Dienstag, 9. Juli 2019

Über die angebliche Überlegenheit westlicher ethnologischer Museen über die fehlenden Standards afrikanischer Museen

Zu den am häufigsten vorgebrachten Vorbehalten gegenüber der Restitution ethnologischer Sammlungsbestände gehört, daß namentlich afrikanische Museen den Objekten nicht jenen Schutz bieten könnten, der nötig ist, um sie dauerhaft zu bewahren. Während das für europäische Museen fraglos gelte.
In der Süddeutschen Zeitung vom 9.Juli widerlegt Jörg Häntzschel diese Behauptung, indem er das Argument an deutschen ethnologischen Museen überprüft. Deren Depots, Archivierungspraktiken und Inventarisierung erweist sich als erstaunlich desolat. Häntzschel stützt sich auf offenbar recht freimütig gegebene Auskünfte von Direktoren und Kuratoren namhafter Museen.
Fehlender Brandschutz, desolate Klimaanlagen, schädigende Umweltbedingungen gefährden das Deponierte. Noch erstaunlicher ist, daß die meisten befragten Museen nicht nur keine vollständigen Inventare haben, sondern nicht mal den Umfang ihrer Sammlungen kennen, unter anderem weil im Zweiten Weltkrieg erlittene Verluste bislang gar nicht erfasst wurden. In so manchem Museum lagern Bestände aus Grabungen und ampangen, die nie bearbeitet wurden. Ihr Umfang überfordert die Museen.
Technische Modernisierung der Inventarisierung schleppt meist die alten Defizite mit und verbessert nichts, für viele Objekte ist der Standort nicht mehr eruierbar und der Schwund ist beträchtlich.
Die Hoffnung, daß sich das mit mehr Personal schon noch aufholen und bereinigen lasse, wird von Museumsexperten bezweifelt. Es ist nicht nur eine Frage, wie unter diesen Umständen überhaupt Restitution betrieben werden kann, es ist auch die Frage, wie an solchen Museen, die nicht mal über die Grundlagen ihres Objektwissens verfügen Forschung betreiben sollen.
Hier der ganze Artikel.

Freitag, 5. Juli 2019

Wien bekommt mit dem Heidi-Museum ein Privatmuseums-Bermuda-Viereck

Hocherfreut nimmt der Museumskonsument die geplante Errichtung eines Heidi-Horten-Museums gegenüber dem Helmut-Batliner-Klaus-Albrecht-Schröder Museum unter der Leitung von Agnes Husslein-Arco zur Kenntnis und damit die Expansion der Privatsammler im Bermuda-Vierck mit der Haselsteiner-Essl-Sammlung im Künstlerhaus und dem Augenarzt-Leopold-Schatzthaus im Museumsquartier.
Aber wer ist Heidi Horten? Darüber gab schon mal im Vorjahr Matthias Dusini im Falter ausführlich Auskunft und er hat seinen Artikel nun wieder online gestellt. (Hier)
Die Diskussion "Wieviel Kunstmuseen braucht Wien" wird in die Verlängerung gehen. und vielleicht gibts ja auch mal eine Diskussion über die Privatisierung der Museen.

Dienstag, 2. Juli 2019

Was hat Vorrang, Bild oder Text (Sokratische Fragen 43)



Ich lese in einer Ausstellungsrezension: 
"Die Eisenacher Ausstellung muss gelesen werden. 
Wer nur die Bilder anschaut, erfährt nichts."
Was hat beim Ausstellen den Vorrang: Bild oder Text?

Freitag, 21. Juni 2019

Quote, Nachdenken über

Ich halte Theater für notwendig, so wie ich ein Schwimmbad für notwendig halte, das von der Stadt betrieben wird. Oder wie die Bücherhallen. Es muss sie geben, und sie müssen gut sein. Das Schwimmbad muss gut und sauber sein, es muss aber nicht immer voll sein. Im Gegenteil, ein Schwimmbad, das von uns Steuerzahlern bezahlt wird, ist manchmal besonders schön, wenn es leer ist. 
Der Schauspieler und Träger des iffland-Rungs Jens Harzer

Samstag, 8. Juni 2019

Museum/Medium/Vermittlung (Sokratische Fragen 42)

Wenn das Museum Medium ist, ein aus vielen Medien zusammengesetztes Medium, wenn es also "Mittler" ist: Warum braucht es dann noch Vermittlung als eigenen Beruf, als spezielle Rolle, als besondere Funktion?

Freitag, 7. Juni 2019

Dinieren im Museum (Seitensprünge 14)


Leerstand. Das Humboldt-Forum wird vielleicht in einem leeren Schloß eröffnet werden

Und das bei der Wohnungsnot in Berlin - Ein leeres Schloß mit hunderten leeren Zimmern
Als ich vor vielen Jahren zum letzten Mal in Berlin war, befand sich an der Stelle, an der das Schloß wiedererrichtet werden sollte, noch ein riesiger Rasen. Menschen lagen in der Sonne, Fahrradfahrer querten gemächlich das Brachland.
Wunderbar dachte ich - eine Stadt mit einer Leerstelle in der Mitte. Was könnte hier nicht alles performativ entstehen! Statt einer definitiven Bebauung eine performatives Stadtzentrum, mit wechselnden Akteuren, wechselnden Themen, wechselnden Medien.
Klar war da schon, so bleibt es nicht. Und so wurde geradezu fatalistisch der Bau hochgezogen, obwohl man noch keine Idee für eine Nutzung hatte aber eine Art riesiger Kulisse, bisschen historisch-rekonstruktiv, bisschen modern-monumental.
Das Nachdenken über das, was in dem Schloß eigentlich stattfinden sollte, brachte viel Ratlosigkeit, viele einander abwechselnde und sich kannibalisierende Ideen und Konzepte und schließlich einen heißen öffentlichen Konflikt um den Umgang mit ethnologischem Raubgut, der bis heute anhält.

Jetzt soll alles eröffnet werden. Und siehe da - ich bekomme vielleicht meine leere Mitte wieder. Zeitungen berichten, daß die Eröffnungsausstellung wegen technischer Probleme und daraus resultierenden Absagen wichtiger Leihgaben nicht stattfinden wird. Das wird zwar dementiert, aber es könnte so kommen, daß man ein leeres Haus eröffnen muß - und vielleicht, in der Not auch will.
Was für eine Chance! Ich würde sofort in den leeren Räumen Sofas, Fauteuils, Hängematten, Teppiche, Polsterlandschaften zum Liegen installieren und tausend Diskussionsblumen blühen lassen, sagen wir mal hundert Tage lang in zehn Räumen zehn Debatten (auch vor dem Haus, klar, in der Stadt, warum nicht...).
Wird es nicht geben, klar. Ich spinne bloß ein bisschen.
Dabei sind Museen "schon immer" (auch) "leere Mitten" gewesen. Orte des Sich-Sammelns eng verwoben mit dem (Ver)Sammeln (der Dinge) und die Museumsarchitektur hat immer wieder, von Schinkel bis Hollein, von Semper bis Sterling, von Soane bis Piano solche Räume bereitgestellt. Von Sammlungsobjekten fast oder ganz leergehaltene empfangende überdeterminiert ausgestattete meist runde, überkuppelte Architekturen. Gedacht für jenes seltsame "Ding", um das sich Gemeinschaften, Gesellschaften, Besucher zusammen-finden (B. Latour) und mit dem und an dem sie sich auseinandersetzen, als Öffentlichkeit.
Wird es nicht geben. Ich weiß. Stattdessen irgendetwas gegen die Peinlichkeit der Leere. Und gegen die Peinlichkeit der immer noch anhaltenden Konzeptlosigkeit, von der die Berliner Zeitungen von gestern und heute (und nicht zum erstenmal und nicht zum letzten Mal) übel gelaunt sprechen.

