Museum einen großen und verdienstvollen Schritt getan. Sie wird lange gezeigt und wird vermutlich im Land und in der Stadt das Bewusstsein für das Haus verändern. Die Dokumentation, die man zeigt, ist umfangreich, behandelt sehr viele Aspekte, weit mehr, als bisher bekannt waren und bezeugt mit z.T. grotesken Fotos - Männer in Loden rauben Tierpräparate- die Ungeheuerlichkeiten, die zur NS-Zeit rund ums Haus der Natur passierten und mit dem Namen Tratz ab nun definitiv verknüpft sein werden.
Manches bleibt, wie ich gezeigt habe, offen, halb stecken. Immerhin hat man mit der Restitution von Objekten begonnen, die im Laufe des Jahres 1914 auch abgeschlossen werden sollte. Man wird sehen, wie sich das Museum weiter entwickelt und ob und wie die Aufarbeitung der Geschichte des Hauses weitergeführt werden und in seine Praxis hineinwirken wird.







[1] Norbert Winding, Robert Lindner, Robert Hoffmann:  Geschichtsaufarbeitung als Ausstellung: Das Haus der Natur 1924-1976 - Die Ära Tratz, in: neues museum, Oktober 2014, 14.Jg., Nr.4, S.62-67
[2] Robert Hoffmann: Ein Museum für Himmler. Eduard Paul Trat und die Integration des Salzburger Hauses der Natur in das Ahnenerbe der SS, in: Zeitgeschichte, 35.Jg., Mai/Juni 2008, S.154-175
[3] Das Museum schreibt sich die Initiative zur Aufarbeitung selbst zu und rühmt sie als Pioniertat im Feld der Naturmuseen. Allerdings listet ein Ausstellungstext - lückenhaft - diverse Presseartikel und wissenschaftliche Beiträge auf, die seit den 80er-Jahren die Geschichte des Hauses der Natur nach und nach aufhellten. Möglicherweise war letztlich der Auftrag des LH-Stellvertreters und Aufsichtsratsvorsitzenden des Hauses der Natur, Buchleitner, ausschlaggebend dafür, daß eine Art Historikerkommission zustandekam. Deren Arbeit liegt der jetzigen Ausstellung zugrunde.
[4] Die Arbeitsgruppe setzte sich aus dem Zeithistoriker Robert Hoffmann zusammen, Susanne Köstering, einer Potsdamer Museologin, die auf Naturmuseen spezialisiert ist. Die Kuratorin des Naturhistorischen Museums Maria Teschler-Nicola, Anthropologin und des Zoologen Alfred Goldschmied.
[5] wie Anm.1
[6] Den gemeinsam mit Sabine Schleiermacher verfassten Essay Blutgebundene Abhängigkeit habe ich 2010 im Blog noch einmal veröffentlicht. Er erschien im Standard 1992 und war die erste Beschäftigung mit der NS-Geschichte des Hauses der Natur für eine breitere Öffentlichkeit. Der Artikel blieb ohne jede messbare Reaktion. Hier der Link: http://museologien.blogspot.co.at/2010/04/blutgebundene-abhangigkeit-das-haus-der.html
Ebenfalls 2010 habe ich eine Art Kurzgeschichte des Museums zur Zeit der Tratzschen Direktion im Blog verfasst, Das Haus der Natur als Institut des SS-Ahnenerbes. Link: http://museologien.blogspot.co.at/2010/01/das-haus-der-natur-in-salzburg-als.html
2013 kam dann ein weiterer Post hinzu, Selbstverordneter Gedächtnisschwund, dessen Anlass die informationslose Webseite war, wo man nahezu nichts über die Rolle von Tratz und die des Museums in der NS-Zeit erfuhr. Darauf reagierte das Museum allerdings rasch und rüstete die Webseite mit einschlägigen Informationen nach. Link: http://museologien.blogspot.co.at/2010/01/das-haus-der-natur-in-salzburg-als.html
[7] Piperek war Gymnasiallehrer mit naturkundlicher und philosophischer Ausbildung. 1945 von der amerikanischen Besatzungsmacht eingesetzt.
[8] wie Anm.1
[9] wie Anm.1, S.66
[10] Die Landesregierung nennt den Entzug der Ehrenbürgerschaft rechtlich nicht durchführbar.
[11] Gerald Lehner berichtet über die inzwischen zweite Umbenennung einer Forschungsstation am Großglockner. Nachdem der Name Tratz vorübergehend durch eine neutrale Bezeichnung ersetzt worden war, wurde die 1989 gegründete und vom jetzigen Direktor des Hauses der Natur, Norbert Winding eingerichtete Station kürzlich in Eberhard Stüber Forschungsstation umbenannt. Lehnet: Im Fall der Tratz-Haus der Natur-Stüber-Forschungsstation in den Hohen Tauern spart nun die Salzburger Landeshauptmann-Stellvertreterin und Naturschutz-Referentin Astrid Rössler nicht mit Lob für Akteure. Die oberste Grüne spricht wörtlich von einer Pioniertat ökologischer Grundlagenforschung und einer visionären Entscheidung, als vor genau 25 Jahren die Tratz-Forschungsstation im Nationalpark Hohe Tauern gegründet wurde. In der entsprechenden Aussendung der Salzburger Landeskorrespondenz vom 19. September 2014 fehlt jeder Hinweis auf die langen Debatten um die Station, die Vergangenheit des Naturkundemuseums Haus der Natur und des SS-Naturforschers Tratz. Gerald Lehner: Neuer Personenkult, alte Geschichtslosigkeit. 20.September 2014 (Blog) http://hausdernatur.wordpress.com/
[12] Ein sicher schon mehr als volksschulpflichtiges Kind identifiziert den Potala als Salzburg und beharrt, als die Eltern rat- und ergebnislos in dem erläuternden Text lesen, ahnend, daß da was nicht stimmen kann, in Berufung auf die Autorität eines Onkels: das ist Salzburg. Er hats gesagt. Die Kleinfamilie zog ratlos ab, die Eltern blieben - aus eigener Ahnungslosigkeit oder pädagogischer Großmut? - stumm.

