Freitag, 13. November 2015

Die Sammlung Essl. Wie geht es weiter?

Das ist kein Post mit Informationen, sondern einer mit Fragen. Seit etwa zwei Wochen ist der Baumax-Konzern definitiv zerschlagen, der die materielle Grundlage für seine Besitzer Karl-Heinz und Agnes Essl bot, Kunst zu sammeln und ein Museum zu errichten.
Die beiden müssen mit dem durch Gutachten ausgewiesenen Makel leben, dass der Konzern nicht unverschuldet, durch wirtschaftliche unbeeinflussbare Rahmenbedingungen zugrundeging, sondern durch ihre Managementfehler.
Und auch die Kunstsammlung ist ihrem Einfluss - wie weit eigentlich? - entglitten. Viel zu spät kam der Rettungsversuch, die Sammlung dem Staat anzubieten. Dann sollten große Teile versteigert werden bis ein anderer Unternehmer einsprang. Hans-Peter Haselsteiner gehören 60% Anteile an der Sammlung. Karl-Heinz Essl ist künstlerischer Leiter des Museums. Aber wie kann sich das Museum erhalten und kann die Sammlung vermehrt, weiterentwickelt werden?
Und worüber kann Essl entscheiden? Haselsteiner dürfte demnächst das Recht erhalten, Teile des Künstlerhauses, dessen Sanierung er bezahlt, bespielen zu dürfen. Mit der Sammlung Essl unter anderem, wie er schon mehrfach gesagt hat. Der Standort in Klosterneuburg sei ungünstig, meint er, die Sammlung Essl gehöre in Wien gezeigt.
Und er bemühe sich weiter um die Kooperation mit der Albertina, die seiner Meinung nach einen zweiten Standort brauche. Wie? Wieso soll wenige hundert Meter von der Albertina, die über enorme, teuer zu bespielende Ausstellungsflächen verfügt, eine Filiale entstehen? Wozu? Mit welchem Programm? Und mit welcher Rückwirkung auf die Sammlung Essl?
Gut, es geht um private Sammler und Sammlungen, um deren Spielzeuge und das rangieren von Besitztümern. Da hat die Öffentlichkeit ihr Recht verloren. Und nebenbei geht's um ein Scheibchen Privatisierung. Das Erdgeschoss des Künstlerhauses wird künftig ihm, Haselsteiner, Baunternehmer, Westbahn-Betreiber, Kunstssammler, zur Verfügung stehen. Der Bund und die Stadt Wien sehen zu und lassen zu. Programmatische Privatisierung um Steuergeld zu sparen? Kultur- und museumspolitische Mut- und Phantasielosigkeit?
Ich habe wie gesagt diesmal nur Fragen.

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