PS.: Wenige Tage nach den Meldungen wurde die Verschiebung der Eröffnung auf 2020 bekanntgegeben. Begründung: Die Klimaanlage wird nicht fertig.

Ist da was? (Sokratische Fragen 41)



Wie bringen Museen in Erfahrung (wenn sie das überhaupt wissen wollen), wie sich ihr Publikum verändert? Das Milieu, in dem sich Museen positionieren und auf das sie sich beziehen?

Und: Müssen oder sollten Museen das überhaupt wissen?

Dienstag, 4. Juni 2019

Allesliebezumvatertag oder: Einmal Aufklärung - Marketing und nie wieder zurück


"Täuscht euch nicht, Mitbürger, das Museum ist keine oberflächliche Ansammlung von Luxusgegenständen oder Frivolitäten, die nur der Befrie¬digung der Neugier dienen sollen. Es muß eine Ehrfurcht bietende Schule werden. Die Lehrer werden ihre jungen Schüler hinführen; der Vater seinen Sohn. Der Jüngling wird beim Anblick der Werke des Genies in sich das Gebiet der Kunst oder Wissenschaft lebendig werden fühlen, zudem ihn die Natur berufen hat." Jacques-Louis David 1794 in einer Rede vor dem Nationalkonvent über die Arbeit der Museumskommission.

Ingresso gratuito (Entrée 156)


Sistema museale (Entrée 155)


Sonntag, 26. Mai 2019

Ieoh Ming Pei und seine Louvre-Pyramide. Auch ein Nachruf



Kein Nachruf auf den im Alter von 102 Jahren verstorbenen Architekten Ieoh Ming Pei verzichtete auf die Erwähnung seines bekanntesten Bauwerkes: die Louvre-Pyramide. Sie erst hat dem schon damals meistbesuchten und weltweit bekanntesten Museum ein unverwechselbares identifizierendes Zeichen gegeben. Denn bis dahin war das über Jahrhunderte riesige Konglomerat von Bauten, das nur zum Teil als Museum aber ansonst für Ministerien genutzt wurde, nicht als Museum ausgewiesen. Als Schloß der Französischen Könige errichtet und diversen späteren Monarchen mit Erweiterungsbauten des 19.Jahrhunderts dienend, war ja nichts an dem Komplex für museale Nutzung gedacht.
Der quantitativ weit größere und funktional wichtigere Teil des von Pei geplanten Louvre wurde unterirdisch errichtet, als Erschließung des weitverzweigten Museums, das dem immer weiter wachsenden Massenpublikum gewachsen war. Hätte man sich damit begnügt, die gewaltige baulich-funktionale Erweiterung wäre unsichtbar geblieben.
Die Pyramide setzte ein unverwechselbares Zeichen, mit dem ab da an der Louvre identifiziert werden und als einzigartig kommuniziert werden könnte. Das ist die eine große Leistung des Architekten, die andere, daß er sich unter verschiedenen geometrischen Formen schließlich für die Pyramide als oberirdisches Bauwerk entschloß und dabei eine proportionale Balance von Pyramide und umgebenden Bauwerken zustande brachte. Gegenüber den zur Wahl stehenden Formen Kubus und Zylinder hatte die Pyramide den Vorteil die verschiedenen Sichtbeziehungen am geringsten zu beinträchtigen. Allerdings schleppt die Pyramide eine mehrtausendjährige Symbolik mit. Die des herrscherlichen Grabes, also eine Symbolik, die für ein Museum prekär sein kann. Denn, wie Theodor W. Adorno bemerkte, ist die phonetische Assoziation von Museum und Mausoleum sehr naheliegend. Auch in der Alltagssprache schleppt „museal“ Assoziationen von „rettungslos vergangen, überholt, tot“ mit sich.
Pei hat sich stets vehement gegen diese Assoziation gewehrt, auf die Vorbildlichkeit der Gartenarchitektur des 18.Jahrhunderts verwiesen, vor allem aber auf die transparente Glaskonstruktion, die bei bestimmten Lichtverhältnissen, eine Entmaterialisierung bewirkt und das zentrale Gebäude zur Lichterscheinung macht. Aber unsere tiefe kulturelle Prägung einer nie unterbrochen Formerinnung haftet nun mal bei einer Pyramide am identitätspolitischen Monumentalbau der ägyptischen Pharaonen und die Proportionen hat Pei denn auch der Cheopspyramide entnommen.
Das postmoderne Spiel Peis, mit der er die Symbolik der Pyramide relativiert, übersieht man leicht. Die kleinen, um die zentrale herum gelegenen Trabantenpyramiden nimmt man wie Gadgets wahr und kaum als ironische Repliken. Aber es gibt eine weitere große Pyramide. Die liegt von der nach außen sichtbaren so weit entfernt und unterirdisch, so daß ihre „Verkehrung“ – sie „hängt“ von der Decke herab -, nicht sofort als etwas erkennbar wird, das die große sichtbare Pyramide kontaminiert und kommentiert.
An der Wegkreuzung, wo der Zugang von der U-Bahn her in die sogenannte „Galerie“ einbiegt finden wir eine, außen nicht sichtbare auf die Spitze gestellte Pyramide, die den Boden nicht berührt sondern über einer kleinen Spielzeug-Pyramide schwebt. Das nun ist ein weiteres postmodernes Spiel: Die Waren-Longue wie einen musealen Ausstellungsraum „Galerie“ zu nennen, also mit der, gerade in Paris mit seinen Passagen naheliegenden Doppeldeutigkeit des Wortes zu spielen. Diese von ausgesucht, dem Status des Louvre angemessenen Labels bespielte Galerie bildet architektonisch gleichberechtigt mit den drei weiteren, zu den Sammlungen führenden Wegen, das riesige Achsenkreuz über deren Knoten, der Empfangshalle, die Pyramide schwebt.
Außerdem: Die Pyramide, die den Louvre repräsentiert, hat mit der ägyptischen kaum etwas zu tun. Die abweisende steinerne Massivität ist ganz in Transparenz und Licht aufgelöst und die für den Totenkultbau erwünschte Unzugänglichkeit wird hier transformiert – ausgerechnet in einen Eingangsbau. Hier liegen aber auch einige bemerkenswerten Unstimmigkeiten der Idee. Für das breite Portal muß die symmetrische Stereometrie gleichsam „beschädigt“ und ein Einbau mit senkrechten Wänden eingezogen werden, die öffnende Türen ermöglicht. Seither sorgen die dort unmittelbar hinter dem Eingang platzierte Sicherheitskontrolle für jenes Nadelöhr, das für extrem lange Schlangen und für einen Stau sorgt, der sich gleich noch mal wiederholt, weil die Rolltreppen, die nach unten in die große Halle führen, viel zu schmal bemessen sind.
Diese ganze Eingangssituation habe ich immer als architektonisch unzulänglich empfunden. Denn wohin kommt man eigentlich, wenn man die gläserne Pyramide betritt? Ein durchgehender Fußboden hätte sie zum isolierten Raum gemacht, ohne jede Wirkung nach unten in den empfangenden Bedeutungsraum, den jedes große Museum hat und braucht. Ein völliges Öffnen ist nicht denkbar, weil dann überhaupt kein Platz mehr für das Sammeln und Verteilen des Publikums vorhanden wäre. Also hat Pei sich für eine strikt geometrische Lösung entschieden, und aus dem Quadrat des Pyramidengrundrisses nur ein Viertel als Plattform gestaltet, von wo aus man in die Tiefe blicken kann und mit Stempellift und den erwähnten Rolltreppen nach unten gelangt.
Erst so wird die Pyramide nicht zum bloßen Dach, sondern zu einer Art monumentaler Vitrine, die sich über das Museum stülpt.
Der Zugang, der durch sie hindurch und dann nach unten auf das Niveau der erschließenden Räume führt, war mal repräsentativer gedacht, als er jetzt ist. Denn an der Spitze jenes Dreiecks, das die Plattform bildet, hätte die Nike von Samothrake stehen sollen. Warum die Vorrichtung, an der sie wie ein Denkmal hätte befestigt werden sollen, unschön stehengeblieben ist, ist eins der Rätsel dieser unausgegoren wirkenden Anlage.
Pei hat angeblich, bei der National Gallery in Washington, als erster Rolltreppen in einem Museum verwendet. Die eigentümliche Bewegungsweise von Stehen und passiv Bewegtwerden, reüssierte davor bei Warenhäusern, wo diese neue Erfindung das window shopping mit dem Flanieren verband.
Aber das Museum als Warenhaus? Das ist noch eine andere museumskritische Metapher, neben der des Mausoleums und Peis Architektur gibt beidem Nahrung.
Die gewaltige Halle, in die man hinunterschwebt, ist eine akustisch unzulängliche (in weiten Teilen kann man sich kaum miteinander unterhalten, schon gar nicht in Gruppen) autoritäre und kalte Architektur, austauschbar mit Abflughallen oder Lobbys von Großkonzernen. Wir begegnen hier keinem einzigen Kunstwerk.
Der mittige Pfeiler, der die Eingangsebene trägt, wirkt unterdimensioniert und belanglos, obgleich er an einem überdeterminierten Punkt steht. Nämlich genau im Zentrum jener architektonischen und symbolischen Achsen, die oberirdisch bis La Defense reichen (über 10 Kilometer weit) und so etwas wie das Rückgrat der Stadt Paris bilden und den Louvre in der Stadt und in ihrer Geschichte verankern.
Wie die Belanglosigkeit der Stützkonstruktion zeigt, konnte Pei mit diesem Zentrum der gesamten Anlage nicht so viel anfangen, um so mehr der auftraggebende Präsident Mitterand, der Pei auswählte und seine Pläne gegen Widerstände durchsetzte. Er ließ an diesem Pfeiler seine Widmungsinschrift als Bauherr anbringen. Einer seiner zeitgenössischen Spitznamen lautete: Mitterramses.