Montag, 9. Juni 2014

Das Haus der Natur in Salzburg zeigt eine Ausstellung seiner Geschichte und seiner Rolle in der NS-Zeit

Zum neuesten Stand der Erforschung, Diskussion und Aufarbeitung der Rolle von Eduard Paul Trat und des von ihm gegründeten naturmuseums durch das Haus der Natur selbst siehe den Post „Das Haus der Natur stellt sich zum ersten Mal seiner Gesichte. Hier: http://museologien.blogspot.co.at/2014/10/das-haus-der-natur-stellt-sich-zum.html

Das Haus der Natur in Salzburg zeigt derzeit (aus Anlass seines 90jährigen Bestehens) eine Ausstellung zu seiner Geschichte unter dem (Gründungs)Direktor Eduard Paul Tratz. "Das Haus der Natur 1924-1976. Die Ära Tratz".

Mit der Ausstellung, die auf Forschungsarbeiten der Universität Salzburg beruht, stellt sich das Museums erstmals seiner Geschichte seit 1924 und damit der Rolle von Museum und Museumsleiter in der NS-Zeit. Auch auf seiner Webseite, von der ich die Zusammenfassung diese "Ära" des Hauses wiedergebe:
Eduard Paul Tratz. Ausschnitt aus einem Foto der Webseite des Museums

"Die Ausstellung schildert die Geschichte des Museums von den Anfängen als Ornithologische Station über die Gründung des neuen Museums für Naturkunde bis zum Ende der Direktion des Museumsgründers Eduard Paul Tratz. Sie beleuchtet dabei insbesondere die Rolle des Museums während der Zeit des Nationalsozialismus, in der das Haus der Natur in die SS-Wissenschafts-organisation „Das Ahnenerbe" integriert war.
Im Jahr 1913 gründete Eduard Paul Tratz die „Ornithologische Station Salzburg“, die im Jahr 1920 als „Vogelmuseum“ im Monatsschlösschen Hellbrunn öffentlich zugänglich wurde. Zwei Jahre später präsentierte Tratz den Plan zur Gründung eines Salzburger Naturkundemuseums. Trotz schwieriger wirtschaftlicher Verhältnisse eröffnete bereits im Jahr 1924 das „Neue Museum für darstellende und angewandte Naturkunde“ in der ehemaligen Hofstallkaserne. Die Ausstellung wurde ständig erweitert, 1937 umfasste sie 23 Abteilungen auf einer Fläche von 3.000 m² und nannte sich erstmals „Haus der Natur“.
Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Dritte Reich vollzog Tratz eine rasche Anpassung an die neuen politischen Verhältnisse. Am 1. März 1939 erfolgte die Integration des Museums in die SS-Wissenschaftsorganisation "Ahnenerbe". Tratz beteiligte sich sowohl an der Enteignung von kirchlichem und jüdischem Besitz als auch an völkerrechtswidrigen Kulturraub-Aktionen in polnischen Museen. Er nahm Änderungen im Schaubreich vor, die der Vermittlung NS-ideologischer Inhalte dienten. Ein Saal zeigte etwa biologistisch begründet, „höher-„ und „minderwertigere“ „Menschenrassen“. Mit Raubgut aus Polen und der Ukraine schuf er einen neuen „Eiszeit-Bereich“ rund um ein Wollhaarnashorn. Mit völkerkundlichen Objekten aus der „Deutschen Tibet Expedition Ernst Schäfer“ errichtete er die „Tibetschau“.
Als Abteilungsleiter des „Ahnenerbes“ erwies sich Tratz als systemloyaler und anpassungswilliger Opportunist, der sich zu einer Ausrichtung des Museums im Geiste des nationalsozialistischen Naturverständnisses bekannte. Zwischen 1938 und 1945 veröffentlichte er einige Texte, die sich mit den Aufgaben naturwissenschaftlicher Museen im Dienste der NS-Ideologie beschäftigen. In anderen finden sich rassistisch-biologistische Textpassagen, in denen eine Rechtfertigung der Euthanasie anklingt. Tratz distanzierte sich von all diesen Äußerungen nach 1945 nicht.
Im Juni 1945 wurde Tratz verhaftet und blieb bis August 1947 in Salzburg Glasenbach interniert. Zu einer Anklageerhebung kam es nicht, auch wurde dem Ansuchen polnischer Behörden um Auslieferung nicht stattgeben. Nach der Internierung von Tratz ernannte man Maximilian Piperek zum neuen Leiter des Museums. Er versuchte das Haus auf humanistische Werte hin auszurichten und in ein Forum der Begegnung und Diskussion zu verwandeln. Rassenideologische Elemente wurden aus der Ausstellung entfernt. Im April 1949, bei der Neukonstitution des finanziellen Trägervereins, votierte die große Mehrheit der Vereinsmitglieder mit politischer Rückendeckung aller Parteien für die Rückkehr von Tratz.
Gemeinsam mit seinen langjährigen Mitarbeitern brachte Tratz das Haus sofort auf den alten Kurs und knüpfte an seine frühere Sammlungs- und Präparationstätigkeit an. Eine Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit fand nicht statt. Ende 1956 wurde das Museum geschlossen, weil auf dem Areal der Hofstallkaserne ein neues Festspielhaus errichtet werden sollte. 1959 eröffnete das Haus der Natur im ehemaligen Ursulinenkloster neu. Das Museum blieb in seinen Grundzügen bis zum Ende der Direktion Tratz in seinen Grundzügen das alte."

