Sonntag, 1. November 2015

Ist alles schon einmal dagewesen? Eine historische Fußnote zum "Haus der Geschichte" in der Neuen Hofburg

Ein Zufallsfund, der mich an allerlei erinnerte...

Je näher die Hundertjahr-Feier der Revolution rückte, desto mehr verstärkte sich dieses Engagement, wobei aber weniger künstlerische als historische Aspekte favorisiert wurden. Der städtische Bericht über das Budget des Musee Carnavalet für das Jahr 1888 bestätigt, dass es der jungen Institution gelungen war, ihre Existenzberechtigung zu beweisen. "Le musee a acquis une valeur inestimable depuis que la Révolution a reconquis son auréole et que les collectionneurs se disputent les rares épaves de cette glorieuse époque. Il nous fera grand honneur lors de la célebration du centenaire." Das hinderte aber die Historiker nicht daran, von 1886 an ein "Musee de Ia Revolution aux Tuileries" zu forcieren, das von Ch.-L. Chassin konzipiert wurde.
Dabei handelte es sich um die Organisation einer großen, dauerhaften Ausstellung zur Hundertjahrfeier der Revolution, welche die patriotische und republikanische Erziehung fördern sollte. Man plante ein Museum als Teil einer An Mediathek, die eine Bibliothek, einen großen Konferenz-, Konzert- und Theatersaal sowie didaktische Ausstellungsräume umfassen sollte, welche der Geschichte des französischen Volkes und der Menschheit gewidmet werden sollten. Die wenigen Informationen, die über dieses Museum auf uns gekommen sind, sind allerdings zweideutig: Man sollte darin Kuriositäten der revolutionären Epoche ebenso wie "les principaux objets d'art consacres ä son souvenir" finden, was vermuten lässt, dass die Revolution thematisierende Historienbilder aus der Zeit der Dritten Republik das spektakulärste Element dieser Sammlung ausgemacht hätten.
Es war vorgesehen, in ganz Frankreich und Europa "les tableaux, statues, bustes, medaillons, etc." auszuleihen "relatifs aux événements et aux hommes de la Révolution francaise."
Als man mit den sorgfältigen Recherchen zur Lokalisierung der Ausstellungsstücke begann, wurden zwar Manuskripte, Drucke und Erinnerungsstücke ins Zentrum gestellt, eigentümlicherweise aber die Kunstwerke vernachlässigt, denn es wurde nicht bei den Konservatoren der städtischen Museen angefragt, sondern bei den Verantwortlichen der Archive in den Departements.
Als sich der Zeitpunkt der Jahrhundertfeier näherte, waren die Politiker von dem Projekt wenig begeistert, sondern sorgten sich vor allem um die Finanzierung und um den Erfolg der Weltausstellung.
Das ging so weit, dass sie verlangten, den Bezug auf das Jahr 1789 abzuschwächen, um nicht die europäischen Monarchien zu verärgern. Überhaupt zögerten sie, das Ausmaß der Erinnerung an die Revolution im Rahmen der Weltausstellung festzulegen, während andererseits
die Verantwortlichen des Carnavalet-Museums sich über das Konkurrenz-Projekt Chassins beschwerten.
Schlussendlich wurde eine temporäre Ausstellung in einem Pavillon des Louvre von der Dauerausstellung des Paris-Museums in den Schatten gestellt.

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