Freitag, 24. Mai 2019

Ein Museum: Permafrostmuseum Yakutsk

"Complex of Regional Studies "Permafrost Museum" was opened in 1991. It includes the History Section, the Nature section and properly the unique Museum in permafrost, which was founded by the Permafrost Research Station in 1965 (In Yakutsk). Since 1930 the underground rooms were used by scientists as a laboratory for the studying of the permafrost's properties. The permafrost itself is the main exhibits in the underground rooms and passages at a depth of 8-10 m., as well as trees 24.500 years old, relic ice from the "Ice Mountain" 50.000 years old etc. Also Museum includes the Section of the history of the Salekhard-Ygarka-railway, which was built upon the Stalin's order and was neglected in 1953 ( "Dead Railway"); expositionz about repressiont and exiles? about creativity of writer Astafiev." 




"Russian Yakutsk has become source of viral photos on the internet due to how winters are cold there. It’s a land where everything is frozen, and to tourists one of the most cool places to visit in Yakutsk, Russia, is a amazing museum of permafrost in the drilled tunnel back from 1989 for storage of foodstuffs. The tunnel wasn’t used for anything for a couple of years however one travel agency decided to buy it in 2008. and make a lucrative and cool business out of it. So today, welcome to the tunnel of Permafrost vault where the temperature of -10°c is maintained all the time. When you enter inside you will see walls and literally all object covered with frost, with ice spikes penetrating from the ground and where all bar chairs and tables are made of permafrost ice. Your kids will love it, because witty travel agency says Russia Santa lives here (Morozko/Mraz) so everything is decorated in a way a Santa would like it, Christmasy and below freezing point. For adults there are vodka shots served in glasses made of ice and you can see a museum inside where some diamonds are shown too."





Montag, 6. Mai 2019

#wirgehenleeraus - MitarbeiterInnen der Bundesmuseen fordern bessere Arbeitsbedingungen und einen Kollektivvertrag

Passend zum 1.Mai berichtete der Standard, daß sich MitarbeiterInnen der Bundesmuseen gegen schlechte Arbeitsbedingungen und "und geringe Stundenlöhne ab 6,50 Euro" organisiert haben: #wirgehenleeraus.

Hier die Adresse, unter der sich die MitarbeiterInnen sammeln: http://www.wirgehenleeraus.at/

Seitensprünge 12: Jahrgangspräsentation für die Arbeiterklasse

Vermutlich inspiriert von Bertold brecht:

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Seitensprünge 11: Picknick im Freilicht


Seitensprünge 10: Wenn sich das Museum selber nichts zutraut...