Die Ausstellung wird bis zum Sommer 2014 zu sehen sein.
Zur Webseite Haus der Natur

Donnerstag, 23. Januar 2014

Das Haus der Natur in Salzburg restituiert Raubgut und arbeitet an derErforschung seiner NS-Geschichte

Zum neuesten Stand der Erforschung, Diskussion und Aufarbeitung der Rolle von Eduard Paul Trat und des von ihm gegründeten naturmuseums durch das Haus der Natur selbst siehe den Post „Das Haus der Natur stellt sich zum ersten Mal seiner Gesichte. Hier: http://museologien.blogspot.co.at/2014/10/das-haus-der-natur-stellt-sich-zum.html 


Das Haus der Natur in Salzburg hat angekündigt, in der NS-Zeit geraubtes Sammlungsobjekte zu restituieren. Der damalige Museumsleiter (und Gründer) Eduard Paul Tratz hatte Bibliotheken, ganze Sammlungen z.B. kirchlicher Einrichtungen im eigenen Land beschlagnahmen lassen, aber auch aus Sammlungen und Institutionen in Warschau, Krakau, Smolensk u.a.m. kam Raubgut in das Museum.
"Durch Arisierungen" schreiben die Salzburger Nachrichten "gelangten Jagdtrophäen aus dem Besitz des Kunstsammlers Rudolf Gutmann, eine Trophäensammlung von Alphonse und Clarisse Rothschild sowie eine Sammlung südamerikanischer Vögel der Familie Bomstein-Bomi nach Salzburg."
Noch läuft eine umfangreiche wissenschaftliche Untersuchung zur Geschichte des Hauses der Natur in Salzburg unter der Leitung des Zeithistorikers Robert Hoffmann.
Das Haus der Natur feiert heuer seinen 90. "Geburtstag" und plant für dieses Jubiläumsjahr eine Ausstellung zu seiner Geschichte.
Beides, Forschung, Aufarbeitung und Restitution waren überfällig. Das Haus der Natur, das bis 1976 (!) (mit einer Unterbrechung) von dessen Gründer Eduard Paul Tratz, hochaktiver Nationalsozialist der das Haus zur Institution des "Ahnenerbes" gemacht hat, geleitet wurde, leistete auch unter Tratz Nachfolger, Eberhard Stüber, keine Aufarbeitung und hielt des "Erbe" Tratz hoch. Erst mit dem Direktionswechsel zu Norbert Winding begann sich die Haltung des Museums zu ändern.
Der aktuelle Kulturlandesrat Salzburgs, Schellhorn, sagt "es gibt noch viel aufzuarbeiten". Dazu gehört die seit mehr als zehn Jahren unerledigte Debatte um die Aberkennung der Ehrenwürde Paul Tratz', die Ausdehnung der Aufarbeitung auf die Zeit nach 1945 und auf die Direktion Stüber und die dubiose Verleihung des Österreichischen Museumspreises unter ausdrücklicher Würdigung von Tratz "Verdiensten". (1)
An Aufarbeitung zu denken hat nicht nur das Museum guten Grund, den hätten auch viele Naturschutzorganisationen, die sich, z.B. in Form von Benennungen von Preisen und Institutionen (2) nach Paul Tratz, zu einer Geschichte des Naturschutzes bekennen, die auch äußerst fragwürdige Wurzeln hat. Das Naturverständnis, das Teile der Naturschutzbewegung prägt, aber auch die Naturideologie (von Telien) der Grünen, in ihrer Entwicklung durch das 20.Jahrhundert hindurch, also unter ausdrücklichem Einschluß der der NS-Zeit, wäre grade für die auflebende Debatte um den scheinbar apolitischen Naturfundamentalismus der Grünen von großem Interesse.

