Montag, 28. April 2014

Die Stadtpolitik stellt das Grazer Kunsthaus zur Disposition

Das Kunsthaus in Graz steht unvermittelt in Kritik. Der Bürgermeister höchstselbst regt ein Überdenken nicht nur der Programmierung des Ausstellungshauses an sondern stellt dessen Finanzierungsmodus und Organisationsgrundlage in Frage. Das ursprünglich als Ausstellungshaus der Stadt Graz gedachte Institut wurde, als die finanzielle Überforderung der Stadt sich abzeichnete, in das Landesmuseum eingegliedert und seine Finanzierung zwischen Stadt und Land gesplittet.
Nun soll das Kunsthaus wieder an die Stadt zurück, also aus dem Landesmuseum ausgegliedert werden, allerdings bei Beibehaltung der Landesunterstützung. Als Grund wird der geringe Zuspruch zu den Ausstellungen genannt und die Äußerungen mehrerer Politiker gehen denn auch in Richtung "Popularisierung" des Programms. Diese Vorschläge hören sich beunruhigend simpel an und die Kritik am Kunsthaus kommt über das Referieren der Besuchszahlen kaum hinaus.
Bürgermeister Nagl versichert, daß das keine Kritik an Joanneums-Intendant Peter Pakesch ist. Aber was soll es denn sonst sein? Zwar ist Peter Peer nominell Leiter des Kunsthauses, aber für Peter Pakesch war und ist das Kunsthaus sein zentrales Betätigungsfeld, sein persönlichstes Anliegen, seine authentische Kompetenz. Ihm das zu nehmen, kann man schon als außergewöhnlichen Schritt des Misstrauens und der Schwächung bezeichnen, zumal die Vorschläge zur Reorganisation und die Kritik am Programm aus dem ihm gewöhnlich wohlgesonnenen politischen Umfeld kommen.
Eine Herauslösung aus dem Joanneum schwächt auch das Landesmuseum, denn das Kunsthaus und die Neue Galerie und deren Ausstellungen sind die am weitesten in die internationale Wahrnehmung vorgeschobenen Aktivposten des Hauses. Das Joanneum verlöre an Resonanz in der internationalen Museumsszene und dem Kunsthaus drohte, wenn man die diversen Politikerideen mal ernst nimmt, eher eine Provinzialisierung. Denn vieles an der Kritik riecht nach antimoderner Attitude, etwa im Geiste des jüngsten Vorstoßes, "Österreichisches" im ORF via Quote zu "schützen". Andrerseits stand das Kunsthaus unter einer Art Käseglocke und durfte gerade in der regionalen Zeitung, die jetzt Bericht erstattet (bezeichnenderweise hat noch keine andere Zeitung die Meldungen übernommen), nie wirklich kritisiert werden. So fehlt es an einer substantiellen Bewertung der Arbeit des Kunsthauses als Grundlage einer seriösen Diskussion.
Sie könnte im übrigen kaum geführt werden, ohne den institutionellen Kontext miteinzubeziehen, in dem das Ausstellungshaus agierte - das "übrige" Joanneum. Seine architektonische und ausstellungsgestalterische Erneuerung ist abgeschlossen, aber dieser Oberflächenglanz verhüllt, an wie wie vielen Stellen das Großmuseum provinziell geblieben ist.
Peter Pakesch dachte, mit großen Marketinganstrengungen und der Umbenennung in "Universalmuseum", könne man die Schwächen des Museums kompensieren. In diesen "Relaunch" sind enorme Ressourcen investiert worden, es wird so bald keinen wie diesen mehr geben, und so wird das Joanneum noch lange an der versäumten Chance einer wirklich in die Tiefe gehenden und konzeptuellen Modernisierung (wie sie etwa in Bregenz geglückt ist) laborieren.

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