Dienstag, 26. März 2013

Die Fundación César Manrique

Der Eingang zum Museum
Mit der Entstehung des standardisierten Tourismus geht die Festlegung von Reiserouten und -zeiten ebenso einher wie die Festlegung von Reisezielen, deren Bedeutung durch ihre Auswahl und den repetetiven Besuch bestimmt werden. Als Sehenswürdigkeiten liegt ihnen keine individuelle Wahl mehr zugrunde, sondern nur noch die Affirmation eines vorab bestimmten historischen und ästhetischen Werts.
Touristische Destinationen, die nicht durch ihre Kultur, sondern durch Freizeit, Erholung, Sport usw. ausgezeichnet sind, benötigen offenbar immer auch einen allerletzten Rest an kulturellem Anreiz, mit dem eine Reise zusätzlich legitimiert oder bereichert werden kann.
Der Übergang vom Untergeschoß in die Museumsebene
Was aber tun, wenn es Gegenden gibt, denen als an 'kulturellen Resten' so gänzlich mangelt, wie der Insel Lanzarote, auf der sich kaum Spuren der langen Besiedlungsgeschichte erhalten haben? Zwar gibt es mit der Vulkanlandschaft, die im 18. Jahrhundert fast ein Viertel der urbaren Insel zerstörte, ein großartiges Naturdenkmal (vorbildlich geschützt und sehr zurückhalten erschlossen), aber Kultur?
Der Glücksfall Lanzarotes hat den Namen César Manrique (* 24. April 1919 in Arrecife, Lanzarote, Spanien; † 25. September 1992), der sich, unterstützt vom Gouverneur der Insel, für eine Bändigung des Tourismus einsetzte, für den Schutz der Landschaft, gegen hybride Tourismusprojekte kämpfte und durch zahlreiche von ihm geplante Bauten Modelle für ein landschaftsgerechtes und von der lokalen Tradition inspiriertes Bauen schuf.

Einbeziehung der Landschaft - buchstäblich

Manche seiner Bauten tragen die Spuren der 70er-Jahre, erinnern in Lage und Stil an Filmarchitekturen, wie sie etwa in den frühen James-Bond-Filmen vorkommen. Da gibt es einen kühn positionierten Aussichtspunkt mit Terrasse und Bar am nördlichsten Punkt der Insel oder in den Feuerbergen, auf noch nicht erloschenen Vulkankegeln ein Restaurant mit Rundumblick und Grillofen über einem Kilometer in die Tiefe reichenden Magmaschlund.
Andere Bauten sind stärker von der bescheidenen ländlchen Bauweise geprägt und bilden mit ihrer ausgeklügelten Bepflanzung und zurückhaltenden Maßstäblichkeit wunderbare Oasen in der Vulkan- und Lavalandschaft. Einer dieser Punkt ist das ehemalige Wohnhaus (das nur in Teilen der Konvention des 'Hauses' entspricht), das trotz des bescheidenen Umfangs der Sammlung mit seiner Weitläufigkeit, den vielen Details, der dichten Bepflanzung und den diversen Objekten im Freiraum ein wunderbarer Aufenthaltsort ist.

Leider nur mehr Schaustück, der von einem im Lavafelsen eingelassenen Wasserspeier gespeiste Pool
Ob Manrique letztlich mit seinen zu Lebzeiten erfolgreichen Bemühungen nachhaltig wirkt, kann man als Kurzzeittourist schwer beurteilen. Es gibt alles: die gewaltigen schwarz errichteten Hotelbunker, die in rabiater klassischer Modernität errichteten Appartementanlagen, die subtil weiterentwickelte lokale Bauweise und die weitflächig zersiedelte Landschaft ebenso wie die - noch - strikt geschützten Bereiche mit ihren zugänglichen aber nicht kommerziell genutzten Stränden.   
Die "Fundación César Manrique" wurde von dem als Maler, Bildhauer und Architekten Tätigen 1982 selbst gegründet und befindet sich in seinem ehemaligen, seit den 70er-Jahren geplanten und errichteten Wohnhaus des Künstlers in Tahiche/Lanzarote.




Die unvermeidliche (?) Morbidität der Inszenierung eines Künstlerlebens: die "letzten Bilder..."
Manches am Werk Manriques drängt sich zur Vermarktung als Gadget geradezu auf: Bilderwand im Hof der Fundacion

Die weitläufige Anlage wurde nach seinen Plänen zum Museum umgestaltet, in dem sich einige Dutzend seiner Werke und solche befreundeter Künstler befinden, u.a. von Picasso oder Tapies.
Das zentrale Haus, das ehemals Wohnzwecken diente und nun Museum ist, steht auf einem 30.000 m² großen Grundstück, das sich über einem Lavastrom erstreckt, der von den Vulkanausbrüchen von 1730 bis 1736 stammt. Das Gebäude ist über fünf großen, vulkanischen Blasen errichtet worden und besteht aus zwei Stockwerken. Die Wohnfläche beträgt 1800 m², dazu kommen 1200 m² Terrassen und Garten. Ein ganzes Stockwerk erstreckt sich unterirdisch über fünf natürliche Vulkanblasen, die durch Höhlengänge miteinander verbunden wurden. Dort gibt es einen Erholungsbereich, ein Schwimmbecken, eine kleine Tanzfläche usw. Auch das ehemalige und teilrekonstruierte Atelier des Malers, das er in Haria bezogen hatte, kann dort besichtigt werden. Eine Bar und ein Laden befinden sich in ehemaligen Garagen.






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