Montag, 6. Oktober 2014

Wer? Du? Sicher nicht! Angewandte Exklusion (Texte im Museum 496)


In einer Diskussionsreihe zur Bedeutung und Funktion des Grazer Kunsthauses - aus Anlaß politischer Infragestellung - spielte die Frage des Ausschlusses eine erstaunlich große Rolle. Und zwar nahezu ausschließlich als Frage, wie man mehr, vor allem wie man Nicht-Besucher, Besucher die dem Kunsthaus und der Modenen Kunst ablehenend gegenüber eingestellt sind, in das Kunsthaus bekommt.
Wie sehr das Museum selbst ein Ort der Distinktion ist, kam dabei nicht zur Sprache.

Hier nun der Einführungstext zu Person und Arbeit von Katharina Grosse, von der eine große Installation derzeit im Kunsthaus gezeigt wird.
Wie so oft und in vielen Kunstmuseen und -hallen wird Kunst als schon vorgängig legitimiert gezeigt behandelt. Es / Man spricht zu uns mit der Autorität der Institution und der Autorität des anonymen Kurators (Kuratorin), deren Wahl und Deutung Fraglosigkeit impliziert. Alle Angaben im Text sind Tatsachenmitteilungen und nicht etwa fragile Zuschreibungen, die sich erst im Wechselspiel von Zeigen und Gezeigt-Werden, von Werk und Betrachter herstellen - oder auch nicht.
Die Sprache zeigt Muskeln und gebärdet sich kraftvoll, "mächtige Vorstöße", "ausufernd" oder "maßlos" stehen neben nüchternen technischen Angaben: "Spritzpistole".
Mit der Wendung "das Bild wird begreifbar" wird nicht nur Verstehbarkeit suggeriert, sondern auch deren Eintreten beim Besuch prognostiziert. Wer dieses Ziel verfehlt, und ratlos bleibt, ist ebenso ausgeschlossen, wie der, der grübelt, was denn eine "metaphysische Erkenntnis des Gesamten" sei oder der zweifelt, woher denn hier plötzlich die Natur hinzukommt, mit der - und der Kunst - er verwachsen soll. Was ja nun nicht der Modus von Erkenntnis und "begreifen" ist.
Der Text exkludiert alle, die nicht in diese Feier des Werks einstimmen wollen und alle jene, die nicht zur kleine Elite der "Eingeborenen des Kunstbetriebs" (frei nach Bourdieu formuliert) gehören, also zu jenen, an die ein solcher Text eigentlich adressiert ist - an der Besuchermehrheit vorbei.



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