Die kürzeste Ausstellungsrezension der Welt: Leben mit der Grenze im Museum für Geschichte des Universalmuseum Joanneum

Das sieht aus wie ein Schülerprojekt einer siebenten Schulstufe AHS.
Ein als Kurator und Historiker erfahrener Begleiter in der Ausstellung 100 Jahre Grenze III: 1946–2018. Leben mit der Grenze

Mittwoch, 24. April 2019

Warum geht man ins Museum? II (Sokratische Fragen 40)



Warum geht man ins Museum (Mehrfachnennungen möglich)


... Weil es dort nicht regnet

... Weil man etwas lernt

... Weil man nichts besseres zu tun hat

... Weil es so ruhig ist und einen niemend belästigt

... Weil man jemanden kennenlernen will

... Weil man erwartet, sich zu verändern

... Weil man seinen sozialen Status aufrechterhalten und zeigen will

... Weil man alleine sein will

... Weil es dort ein ausgezeichnetes Cafe gibt

... Weil es etwas Unerwartetes zu sehen gibt

... Weil man sich vergessen will

... Weil einen jemnd dazu überredet hat

... Weil man etwas Schönes sehen will

... Weil man sich überraschen lassen will

... Weil man etwas aus der Geschichte lernen will

... Weil man originale Dinge sehen will

... Weil man sich in vergangene Zeiten zurückversetzen will

... Weil man an etwas teilhaben will

... Weil man nichts konsumieren muß

... Weil man Meisterwerken begegnen möchte

... Weil man so Vieles erklärt bekommt

... Weil einen die großartige Architektur beeindruckt

... Weil man die entrückte Atmosphäre mag

... Weil ...

Warum geht man ins Museum I (Sokratische Fragen 39)




Warum geht man ins Museum?

Warum geht man ins Heimatmuseum?

Warum geht man ins Stadtmuseum?

Warum geht man ins Panzermuseum?

Warum geht man ins Kunstmuseum?

Warum geht man ins Beethoven-Museum?

Warum geht man ins Jüdische Museum?

Warum geht man ins Naturmuseum?

Warum geht man ins Keramikmuseum?

Warum geht man ins Holocaust-Museum?

Warum geht man ins Nationalmuseum?

Warum geht man ins Eisenbahnmuseum?

Warum geht man ins Akpine Museum?

(...)

Montag, 8. April 2019

Pflichtbesuche in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen?


