Dienstag, 25. Oktober 2016

Haus der Geschichte Österreich. Die jüngste Entwicklung. Farce, Hängepartie, Kompromiß?

Es kommt nicht unerwartet. Das Ende des Hauses der Geschichte. Es wird durch seine Errichtung herbeigeführt. Als Jubiläums-Ausstellung auf einem um ein Drittel zusammengestrichener Ausstellungsfläche. Kombiniert mit der Ankündigung eines Museumsneubaues - auf dem Heldenplatz.
Der geschickte Politiker ist der, der aus einem Nachteil mehrere Vorteile macht. Vorteile für sich. Die Reduktion der Ausstellungsfläche um ein Drittel schlägt sich wunderbarerweise in einer Reduktion der Kosten um gleich zwei Drittel nieder. "Spar-Budgetgerechte" zehn statt dreißig Millionen (Der Minister als Sparefroh). Und es bleiben die Sammlungen des Kunsthistorischen Museums unangetastet. (Der lösungskompetente Minister). Ja vielleicht kann sogar später einmal das (unfreiwillige) "Opfer" des Weltmuseums zurückgenommen werden und es darf seine ursprünglichen Pläne in vollem Umfang verwirklichen. Wenn. Wenn es ein "neues" Haus der Geschichte Österreich" gibt.
Der Leiter des wissenschaftlichen Beirates - schon längst nur noch in der Rolle des Regierungssprechers, der auch die feinsten Regungen des jeweiligen politischen Amsträgers und Vorgesetzten der Öffentlichkeit diplomatisch übersetzen muß -,  kommt mir aus dem Medien mehrfach gespalten entgegen. Im TV mit einer vom Beirat unterstützten Forderung, es müssen die weiteren Module ebenfalls verwirklicht werden (welche Module? Wer hat je von Modulen geredet), sonst "mache sich die Republik lächerlich" (O.R.), in der Presse mit einem "großartig" für die für Sparzeiten angemessene Lösung.
Inzwischen übersieht das staunende und von den vielen Wendungen, die der "Fall Haus der Geschichte" nimmt, abgelenkte und möglicherweise auch überforderte Publikum, daß es ja um die Hofburg geht, auch um einen ominösen "Balkon" und einen Platz davor, auf dem sich so allerlei früher und heute versammelt hat und versammelt und wo gerade ein Minister (an anderer, aber ein Parteifreund) ein Denkmal errichten möchte und wohl auch wird. Ein Soldaten-Denkmal. Ein Opfermal. Noch eins. Das überraschte, oder überforderte oder verwirrte Publikum bekommt nicht mit, daß da schon wieder ein Politiker-Phantasma lanciert wird, noch eins, da ja auch das Museum in der Fassung Ostermeyer ein Politiker-Phantasma ist, eine Bundeskanzleramts-Museum. Also Museum und Denkmal auf dem Platz, von dem uns im Zuge der Museumsplanung und -debatte versprochen wurde, daß er in das Konzept eines "demokratischen Museums" einbezogen würde. Ein wichtiger, weil immer wieder zivilgesellschaftlich genutzter Platz in wichtigen Momenten der Republik. Einer, vom dem Politiker die Finger lassen sollten.
In einem Ministers Drozda nicht ganz so elegant. Mit der Ankündigung eines Neubaues. Auf dem Heldenplatz. Denn auch unbedarftere Kommentatoren riechen den Braten. Die Ankündigung eines Museumsneubaues schießt das Projekt in den Orbit zurück und läßt es wieder dort kreisen, wo es schon mal endlos in den unendlichen Weiten des diskursiven Raumes gekreist ist. Im Nirgendwo.
Also macht man es so: Eine Ausstellung erhält / behält den Namen Museum und irgendwann auch einen Leiter oder eine Leiterin. Dahinter versteckt man alle Fragen, was dieser Leiter eigentlich zu tun haben wird, nämlich mehr als eine fertige / unfertige / schon konzipierte Ausstellung zu verwalten um danach bitte was zu machen? Ein Museum (eine Sammlung, Forschung, Vermittlung) aufbauen, mit welchen Mitteln (?) und in welchem Verhältnis eigentlich zu den ihm vor / beigeschalteten Beirat und den ihm Vorgesetzen (Johanna Rachinger als Leiterin der Nationalbibliothek) und zu den politischen Instanzen, von denen er abhängig ist (Kanzleramtsminister / Bundeskanzleramt).
Kandidaten oder Kandidatinnen für eine solche Leitungsfunktion wird es trotzdem geben. Da ist z.B. der Leiter des Graz Museums, Otto Hochreiter, im Gespräch. Der ist Historiker und hat umfassende Erfahrung mit dem Museum und mit dem Ausstellen. Grade hat er seine Dauerausstellung überarbeitet und da das Graz Museum über keine attraktive Sammlung verfügt, wenig Budget hat, mäßig interessierte Politiker und nicht grade enthusiastische GrazerInnen, wäre er über den Wechsel in seine Wohnsitz-Stadt wohl nicht unglücklich.
Politisch passt er auch gerade. Sagen wir mal, bis zur nächsten Bundespräsidenten- oder Nationalratswahl. Dann ist ohnehin alles anders. Dann gibts zwar ein "Haus". Aber eine ganz andere Geschichte.

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