(1) Die Preisverleihung hat mich veranlasst, zusammen mit Sabine Schleiermacher einen Artikel im "Standard" zu veröffentlichen. Sabine Schleiermacher, Gottfried Fliedl: "Blutgebundene Abhängigkeit" Museumspreis 1991: Eine späte Ehrung für nationalsozialistische Rassenforscher. In: Der Standard, Donnerstag 13. Februar 1992, S.23 Hier in diesem Blog zu finden (mit Links zur Kontroverse des damaligen Landeshauptmannes Katschthaler und dem Zeithistoriker Robert Hoffmann, der erste Ergebnisse einer Untersuchung publiziert hatte) unter: http://museologien.blogspot.co.at/2010/04/blutgebundene-abhangigkeit-das-haus-der.html sowie ein Post aus dem Jänner 2010 "Das Haus der Natur in Salzburg als Institut des SS-Ahnenerbes"
Mitte 2013 habe ich das Thema noch einmal aufgegriffen und die Verlängerung dur selbstverordneten Amnesie des Hauses der Natur vor allem in seiner offiziellen Selbstdarstellung kritisiert (mit weiterführenden Links). http://museologien.blogspot.co.at/2013/06/selbstverordneter-gedachtnisschwund-das.html Auf diese Kritik hat Direktor Norbert Windung prompt reagiert und seither kann man auf der Webseite - zum ersten Mal - etwas über die Geschichte des Huases in der NS-Zeit erfahren. Hier zur Reaktion von Direktor Winding: http://museologien.blogspot.co.at/2013/07/das-haus-der-natur-in-salzburg-reagiert.html
http://museologien.blogspot.co.at/2010/01/das-haus-der-natur-in-salzburg-als.html
(2) Zur Umbenennung einer Forschungsstation nach längerer Kritik siehe hier: http://hausdernatur.wordpress.com/himmlers-darling/

Freitag, 11. Oktober 2013

Das Museum als Haus - Die Welt als Museum




Das Museum als Haus - Die Welt als Museum

Dieser Vortragstext ist 1991 in „Ganz aus dem Häuschen“ erschienen, der Nachlese zu den 12. Museumspädagogischen (Privat-)Gesprächen, die damals in Graz stattgefunden haben. (MuseumspädagogInnen verlassen das Museum. Graz 1991 („...das lebende museum ... STEIERMARK“  im Grazer Stadtmuseum / Kulturvermittlung Steiermark / Kunstpädagogisches Institut Graz). Seite 6-12)

Unsere Vorstellung vom Museum ist wie selbstverständlich die vom festen Haus und Ort. Es geht um Schutz und Sicherheit, um Zusammenfassung, Ordnung, um Vergleichbarkeit und Zugänglichkeit. Erst durch die Fixierung  des Ortes, die Dauerhaftigkeit der Sammlung und eine über längere Zeit unveränderte Schaustellung kann der Museumsbesuch zum wiederholbaren Ereignis mit erwartbaren Erfahrungen werden. Doch ist diese Vorstellung vom Museum nicht besonders  alt im Verhältnis zur langen Geschichte des Sammelns. Das Museum als Haus - architektonisch und metaphorisch verstanden - ist die Form, die sich erst die bürgerliche Museumsidee gibt.

Zwischen 1815 und 1830 entstand in Berlin ein 'museion' besonderer Art. Ein speziell und nur für den Zweck entworfenes und errichtetes  Haus, das bedeutendste Teile des Kunstbesitzes des preußischen Königs aufzunehmen und öffentlich zum Zweck der Bildung zu zeigen hatte. Es ist dieses  von Karl Friedrich Schinkel  entworfene Neue Museum, meinem Wissen nach der erste selbständige, zu öffentlichen Bildungszwecken  errichtete  Sammlungsbau, eine Bau zudem, der diesen Zweck mit den Mitteln der Architektur, der Monumentalmalerei und  durch die städtebauliche Disposition veranschaulichte.

Mit der offenen, über beide Geschosse reichenden ionischen Loggia, mit der offenen Treppenanlage, die zu einer ebenfalls nach Außen offenen Halle im Obergeschoß führte, bildete der Architekt eine den Binnenraum des Museums mit dem öffentlichen Raum der Stadt verknüpfende Vermittlungssphäre, in der eine Zyklus von Wandgemälden mit der Darstellung der konfliktreichen Gattungsgeschichte auf den eigentlichen Museumsbesuch vorbereiten sollte.

Diesen öffentlich-kommunikativen, bilderreichen und ,bildenden', zwischen institutioneller und  städtischer Öffentlichkeit vermittelnden Raum, die obere Halle, hat Schinkel selbst in einer ihren Zweck programmatisch visualisierenden Zeichnung festgehalten.

Doch nicht nur dies und die selbstbewußte  Entgegensetzung der bürgerlich-öffentlichen Sphäre zum gegenüberliegenden Schloß sind bemerkenswert, sondern auch die Integration der musealen, über die ausgestellten Sammlungen evozierte Bildungserfahrung in den von den Wandgemälden erzählten gattungsgeschichtlichen Zusammenhang.  Dargestellt waren in der Loggia und Treppenhalle  u.a. das Götter- und Menschenleben, Kriegs- und Naturgewalt, die Gestirne usw., also nicht mehr und nicht weniger als "die Bildungsgeschichte der Welt", wie es in einer zeitgenössischen Interpretation heißt. 