Bertrand Perz (Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien)
Pflichtbesuche in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen?
Die unlängst von Staatssekretärin Karoline Edtstadler getätigte Äußerung, für sie sei „vorstellbar, dass alle Muslime, die nach Österreich kommen, zu einem Besuch in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen verpflichtet werden“,[1] ist zu Recht von mehreren Seiten heftig kritisiert worden, u.a. vom Mauthausen Komitee Österreich, zuletzt von der Vermittler_inneninitiative an der Gedenkstätte Mauthausen-Gusen.[2] Ähnliche Forderungen in Deutschland hat bereits Jens Christian Wagner, Leiter der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen, zurückgewiesen, nicht zuletzt stellten sie Flüchtlinge und Migranten unter Generalverdacht.[3] Weder führten verordnete Besuche von ehemaligen Konzentrationslagern automatisch zu einem besseren Verständnis der NS-Geschichte noch schützten sie vor Judenfeindlichkeit, so Wagner. Zugleich betonte er die Wichtigkeit von Gedenkstättenbesuchen – aber nicht als verpflichtende Kurzführungen für spezifisch definierte Gruppen.
Die Vorstellung verpflichtender Besuche in KZ-Gedenkstätten hat allerdings eine lange Vorgeschichte, wenn auch der Einengung auf eine ganz spezifische Gruppe eher Seltenheitswert zugesprochen werden muss.[4]
Seit KZ-Gedenkstätten ins Zentrum einer Erinnerungskultur gerückt sind, in Österreich ab den 1980er Jahren, wird ihre Funktion vonseiten der Politik oft darin gesehen, eine Art von Crashkurs in Geschichts- und Demokratiebewusstsein zu liefern. Äußerungen dazu lassen sich aus verschiedenen politischen Lagern finden. Manche Politiker bedienen sich dabei zum Teil seuchenhygienischer Metaphorik; Begriffe wie „Schutzimpfung“ und Ähnliches lassen sich finden.
In Bezug auf die Geschichte der KZ-Gedenkstätte Mauthausen ist festzuhalten, dass diese im ersten Jahrzehnt nach ihrer Einrichtung im Jahr 1949 von der österreichischen Gesellschaft mehrheitlich ignoriert wurde. Die Gedenkstätte war vor allem jenen ein Anliegen, die vom Nationalsozialismus verfolgt worden waren oder das KZ Mauthausen selbst überlebt hatten. Neben Verfolgten aus Österreich und ihren Organisationen waren es vor allem Überlebenden-Verbände aus dem Ausland wie aus Frankreich, Polen oder Italien. Erst ab den 1960er Jahren trugen die Bemühungen ehemaliger KZ-Häftlinge, die Zahl der Besuche in Mauthausen zu steigern, erste Früchte. Vermehrt konnten nun auch österreichische Jugendliche motiviert werden, die Gedenkstätte zu besuchen.
Dabei spielten die Schulen eine nicht unwesentliche Rolle. Die Vorstellung, mit Gedenkstättenbesuchen – verstanden als Teil der politischen Bildung und zeitgeschichtlichen Unterweisung –, antidemokratischen Entwicklungen entgegenzuwirken, führte in den österreichischen Schulverwaltungen zu expliziten Empfehlungen, die KZ-Gedenkstätte Mauthausen zu besuchen. Die erste derartige Empfehlung sprach der Wiener Stadtschulrat 1960 aus, bundesweite Aufforderungen benötigten allerdings mehr Zeit. Erst durch die 1973 neu geschaffene Abteilung Politische Bildung im Unterrichtsministerium ergingen Ende der 1970er Jahre entsprechende Erlässe. Es bedurfte dieser Motivierung von Schulen, sich mit dem Thema Nationalsozialismus, den Konzentrationslagern und dem Holocaust auseinanderzusetzen, um hier Veränderungen zu bewirken. Diese zähen Bemühungen zeigten vor dem Hintergrund einer grundlegenden Veränderung der Debatte über das Thema NS-Verbrechen und Judenvernichtung und eines Generationenwechsels zu einer jüngeren kritischeren Lehrer_innen-Generation, die sich hier zu engagieren begann, Wirkung. Als Katalysatoren dienten etwa die 1979 ausgestrahlte US-amerikanische Fernsehserie „Holocaust“ und – in den 1980er Jahren – die Waldheim-Debatte. Für die Gedenkstätte in Mauthausen hatte das eine massive Vermehrung der Besuche durch Heranwachsende zur Folge.
Eine wichtige Voraussetzung dafür war die Einrichtung einer zeithistorischen Ausstellung, die 1970 in Mauthausen eröffnet worden war und der Gedenkstätte neben seiner Friedhofs- und Denkmalsfunktion jene eines Museums und Lernortes hinzufügte. Die Ausstellung verdankte sich, wie schon zuvor die Gedenkstätte selbst, dem enormen Engagement von KZ-Überlebenden, die sich nun auch massiv in die Vermittlungsarbeit einbrachten, in Schulen gingen oder vor Ort persönlich Führungen hielten.
KZ-Gedenkstätten wie Mauthausen spielen so heute in der politischen Bildung insbesondere von Jugendlichen in Ländern wie Deutschland und Österreich eine enorm wichtige Rolle und werden breit angenommen. Etwa die Hälfte der rund 200.000 jährlichen Besucher_innen kommen im Rahmen von Schulbesuchen aus dem In- und Ausland nach Mauthausen.
Bei all diesen Bemühungen waren verpflichtende Besuche der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, für welche Zielgruppe auch immer, vonseiten der Überlebenden wie auch der freiwilligen und der professionellen Geschichtsvermittler_innen kein Thema. Und das aus gutem Grund.
Denn Gedenkstätten als Friedhöfe, Denkmäler und Museen können vieles anregen und anstoßen, können spezifische Diskussions- und Vermittlungsorte sein. Sie sind aber eben kein Instant-Produktionsort „richtigen“ Geschichtsbewusstseins, keine Bewusstseinsschleuse, die Menschen mit autoritärem, antisemitischem oder rassistischem Gedankengut betreten und wenige Stunde später als geläuterte Demokraten verlassen.
Genau das aber ist die Vorstellung, die in der Politik in Bezug auf die Gedenkstätten weiterhin geäußert wird, in den Worten von Staatssekretärin Edtstadler: „Denn wenn man selbst gesehen und gehört hat, welches Leid Antisemitismus erzeugt hat, wird man resistent gegen diese furchtbare Wertehaltung“.
In den KZ-Gedenkstätten werden solche Forderungen mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Nicht in erster Linie deshalb, weil man weiß, dass ein Gedenkstättenbesuch ohne entsprechenden Wertehorizont ganz anderes bewirken kann, als intendiert. So gab es in deutschen Gedenkstätten auch Besuche von Rechtsextremen, die ihren Besuch provokativ mit dem Lernziel verbanden, am Ort der ehemaligen KZs etwas über effiziente Repressionstechniken erfahren zu wollen. Solche Vorfälle sind aber eher selten. Die gemischten Gefühle kommen auch vom Wissen um den äußerst langwierigen Prozess, der mit der Vermittlung von Einstellungen und Wertehaltungen verbunden ist.
Mit einer vehementen Zurückweisung des Ansinnens, Besuche von KZ-Gedenkstätten verpflichtend zu machen, tun sich Gedenkstätten auch aus einem anderen Grund oft schwer. Denn man ist sich bewusst, dass die Erwartungshaltung, solche Besuche wirkten aufklärend, für die Politik einen Teil der Legitimation der Bereitstellung großer finanzieller Mittel für Gedenkstätten darstellt.
Dennoch gibt es aber aus vielen Gedenkstätten eine sehr klare Zurückweisung der Vorstellung von Pflichtbesuchen. So verweist einer der renommiertesten Gedenkstättenleiter in Deutschland, Volkhard Knigge, darauf, dass diese von Jugendlichen als „Aufnötigung“ wahrgenommen würden, was einer Motivierung entgegenstehe. Aber auch ein Blick auf die verpflichtenden Programme, wie sie in der DDR in Bezug auf die Herstellung von Geschichtsbewusstsein üblich waren, macht Knigge mehr als skeptisch.
Generell ist aber auch in Deutschland die Auffassung zweigeteilt. Die Forderungen nach Pflichtbesuchen für diverse Zielgruppen kommen eher aus der Politik, die Zurückweisung des Glaubens an naive Geschichtsbewusstseinsproduktion eher von den Geschichtsvermittler_innen.
Der rezente Vorschlag von Staatssekretärin Edtstadler, antisemitischen Einstellungen unter zugewanderten Muslimen durch verpflichtende Mauthausen-Besuche entgegenzuwirken, weist aber auch noch auf eine weitere Problematik hin, die vielleicht mit mangelnden Kenntnissen der konkreten historischen Geschehnisse in Mauthausen korreliert. Die Fokussierung auf die Judenverfolgung befördert eine in der Öffentlichkeit oft anzutreffende Vorstellung, in den Konzentrationslagern wie Mauthausen seien vorwiegend Juden und Jüdinnen eingesperrt gewesen.
Mauthausen steht als Konzentrationslager aber nicht zentral für den Massenmord an den europäischen Juden, wie das für die deutschen Vernichtungslager in Ostpolen oder für Auschwitz gilt. Im Lagerkomplex Mauthausen wurden – vor allem ab Frühjahr 1944 – viele tausende Juden, vorwiegend aus Ungarn und Polen, ermordet. Aber in Mauthausen starben eben auch viele andere von den Nationalsozialisten als zu vernichtende Feinde definierte Gruppen wie sowjetische Kriegsgefangene, Angehörige nichtjüdischer polnischer Bildungsschichten, französische Widerstandskämpfer, republikanische Spanier oder deutsche Zuchthausinsassen. Und unter den Opfern befanden sich auch Muslime.
Und um nochmal auf die Zielgruppe von Migrant_innen zurückzukommen. Die Frage, was ein notwendiges Wissen über die NS-Verbrechen und den Holocaust im Hinblick auf die Integration von Zuwanderern in unsere Gesellschaften ist, scheint berechtigt. Das gilt aber eben nicht nur für diese. Es bleibt festzuhalten, dass die KZ-Verbrechen und der Massenmord an den europäischen Juden und Jüdinnen in erster Linie von – meist christlich sozialisierten – Deutschen und Österreichern (vorwiegend, aber nicht nur, Männern) begangen wurden, also von Menschen, die aus der Mitte unserer Gesellschaft kamen. Nicht zuletzt deshalb hat sich die „Holocaust-Education“ in den letzten Jahren intensiv mit der Frage beschäftigt, wie man Jugendlichen mit Migrationshintergrund, deren Gesellschaften mit dem Holocaust nur wenig zu tun hatten, das Thema als relevant vermitteln kann. Dazu sind viele gute Konzepte entwickelt worden. Der Pflichtbesuch, der bestimmte Menschengruppen unter ideologischen Generalverdacht stellt, gehört nicht dazu.



