Montag, 8. September 2014

Seltene Kritik am Heeresgeschichtlichen Museum

Via Anton Tantner und das Facebook werde ich mit dem Auszug einer Kritik an den laufenden Weltkriegsausstellungen bekannt. Seiner Einschätzung, daß der Text im "Augustin" von Robert Sommer eine "vernichtende" Kritik sei, kann ich nicht folgen. Es sind Anmerkungen und Beobachtungen, aber eine Kritik müsste wesentlich umfassender sein. Immerhin: Das Heeresgeschichtliche Museum verdiente jede Menge kritik und seltsamerweise gibt es die praktisch nicht. Die Historikerzunft ist bei Museums- und Ausstellungskritiken sowieso ziemlich absent.
DEshalb gebe ich hier die Passage wieder, die ohnehin schon über Facebook zirkuliert, als Anstoß, daß sich doch mal jemand dem Heeresgeschichtlichen Museum annehmen sollte.

Robert Sommer im "August" (Nr. 373, 3.9.2014, S.24f): "Das HGM hatte 5 Millionen Euro zur Verfügung, um die Ausstellungsräume 'Erster Weltkrieg' zu erneueren. Eine Chance wurde vertan. (...) Radetzky, Gottvater des österreichischen Militarismus, scheint mit seiner Präsenz das Einsickern zivilen Geistes ins Arsenal zu überwachen. Die Military-Modeschau - Vitrinen voller fesch herausgeputzter Ulanen, Dragoner, Militärgeistlicher, Pioniere, Infanteristen, Militärrechnungsbeamter, Landesschützen oder Gardewachtmeister - nimmt die Hälfte der Fläche ein. (...) Keinem Besucher, keiner Besucherin entgeht, was der eigentliche Hochaltar der Weltkriegsausstellung im Arsenal ist. Es ist die plankgeputzte, 80 Tonnen schwere 38-cm-Haubitze aus den Pilsener Skodawerken, die vom Rapidplatz aus das Horr-Stadion beschießen hätte könne, um die Reichweite zu veranschaulichen. Ein großer Teil der Kosten für die Neugestaltung des Teils zum Ersten Weltkrieg wurde für die Absenkung des Museumsniveaus verwendet. Erst dadurch ereichte man eine Saalhöhe, die nötig war, um die Haubitze in voller Pracht aufzustellen. (...) Wenn dieses letztlich versagende Unding den Hochaltar abgibt, so bilden das Sarajewo-Attentats-Originalauto (...) und Albin Egger-Lienz' berühmtes riesigformatiges Kriegspropagandagemälde 'Den Namenlosen 1914' quasi die Seitenaltäre."

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