Wilhelm von Humboldt hatte als Leiter der Museumskommission das Konzept eines Museums entworfen, das die Humanisierung der Staatsbürger - also auch die Humanisierung des preußischen Staates - zum Ziel hatte. Im Freskenzyklus wird diese Instrumentalisierung des Museums als Bildungsanstalt des Staates und der Staatsbürger,  als zentrale  Einrichtung, auf die sich der preußische  Staat berufen und fundieren möchte,  eingebettet in die Bildungsgeschichte der Gattung überhaupt. Vermittelt und zugleich extrem gespannt scheint  hier das Verhältnis von Innen und Außen, von Haus und Welt, von Sammlung  und Bildung.

1827 brach ein Streit über die Benennung dieses im Bau befindlichen Hauses aus. Der erste  Vorschlag für eine lateinische Inschrift  stieß auf Mißfallen:  FRIDERICVS GVILELMVS III STVDIO  ANTIQVITATIS  OMNIGENAE ET ARTIVUM  LIBERALIVM MVSEVM CONSTITVIT MDCCCXXVIII, in der deutschen  Übersetzung: Friedrich Wilhelm III.   hat  dem  Studium  jeder  Art  Alterthümer und der freien  Künste  diesen Ruheort  gestiftet  1828.

Das Wort Museum, das in der deutschen  Übersetzung merkwürdiger- und bezeich­nenderweise nicht  übersetzt und durch das eigentümliche Wort ,Ruheort' ersetzt wurde, war der Stein des Anstoßes. Die Einwände richteten sich gegen den Begriff Museum.  Mit dem  Wort Museum  würden, so der erste  Gutachter, "im ganzen Alterthume" nur Orte der Wissenschaft bezeichnet, aber niemals  solche zur" Aufbewahrung von archäologischen oder Kunstgegenständen". Zwar sei der Sprachgebrauch Museum der populäre, niemals aber der klassische und daher für eine Inschrift ungeeignet. Ludwig Tieck, Alexander von Humboldt und die um ein Gutachten gebetene historisch-philologische Klasse der Preußisch-Königlichen Akademie der Wissenschaften kamen sinngemäß  zu demselben ablehnenden Ergebnis.

Zum Zeitpunkt der Errichtung des Berliner Sammlungsinstituts ist der Begriff Museum noch keineswegs für Sammlungen und Sammlungsarchitekturen ausschließlich reserviert. So wie er für Vereine, Gesellschaften, Publikationen, literarische Sammlungen  usw. auch  gebräuchlich ist, können umgekehrt museale Sammlungen noch als Kabinette, Glyptotheken, Pinakotheken, Galerien usw. benannt  werden.

Doch der kurze, scheinbar nebensächliche Streit um die Benennung des durchaus als neuartig empfundenen Baus ist mit der terminologischen Offenheit nicht ganz zu erklären.

Interessant an dem Streit ist, daß zwei Traditionen des Begriffs Museum aufeinan­dertreffen. Die eine Tradition,  die die Gutachter und Experten gegen die Verwen­dung des Wortes  Museum  für einen Ort der Sammlung ins Treffen führen, leitet sich vom klassisch-antiken Wortgebrauch ab. Das heißt, von der Bezeichnung Museum für eine Pflegestätte der Wissenschaft an der aber nicht gesammelt, vor allem aber nichts  Vergangenes, Historisches aufbewahrt wurde.

Die andere Tradition, von der es in den Gutachten heißt sie sei die populäre, ist of­fensichtlich die ältere. In dieser Tradition lebt etwas von der Bedeutung des ur­sprünglicheren museion, des Musenortes fort. Also von der antiken Tradition, die im16. Jahrhundert wiederentdeckt und wiederaufgenommen wurde- und zwar damals in der  doppelten Bedeutung von Hain, Garten  jedenfalls den Musen gewidmeten Naturraum und Ort der wissenschaftlichen Betätigung  und des Sammelns. Indem man gegen die eigene philologisch untermauerte, rationale Kritik, die die Begriffsübertragung von Museum als Bezeichnung eines Ortes der Wissenschaft auf ein Sammlungshaus - historisch übrigens  korrekt - als unantik ablehnt, am Begriff Museum dann aber doch festhält, entschied man sich für die ungleich ältere Bedeutung, also unbewußt, nämlich ohne sich Rechenschaft über den Sinn dieser älteren Tradition zu geben.

In der Erinnerung an diese sogenannte populäre und älteste Bedeutungsschicht des Wortes Museum blitzt die Erinnerung sowohl an das museion als Ort des kollektiven Gedächtnisses auf, als auch die an einen lang zurückliegenden, längst verschütteten, konfliktreichen Enteignungsprozeß.

In diesem Enteignungsprozeß wurde die schrift- und bildlose, affektive und ausschließlich von weiblichen Musen beschützte, kollektive und gattungsgeschichtliche Erinnerungsfähigkeit durch die rationale, textgebundene von den  ausschließlich männlichen Priestern wissenschaftlicher Institutionen betriebene Gedächtnisarbeit allmählich abgelöst und verdrängt.