[1] BMI Staatsekretariat: Edtstadler: Kampf gegen Antisemitismus wichtiger denn je. Ein Maßnahmenpaket der Bundesregierung wird in den kommenden Wochen ausgearbeitet. Muslime sollten zu Besuch in KZ-Gedenkstätte Mauthausen verpflichtet werden. (https://www.bmi.gv.at/news.aspx?id=446B54332B4344637543413D, Zugriff 5.4.2019)
[2] Edtstadlers Zwangspädagogik. Kommentar der anderen. Offener Brief, 26. März 2019. https://derstandard.at/2000100268109/Edtstadlers-Zwangspaedagogik, Zugriff 30.3.2019
[4] So hat zwar Justizminister Brandstetter 2016 als Folge der äußerst fragwürdig begründeten Einstellung eines Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft Graz gegen die Zeitschrift "Aula", in der in einem Artikel KZ-Häftlinge als "Massenmörder" und "Landplage" bezeichnet worden waren, im Rahmen des Curriculums für Richteramtswärter_innen verpflichtende Besuche der KZ-Gedenkstätte Mauthausen vorgesehen. Allerdings sollten diese Besuche in ein umfangreiches Ausbildungsprogramm eingebettet werden. (https://derstandard.at/2000032745846/Causa-Aula-Brandstetter-zieht-Konsequenzen-bei-Ausbildung, Zugriff 5.4.2019)

Lieblingsbild (Sitzen im Museum)


Donnerstag, 28. März 2019

"Bruch und Kontinuität. Das Schicksal des habsburgischen Erbes nach 1918". Die ziemlich bessere Ausstellung zum Anlaß der Feier der Republikgründung


Eben ist Karl Habsburg, Enkel des letzten Kaisers von Österreich-Ungarn, verurteilt worden. Auf seiner Webseite verwendet er das "von". Das verstößt gegen das 1919 erlassene Habsburgergesetz. 70.- Euro soll ihn das kosten. Er hat gegen das Urteil berufen. Obwohl er nicht in Österreich lebt, fällt ihm jetzt eine Entscheidung auf den Kopf, die sein Großvater 1918 ausgelöst hat.

Die Geldbuße ist ein bizarrer Nachklang eines welthistorischen Ereignisses. Im Zusammenbruch der Monarchie war die Beendigung der Herrschaft der Familie Habsburg unausweichlich. Aber Kaiser Karl wiederrief im letzten Moment, auf dem Weg ins Exil, seine Abdankung. Das provozierte die junge Republik sofort dazu, Gesetze zu erlassen, die nicht nur das Tragen von Adelstiteln verbot, sondern auch Grundlage der Vertreibung der gesamten Familie Habsburg waren.

Wie weitreichend das Gesetz war läßt sich aus seiner Formulierung unschwer erkennen: Der nun im Ausland lebende ehemalige Träger der Krone wurde auf Dauer ins Exil verbannt, auch alle anderen Mitglieder „des Hauses Habsburg-Lothringen“, wenn sie nicht einschlägige Verzichtserklärungen abgaben und sich zur Republik bekannten. Eines dieser sich zur Republik bekennendes Mitglied wird in der Ausstellung nachdrücklich gewürdigt: Erzherzogin Elisabeth, Tochter Rudolfs, in erster Ehe eine Fürstin zu Windisch-Graetz. Durch ihre Ehe mit einem Sozialdemokraten wurde eine einfache Frau Petznek aus ihr, deren Nobilität wie einer List der Geschichte folgend, in der Bezeichnung als "Rote Erzherzogin" dennoch erinnert blieb.



Zugleich mit der Landesverweisung der Habsburger wurde das staatliche, aber in der Verwaltung des kaiserlichen Hofes gestandene hofärarische bewegliche und unbewegliche Vermögen im Staatsgebiet der Republik Deutschösterreich verstaatlicht. Das betraf also auch habsburgischen Familienbesitz mit Ausnahme strikt privaten Eigentums.
Es setzte nun ein politisch-ideologisch, administrativ-rechtlich umfassender und komplizierter Transformationsprozess ein, ein "Erbfall", dessen Komplexität man kaum erahnt. Ihm ist nun eine Ausstellung in jener inzwischen zum Museum (1924) gewordenen Institution gewidmet, die einst viele der monarchischen Mobilien verwahrte und verwaltete und dann, in der Republik, zu einem Ort des Deponierens und der Schaustellung wurde.

Lange Zeit war das Mobiliendepot selbst ein bizarrer Ort, ein Geheimtipp für museologische Connaisseure, ein Ort des halb und halb Vergessens und dennoch untot Überlebens. Ein typisch österreichischer lieu de mémoire - an dem Geschichte weder durchgearbeitet noch definitiv verabschiedet wurde.


Aber dann machte eine tiefgreifende bauliche und ausstellungspolitische Wende (seit 1993) das "Mobiliendepot" zu einem Museum, das teils historisch-dokumentarisch arbeitet, mit der Funktion eines Design-Museums liebäugelt aber auch in der in Teilen der Schausammlung inszenierten ironisch-fingierten Depotsituation, den Pomp und die historische Last des monarchischen Erbes bricht. Mit dem (partiell anachronistischen) Doppelnamen Hofmobiliendepot Möbel Museum Wien hält man sich beide Optionen offen; Die touristisch vermarktbare Habsburger-Nostalgie einerseits, das wissenschaftliche Sachmuseum andrerseits.
Wenn das Museum nun eine Ausstellung dem "Erbfall" der Republik eine Ausstellung widmet, dann kann es das aus seiner eigenen Geschichte und Funktion heraus machen und auch weitgehend aus eigenen Beständen. Keine Institution hätte mehr Legitimität und Kompetenz dazu. Anlaß ist das Republikjubiläum 1918, das ja auch an manch anderen Orten "gefeiert" wird, etwa in Wien mit der ersten Ausstellung des Hauses der Geschichte Österreich oder in Graz (Stadtmuseum) mit der Ausstellung Im Kartenhaus der Republik. 


Die Ausstellung im Hofmobiliendepot hat mich von all den einschlägigen Ausstellungen am meisten interessiert. Das Indiz, das ich anführen kann, sind die - von mir unbemerkt vergehenden - zwei Stunden, die ich sehr konzentriert und bis zum Schluß neugierig in der Ausstellung verbrachte. Ohne zu ermüden und über den Besuch hinaus zu vielen Fragen inspiriert, die ich dann zu Hause via Internet "nachgelesen" habe.

Das am wenigsten Überzeugende an der Ausstellung ist sein Titel "Bruch und Kontinuität. Das Schicksal des habsburgischen Erbes nach 1918", das die nichtssagenden Langweilerworte "Bruch" und "Kontinuität" vor die schwülstige Kontamination von "Schicksal" mit "Habsburg" setzt - wo es doch um den Aufbruch in eine neue Zeit geht. Im Titel ist die Republik untergegangen, nicht die Monarchie. Das zweite, was ich nicht so geglückt fand, aber damit bin ich mit dem Mosern schon am Ende, ist die Gestaltung der Ausstellung, die offenbar eher an einer Art kakanisch-repräsentativem Flair orientiert scheint, als am frischen Wind republikanischer Ästhetik.

