Montag, 18. Februar 2019

Der Korridor des Staunens im Wiener Weltmuseum



Als jüngsten Ausstellungsteil hat das Weltmuseum eben einen "Korridor des Staunens" eröffnet. Etwa achthundert Objekte sind in drei Räumen unter drei thematischen Stichworten ausgestellt. Menschenbilder, Musikinstrumente, Die Welt im Kleinen, womit Modelle vorwiegend von Behausungen und Booten gemeint sind.
Es gibt knapp gehaltene Raumtexte, keine Objektbeschriftung. Kurzum, es handelt sich um ein Schaudepot.
Das soll einladen zum Staunen, zum Verweilen, zum Sich-Verlieren in der Vielfalt der Sammlung.

Ich fand diesen Korridor des Staunens eher enttäuschend. Das liegt an den sehr kühlen Räumen, an der Nüchternheit der weißen Wände, der Sterilität der Vitrinen. Die "pragmatische Lagerung" stehe hier im Vordergrund, liest man in einem der Raumtexte. Ist "Lagerung" ein Thema, das (in dieser Form) ein Publikum interessieren muß?

Es wird etwas verschärft, was in Teilen der Daueraussetllung schon ein Problem ist: ethnologische Objekte entziehen sich, versammelt und gezeigt in Europa unter den Bedingungen europäischer Museumskultur, weitgehend unserem Verständnis. Selbst dort wo es Erläuterungen durch Texte, Interviews, Medien gibt. Ganz mit ihnen allein gelassen, geben die Objekte wenig, oft nahezu nichts her und auch die Konfrontation von Unterschiedlichem hilft uns nicht - es bleibt rätselhaft wie eine Gleichung mit zwei Unbekannten.

Vielleicht hätte ein feinmaschigeres Netz inhaltlich motivierter Gruppiereungen mehr ergeben, so wie man es etwa in der (aus dem 19.jahrhundert stammenden) Sammlungsordnung des Oxforder Pitt Rivers Museum vorfindet: Objekte, die im Fliegen Geräusche erzeugen...

Da kann vielleicht noch etwas kommen, es gibt leere Vitrinen, in denen mal etwas über Forschungen zu sehen sein wird, Freiraum auch für Experimentelles und Mikroausstellungen bleibt oder für Neuerwerbungen.



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