Der griechisch antike Begriff museion meinte ursprünglich den Ort der Musen, Töchter der Mnemosyne, der Göttin des Gedächtnisses und des Zeus. Zuerst ist es eine einzelne Muse - das Wort Muse bedeutet die Sinnende oder die Erinnernde - später sind es drei oder neun, ihre Zahl schwankt. Sie sind Naturgeister, Nymphen und leben anQuellen und Flüssen, wo sie im ekstatischen, göttlich inspirierten Gesang und Tanz die Vergangenheit und Zukunft in die Gegenwart beschwören, weissagen, deuten.

Das museion wurde dann die den Musen geweihte Stätte der Pflege der Erinnerung und des Eingedenkens  an die konfliktreiche Geschichte  der Zivilisation. Kunst, Geschichte und Wissenschaft hatten spezielle Schutzmusen, die für das Festhalten der Erinnerung einstanden und die vor allem die Rhapsoden beschirmten, die zu Beginn ihres Gesanges die Musen anriefen, als Garanten für die Wahrheit  des von ihnen vorgetragenen  Stücks Gattungsgeschichte.  
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Es wurden den Musen Altäre errichtet, Bilder der Musen aufgestellt und der Hain, das museion, wurde zum Versammlungs- und Festplatz vornehmlich von Künstlern, dann auch zur Sammelstelle für Weihegaben und Opfer.                               .

Als Beschützerinnen der  Künste und des Geistigen wurden die Musen später zu Schutzpatroninnen von Schulen,  Gymnasien, philosophischen Akademien, wie z. B. der platonischen  Akademie und liehen ihren Namen dem alexandrinischen Museion, einer Stätte der Gelehrsamkeit, das seither oft fälschlicherweise als ,erstes Museum der Geschichte' bezeichnet  wird. Aus dem museion als mythischem, vage lokalisierbaren Naturraum wird allmählich eine Topografie der institutionellen Wissenschaft.

"Keine bessere Gelegenheit findet man nun zu dieser fast mit himmlischer Lust ver­knüpften Betrachtung der Natur, als in Museis oder solchen Orten, welche ausdrücklich dazu an einer bequemen und einsamen Stelle angeordnet sind, wo selbst man gleichsam  alle unnütze Geschäfte und weltlichen Rumor verläst, dagegen aber seine Sinnen und Gedanken zusammen ruft, und einzig und allein zur Ehre Gottes in der Betrachtung aller seiner Wunder anwendet. Hier sitzt er [der Forscher; G. F.] also ausgeschlossen und umgeben mit herrlichen, raren, wunderbaren und fremden Sachen, über deren Anschauung seine leiblichen Augen in angenehme Ergätzung und Fröhlichkeit gerathen."

So  beschreibt Neickelius Anfang  des 16. Jahrhunderts die  Freuden  des  solipsis­tischen  Gelehrten in seinem privaten  Refugium. Es ist das 16. Jahrhundert, das, zu­ erst in Italien, das museion wiederentdeckte, und zwar als privaten, in das Haus, das Schloß, den Palast integrierten Ort des Studiums und des Sammelns.

Das musaeum des 16. Jahrhunderts rekonstruiert ,klassisches' Wissen, den ,antiken Text' und  sammelt  dafür  Material, nun aber nicht nur schriftliche Überlieferungen, also Manuskripte oder Inschriften, sondern Gegenstände, wie Kleinplastiken, Münzen, Naturobjekte, Mineralien, Pflanzen und Tiere - das Präparieren und Konservieren wird im 16. Jahrhundert zu einer Basistechnik von Musealisierung. Das Museum ist ein gleichsam  archäologisches Unternehmen, in dem  durch  Sammeln, Vergleichen und Ordnen  von Material ein ,Text' gebildet werden kann.

Der Begriff Museum strukturiert Praktiken des zwischen Privatheit und Öffentlichkeit changierenden Umgangs mit Wissen im Kontext sozialer Bestimmungen wie ,Prestige', ,Wissen',  ,Wahrnehmung', ,Klassifikation' und ist zugleich humanistisch und enzyklopädisch. Die Welt ist im Museumsraum exemplarisch und geordnet präsent. Das musaeum wird vor allem ein Lokalisationsprinzip, eine Definition von Orten, an denen  Lernen stattfinden kann.

Einerseits ist das Museum, wie das Zitat von Neickelius zeigt, ein kontemplativer Ort, an dem - vom lärmenden Treiben des Alltags fern -, gleichsam mönchische Arkanpraktiken des Wissenserwerbes und der Wissenspflege ihren Platz haben. Andrerseits sprengt das Enzyklopädische des Museums den Raum der Gelehrtenstube. ln der Reformation und Gegenreformation, auch durch die dadurch  ausgelösten politischen Katastrophen und durch die das Weltbild sprengenden Expeditionen und Entdeckungen gerät das  arkanhafte, private  Sammeln in eine Krise. Die Integration exotischer Fundstücke in das Sammeln sprengt die herkömmlichen Museumsordnungen. Das Sammeln spiegelt nun, ab dem 17. Jahrhundert, eine alogischere, pluralistischere Weit wieder. Die instrumentelle und pädagogische Bedeutung von Sammlungen zieht Publikum auf sich und es entwickelt  sich das Museum über das Private hinaus zum sozial und kulturell zweckgerichteten Ort.