In der kurzweiligen Eröffnung entspann sich unter den Festrednern eine spontane Kontroverse über die Einschätzung von 1918 zwischen Kontinuität und Revolution. Letzteres war es für Expräsident Heinz Fischer, der 1918 als revolutionär einschätzte - verfassungstechnisch, wie er betonte. Die für das Museum verantwortliche Sektionschefin  erweiterte den Revolutionsbegriff, indem sie die Beamtenschaft, die die Erbpolitik administrierte, als durchaus revolutionär befähigt bezeichnete. Da könnte man aber zur Vorsicht raten, denn es dauerte nicht lange, ehe dieselbe Beamtenschaft eine ganz andere Revolution entschiedend mittrug, jene von 1939ff.
Die Museumsleiterin, Ilsebill Barta, betonte die Kontinuität und gab der Leistung der Beamtenschaft, die die Transformation des Erbes innerhalb von geradezu sagenhaft kurzen drei Jahren abschloß, eine überraschende, sowohl tiefösterreichische als auch schon fast geschichtsphilosophische Dimension. Als Replik auf Heinz Fischers Worte zum Revolutionären 1918er-Jahr antwortete sie mit dem lakonischen Satz: "Es ist ja nix passiert".

Die Ausstellung hat Grundttugenden, die man bei jeder Ausstellung als Besucher schätzt: Eine klare Gliederung und Struktur, in diesem Fall eine Chronologie, Übersichtlichkeit, klare Abgrenzung der Themenbereiche, sehr passable räumliche Orientierung. Lange und viele Texte, aber gut geschrieben und geeignet, auch Unvertrautes und so Kompliziertes zu entwirren, wie den habsburgischen "Hofstaat" oder die Besitzverhältnisse in der Monarchie.

Ich kann mir an der Stelle die Spitze gegen das Haus der Geschichte Österreich nicht verkneifen, das dieselbe Grundfläche wie die Ausstellung im Hofmoniliendepot hat, aber mit einem Vielfachen an Objekten (angeblich 2000) und unglaublich vielen Themen den Besucher schnell ermüdet (nicht nur mir ist es dort so gegangen, allen meinen Freunden, die das Museum besuchten), zumal ein stringentes Leitsystem fehlt und wohl auch eine leitende Idee (das ist aber eine andere Geschichte).

Ich hatte mir bis zum Besuch der Ausstellung "Bruch und Kontinuität" noch keine Vorstellung über das Ausmaß des Erbfalls von 1918 gemacht. Es ging um Großbauten wie die Hofburg, und um wichtige kulturelle Institutionen wie etwa die Hofmuseen, die Oper, das Burgtheater, es ging aber auch um Tischtücher und Weinflaschen (aus der Hofkellerei). Es ging um Möbel und um Juwelen, die, als privater Besitz, in einer Nacht- und Nebelaktion aus der Schatzkammer "entfernt" wurden und als "verschwunden" gelten. Es ging um Insignien und um Nachttöpfe, um Gemälde oder um Servietten, Teekannen und Tischtücher. Das war und ist übrigens noch immer eine Funktion des Mobiliendepots und der Silberkammer (das Zwillingsmuseum in der Hofburg), das nutzungsorientierte Aufbewahren. Für diplomatisches Tischlein-Deck-Dich wird heute noch vom Staat auf die Bestände der Museen zurückgegriffen - in gewissem Umfang ist hier möglich, was ansonst Museen strikt verwehrt ist: der praktische Gebrauch der Objekte.


Vieles was es ab 1918 zu regeln galt, war von Not diktiert. Die Versorgung der Bevölkerung, die Schaffung von Wohnraum waren die wichtigsten Aufgaben, die zu lösen waren. Und so versteigerte man vieles bzw. hätte sich auch auf den Tausch z.B. von Ausstattungegegenständen aus Schönbrunn gegen Lebensmittel eingelassen. Schönbrunn wurde zum Soldatenquartier. Nur am Rand, mit Hilfe von Zitaten Karl Renners über die Verantwortung des "Erzhauses", wird deutlich, wie groß die Not war und der Haß auf die Habsburger und auf die Monarchie. Zu groß waren die erzwungenen Opfer von Soldaten und in der Zivilbevölkerung. Dieser Haß, aber auch alle damit verbundenen Einsichten und Lernprozesse, wo sind die eigentlich geblieben - sind sie durch die Habsburgernostalgie seit den 1950er-Jahren übertüncht, verschüttet worden? Hat uns Romy Schneider davon erlöst?


Es gab jede Menge rechtlicher, logistischer, finanzieller Probleme zu lösen. Für Ideologisches war da meist kein Platz. Immerhin war die Hofburg so kontaminiert, daß sie als Sitz des Bundespräsidenten nicht in Frage kam, das passierte erst nach 1945. Allein um die (Hof)Sammlungen bahnte sich ein Grundsatzstreit an, eigentlich weniger ein Streit, als ein zähes Bemühen, sie zu wahrhaft republikanischen Institutionen zu machen. Dieses in der Ausstellung ausführlich dargestellte Kapitel der österreichischen Museumsgeschichte hat mich schon als Student interessiert - das Bemühen des Kunsthistorikers Hans Tietze, der zeitweilig oberster Kulturbeamter war, die Museen zu transformieren, auch solche Flagschiffe wie die Albertinasammlung und das Kunsthistorische Museum. Er scheiterte am konservativen Widerstand. Mir scheint, daß dieses Scheitern bis heute tiefe Spuren hinterlassen hat. Ein bürgerlich geprägtes Museumswesen hat sich in Wien (in den Ländern war das anders) angesichts der vielen und großen habsburgischen Sammlungen kaum entwickeln können. Und so prägt - meiner Meinung nach -, bis heute eine Art postfeudaler Haltung die Arbeit vieler Museen, namentlich das Kunsthistorische, das selbst dem vergleichsweise zum k.und.k-Nimbus plebejisch-neoliberalen Zugriff Wilfried Seipels widerstanden hat, aus ihm eine Art Geldmaschine werden zu lassen, die das symbolische Kapital, so gut es halt geht, zu pekuniärem machen sollte.

Sehr interessiert hat mich der Ausstellungsteil zur Neuen Hofburg. Ihr Architekt erwies sich als erstaunlich flexibel, den jeweiligen politischen Instanzen zu ideologisch wechselnden Zeiten das Passende bei der Fertigstellung des Bauwerks anzubieten, mal Luxushotel, mal Kinderheim. Mal Rendite, mal Wohlfahrt. Man erfährt da so einiges, wie hier eher ratlos und unentschieden mit dem längst Überdeterminierten der Architektur umgegangen wurde. An dem Brocken Erbe hat man sich verschluckt. Bis heute gibt es kein Konzept, wie man mit dem imperialen Anspruch des Torso gebliebenen "Forum" aus Museen und Hofburg umgehen soll. Zum Verständnis der Situation trägt dieser Ausstellungsabschnitt umfassend bei, man erfährt viel über jenen wenig zufriedenstellenden Zustand, in dem das Gebäude und die hier untergebrachten Museen sind. Das gilt erst recht für das neuerdings durch ein ministerielle Machtwort einquartierte und schon erwähnte Haus der Geschichte Österreich. Für ein Republikmuseum war sein Standort - es standen mehrere zur Wahl -, immer schon umstritten. Erst recht dann der Umzug in die Neue Burg. Das Haus der Geschichte Österreich, das ist meine zweite Spitze gegen dieses neue Museum, trägt nichts zur selbstreflexiven Befragen seines Standorts bei. Anders als vollmundig angekündigt, hat man sich mit der vorhandenen Architektur nicht auseiandergesetzt. Sie durch Bespielung zu kommentieren oder konterkarieren hat man unterlassen. Das Haus der Geschichte Österreich fährt eisern seine message control und trägt, meiner Meinung nach ganz gezielt, nichts dazu bei, eine Debatte über Sinn und Zweck dieses Museums, also auch seines Standortes, zuzulassen. Verheerend für ein Museum, das ständig mit Wörtern wie "Demokratie" und "Diskurs" und "Offenheit" und "Partizipation" fuchtelt.

Es gibt viel zu Lesen in "Bruch und Kontinuität", aber es wird mit Objekten überdurchschnittlich klug umgegangen. Das "überdurchschnittlich" grenzt gegen die landauf landab in Ausstellungen geübte Notvergemeinschaftung ab, von - den Sinn (mehr oder weniger) tragenden - Text und der Zuordnung von "Alibi"-Objekten, die selbst kaum etwas bedeuten dürfen. Wo immer ich in letzter Zeit so genannte (zeit)historische Ausstellungen gesehen habe, erwiesen sie sich im Umgang mit Objekten phantasie- und hilflos. Die Kunst, visuell zu argumentieren, beherrscht kaum jemand, Objekt reiht sich an Objekt ohne die geringste Verbindung einzugehen. Mehr wird auch gar nicht intendiert. Die Geste "da hätten wir übrigens noch was zu zeigen" überwiegt. KuratorInnen scheinen glücklich, überhaupt an Sammlungsbestände gekommen zu sein und machen mit ihrem Besitzerstolz aus Exponaten Auslegeware, deren Sinn sich im Bestauntwerden erschöpft.
Monika Flacke, die im Deutschen Historischen Museum als Kunsthistorikerin unter die Historiker gefallen ist, hat vor Jahren in einem schönen Essay diese im Grunde vortheoretische und unbedarfte "Bildpraxis" der Ausstellungshistoriker scharf kritisiert und für diesen gegenüber der Polyvalenz von Bildern unempfänglichen und für bildhaftes Erzählen unfähigen Typ von Ausstellungen das Wort "Historikerausstellung" erfunden.

Man gehe mal ins Haus der Geschichte (meine dritte und letzte Gemeinheit gegenüber diesem Museum, versprochen) und konzentriere sich ausschließlich auf die Frage, wofür dort eigentlich Objekte stehen. Mal ganz abgesehen davon, daß es dort vorkommt, daß die KuratorInnen ihre Objekte selber nicht verstehen, (wie etwa Conchitas "Sieger"-Kleid).


Dagegen hier, im Hofmobiliendepot: Die originale Vitrine der Schatzkammer mit mit den leeren Schatullen zu zeigen, in denen einst die royalen Kostbarkeiten lagen, zusammen mit einem historischen Foto der Vitrine im ursprünglichen Zustand, das ist zwar kein neuer Kniff etwas sinnfällig zu machen: nämlich die Entwendung der Kronjuwelen, die das Hofmoniliendepot in Kooperation mit der Schatzkammer nun weitgehend aufgeklärt hat. Aber es ist eine Methode, nicht alle Last der Verständigung auf Texte abzuwälzen. Schön sind so fast versteckte symptomatische Dinge wie das Foto vom Hofzug, der den kleinen Bahnhof in der Nähe von Eckartsau verläßt um den "letzten Kaiser" ins Exil zu begleiten. Man hat der denkbaren Versuchung widerstanden, das Foto inszenatorisch oder maßstäblich zu pushen. Wie eine Fußnote bietet es einen fast beiläufigen Kommentar, als banaler anonymer Schnappschuß, der mit einer tiefen Zeitenwende kontaminiert ist.



Ein Thron als Museumsstück ist schon ein Symtom als solches, aber der hier, ein "letzter", wird inszeniert als könne er jederzeit wieder bestiegen werden. Wenn da nicht die übliche Museumskordel wäre, die ihn zum musealen Schaustück macht und dann ist da noch ein an die Thronstufen gelehnte Text über den man "stolpern" soll. Joseph Roths bitter-aphoristische Sätze schaffen nicht nur zusätzlichen Bedenkraum, den jede musealisierende Distanz eigentlich schaffen sollte, sondern vermiesen einem auch gründlich vorschnelle triumphalistische  Identifikation mit dem Republikanismus. Ein Historiker dürfte so etwas nicht schreiben, ein Literat ja, und auch wenn das gegenüber einem wissenschaftlichen Text den Makel des Unscharfen, Polemischen an sich hätte, Roths saloppe Formulierungen schließen mehr auf als ein halbes Essay.
Alfred Polgar steuert an andrer Stelle dann noch kongeniale Sätze zum Museumswerden des Habsburgergutes bei, also zur Umwandlung des Depots in ein Museum - zu lesen als ein selbstironischer und selbstreflexiver Akt, auch aufs heutige Museum anwendbar, aber übertragbar überhaupt auf die prekäre Dialektik des Musealen, für die die Alltagssparache den Sinn fürs Negative, Über- und Abgelebte bewahrt hat. Etwas als "museal" zu bezeichnen ist nie freundlich gemeint.


Eine solche ironische Rahmung, die ein Museum einem solch überdeterminierten Erbe bietet, kann einen schon irre machen  - soll ich jetzt spekulieren, ob die "Glocke zum Führer" nicht nur für den Beamten gedacht gewesen war, der Führungen durch das junge Museum angeboten hat, sondern durch zu häufiges und zu langes Läuten einen anderen Führer herbeigerufen hat? Man soll halt nicht zu viel Polgar lesen. Oder Thomas Bernhard.

An mehreren Stellen kam die Ausstellung meiner mitgebrachten ironischen Leseweise, meiner Neigung und Lust zum symptomatischen dechiffrieren, entgegen. An einem Spucknapf, ausgerechnet an einem Spucknapf, wird einem an Hand der an seiner Unterseite angebrachten Stempel, Aufkleber und Beschriftungen der lange Weg von Objekten durch die Zeiten büokratischer Verwaltetheit anschaulich gemacht. Hier hat man die ganze polirisch-historische Komplexität des Erbfalls an einem trivialen Objekt vor sich.



Und an einem Senftopf, ausgerechnet an einem Senftopf, hat man durch Wegkratzen des Doppeladlers versucht, das Objekt republiktauglich zu machen. Auch das noch: Intelligenz und Witz im Umgang mit Dingen!

Die Ausstellung ist bis zum 30.Juni 2019 zu sehen.