Zum qualitativ Neuen der zu Ende des 18. Jahrhunderts etablierten Museumsidee gehört erstens die Ausdehnung der Publizität des Museums zum radikaldemokratischen  Anspruch, uneingeschränkt jedermann das Museum als Ort  der Erfahrung von Geschichte zugänglich zu halten. Und zweitens: die Historisierung der Sammlung und ihrer  Wahrnehmung.

Das Museum wird zum Gang durch die Zeit, durch die Geschichte. So wurde bei dem erwähnten Berliner Museum erstmals eine historisch-chronologische und nach Schulen gegliederte Disposition der  Sammlung vorgenommen. Die sorgfältig überlegte Hängung  sollte das Vergleichen möglich und die historische Anordnung  - auch unerstützt mit didaktischen Hilfsmitteln -, erfahrbar machen.

Die Abtrennung des Museumsortes von der ,übrigen Welt', als einem Ort, an dem die Dinge gleichzeitig sind, konstituiert Geschichte. Das Museum wird im 19. Jahrhundert in diesem Sinn ein Ort der unendlichen Akkumulation, in der "die Zeit nicht aufhört, sich auf den Gipfel ihrer selbst zu stapeln und zu drängen, während im 17. Jahrhundert und noch bis zum Ende des 18. Jahrhunderts die Museen (...) Ausdruck einer individuellen Wahl waren.“

Die Idee, im Prinzip unvereinbare Zeiten und Räume, unvereinbare Stile und Epochen, unvereinbare Objekte an einem Ort zusammenzubringen, ist von der Idee beherrscht, die Zeit selbst aufzuheben, die Dinge, die Massen des Ererbten vor der Zeit selbst in Sicherheit zu bringen.

In diesen Dienst stellt sich eine museale Archäologie, die das mit den Toten bestattete Erbe, die selbst unsere Vorfahren aus den Gräbern holen wird, in diesen Dienst stellen sich die Raub- und Beutezüge der Moderne, die die Akkumulation musealer Sammlungen erst ermöglichen.

Das Selbstbild, das Museen von ihrer Entstehung und Entwicklung als Sammlung haben, ist das eines friedlichen und stetigen, gleichsam natürlichen Wachstums. Eine lange Geschichte glücklicher Funde, der Sammlerleidenschaft, von Geschick urid List begnadeter Persönlichkeiten, die mit Instinkt und Reaktionsvermögen, das Erbe mehrten.
Bei näherem Hinsehen erweist sich dieses Wachstum als Geschichte gewaltförmiger und widerrechtlicher An- und Enteignungen: vom Bildersturm und Bilderraub  der französischen Revolution bis zur Arisierung der NS-Zeit, von der Säkularisation, aus deren profaniertem Strandgut bedeutende europäische Museumsgründungen hervorgegangen sind bis zu den jüngsten Plünderungen des Irak in Kuweit, von den Expeditionen und Jagdkampagnen der Naturhistorischen Museen bis zur mit Zwang durchgesetzten und als freiwillige Schenkungen verbrämten Ablieferung von Kunstwerken und Kulturgütern der kolonisierten Länder an die Staaten Europas und Nordamerikas reicht die lange Kette widerrechtlicher und gewalttätiger Enteignung.

Auch die friedlicheren Prozesse der Vermehrung des Museumsgutes erweisen sich bei näherem Hinsehen mit Gewalt verbunden. Die bürgerliche Museumsidee ist eng mit einer reaktiven und kompensativen Bewegung verknüpft.

Ein sich beschleunigender zivilisatorischer Wandel läßt immer mehr Gegenstände immer rascher veralten. Diese Gegenstandsmassen werden nun weder auf Müllhalden geworfen, noch dem natürlichen Verfall noch der Zerstörung überlassen, sondern ziehen - als geschichtliches Gut oder als ästhetisch faszinierende Überreste - in immer neue Museen ein.                                                      ·

In der Schweiz etwa, einem Land mit der relativ größten Museumsdichte Europas
(nach Liechtenstein) wird derzeit durchschnittlich in jedem Monat ein neues Museum gegründet.

Die Masse der toten Arbeit vermehrt sich also mit unglaublicher Rasanz und der Widerspruch zwischen dieser Masse an toter Arbeit und der lebendigen Arbeit wird im­ mer schärfer.

Mit anderen Worten: die Möglichkeit, diese in Schausammlungen, Depots, Lagern
und Kellern, Tiefspeichern und Studiensammlungen aufgehäuften Mengen an Dingen durch wissenschaftliche oder pädagogische Arbeit wieder zum Leben zu erwecken, wird immer unwahrscheinlicher und immer vergeblicher.

Für die wohl meisten Museen gilt ja, daß vor allem die wissenschaftliche Arbeit in quantitativer  Hinsicht immer weiter hinter dem Sammeln, dem schieren Anhäufen, dem Horten hinterherhinkt. ln einem Prüfbericht des Rechnungshofes zu den Wiener
Bundesmuseen z. B. finden sich eindrucksvolle Zahlen dazu. So ist am Naturhistorischen Museum in Wien nicht einmal mehr die wissenschaftliche lnventarisierung möglich, wenn allein in der anthropologischen Sammlung jährlich 4000 Skelettreste anfallen.

Wenn aus lebendiger menschlicher Arbeit tote, verdinglichte Arbeit wird, so ist das ein Enteignungsprozeß. Die, die einen Gegenstand hergestellt, bearbeitet, benutzt und genossen haben werden vom Produkt ihrer Arbeit getrennt.

Musealisierung  ist ein solcher Enteignungsprozeß. Und er findet längst nicht mehr nur im und durch das Museum statt. Die Metapher von der Weit als Museum, die in den letzten Jahren in Umlauf gebracht wurde, beschreibt das Platzen des Museums. Die Obsession,  immer größere Lebensbereiche,  ganze Naturbezirke und Stadtgelände, Ensembles von Monumenten oder sogar vom Verschwinden bedrohte Arbeits­ und Lebensweisen bewahren zu wollen, ist die scheinbar grenzen- und widerstandslose Ausdehnung der Idee des Museums als Ort des Zeitstillstandes auf die ganze Welt.

Noch einmal: die Masse der toten Arbeit wächst beständig. Die Chancen, sie wieder in lebendige zurückzuverwandeln, schwindet aber nicht nur mit ihrer Massenhaftigkeit. Tote Arbeit übt Macht aus. Gegen die immens langfristigen Bewegungen ihrer Anhäufung scheinen die kurzen Zeit- und Lebensspannen, derer, die ihr gegenüberstehen ohnmächtig.

Zudem: Die Spezialisten im Umgang mit toter Arbeit wurden und werden enteignet. Und gerade die, die Herrschaft über tote Arbeit ausüben - die Kustoden, die Museumspolitiker und -verwalter -, verstehen nicht, oder nicht immer, mit ihr umzugehen. Ein Beispiel sind etwa industriehistorische Museen, die Arbeiter einstellen, um Maschinen zu warten, in Gang zu setzen und sie Besuchern zu erläutern.

Museen, die in der Verfügung derer stehen, deren Erinnerung sie enthalten, sind die seltenste Ausnahme. Bei der Mehrzahl der Museen werden die Produzenten von ihren Produkten und Produktionsmitteln durch Musealisierung getrennt und sie werden selbst zu Museumspublikum. Zu Konsumenten ihrer eigenen Vergangenheit, die ihnen als verwissenschaftlichte, erzählte und strukturierte Vergangenheit noch einmal enteignet  wird - unter einem fremdbestimmten Zugriff auf den sie keinen Einfluß haben. Tote Arbeit kann für ihre Produzenten selbst zum Mittel der Unterdrückung werden.

Wo aber jeder lebendige Umgang mit der Hinterlassenschaft fehlt oder versagt, bildet sich eine unheimliche Gegenständlichkeit aus der noch der letzte Rest an Erinnerung an vergangene Arbeit und Geschichte gewichen ist.

Es entsteht massenhaft "Verdinglichung" und das "bedeutet, menschliche Phänomene aufzufassen, als ob sie Dinge wären", was bedeutet, "daß der Mensch fähig ist, seine eigene Urheberschaft der humanen Weit zu vergessen, und [...] daß die Dialektik zwischen dem menschlichen Produzenten und seinen Produkten für das Bewußtsein verloren ist." Wo solche unheimliche Gegenständlichkeit in die öffentlich zugänglichen Schausäle einwandert, bildet sich immerhin noch die Erfahrung von Fremdheit, Andersartigkeit, von Alterität, das Museum kann zu einer Schule des Befremdens werden, in der inoffizielle Hinsichten, Blickweisen eingeübt werden könnten. Doch diese neue Diskussion über das Museum als Schule des Befremdens (Sloterdijk)  und Ort der Alteritätserfahrung (Waldenfels) sieht im Museum nur noch den Ort der spielerischen Einübung in das Befremden und benützt die durch Musealisierung erzwungen Distanz nicht mehr zur Kritik von Musealität und ihrem Zustandekommen.


Aber das Fehlen von eigensinniger, kritischer und lebendiger Arbeit oder ihre Ohnmacht angesichts der Menge und Last der Überlieferung erzeugen Realitätsverlust. Denn nur dann ist tote Arbeit tot, wenn sie nicht mehr in Beziehung zu setzen ist zu lebendiger Arbeit, denn nur diese Beziehung konstituiert Realität. Das Glück, die Erfahrung, der Genuß liegen nicht in den Dingen, sondern in den Beziehungen zu ihnen und an die Beziehungen, an die uns die Dinge erinnern.

Vermittlungsarbeit, die sich etwa unter der Prämisse der Objektvermittlung glaubt in den Dienst ,der Sache', d. h. auch: des Museums als Agentur des Erbes als stellen zu müssen, begnügt sich damit, mit den Resultaten von Musealisierung und mit institutionellen Sachzwängen unter Würdigungs- und Anerkennungspflicht zu operieren. Vermittler sind dann bloß Erbstauhelfer und Besichtigungsministranten.

Daher: Raus aus dem Museum!