Dienstag, 19. Februar 2013

Dabeisen, Mitreden - Bildungsbürger!

Dieser ältere Herr erscheint seit einigen Tagen zur besten Sendezeit in meinem Fernseher und plaudert mehr oder weniger launig über Objekte, dei ein Museum in seinen Vitrinen beherbergt.
Zur "Saliera" Benvenuto Cellinis gab es ein paar flapsige, Aufmerksamkeit heischende Äußerungen über den Künstler als Dieb und Mörder und eine zwar dezente, aber nicht überhörbare Anspielung auf den peinlichen Diebstahl dieses "Salzstreuers" (wie damals ein Leserbriefschreiber zum Kriminalfall Saliera postete) und dem Direktoriat Seipel.
Das Kunsthistorische Museum Wien bereitet derzeit in einer bis dahin nie gesehenen aufwändigen und dichten Kampagne die Eröffnung der Kunstkammer nach über einem Jahrzehnt ihrer Schließung an. Der ältere Herr ist niemand gerinerer als Maximilian Schell, der hier so etwas wie die Quintessenz des abgeklärt-distanzierten Bildungsbürgers Mimen darf, dem man den Unernstseiner mäandernden Assoziationen nicht übel nehmen will.
Die parallele Plakatserie auf den Litfaßsäulen Wiens, ist auch nicht ohne. Sie ist grafisch wie inhaltlich auffällig und neuartig. Ein kleines Bild, wie ein Logo eingesetzt und viel Text, allerdings in nobler Typografie.
Das Plakat gibt es mit mehreren Sujets, dieses hier ist mir wegen des Textes aufgefallen. Wie im Sopt wird Bildungsschwere vermieden und ein eher lockerer Ton angeschlagen, nicht ganz auf dem Ikae-Du & Elch - Niveau, aber schonganz schön weit weg vom Flagschiff- und Schatzhaus-der-Habsburger-Image des Kunsthistorischen Museums.
Kein Pathosgerede über Hochkunstwerte, stattdessen ein Eingehen auf die Funktion des Kentauren-Automaten. Und ein tollkühner Brückenschlag zum Besucher & Publikum. Wenn Du Dir das ansiehst, wenn Du zu uns in die Kunstkammer kommst, dann kannst Du auch mitreden!
"Wer sich auskennt", der kann "bei Tisch" für Gesprächsstoff sorgen (ein Mittelpunkt sein) und er kann - "glänzen". 
Auffallender Paradigmrnwechsel, möchte man meinen. Statt Bildung durch ästhetische Erfahrung und kunstgeschichtliches Wissen, vermittelt einem das Museum so etwaswie soziale Inklusion. Aber nicht ganz so, wie es dieses Schlagwort meint (als eine Öffnung, soziologisch gesprochen, "nach unten"), sondern als eine, die es gestattet nicht gebildet zu sein, sondern als Eingeborener des Bildungseliten-Stammes zu gehören.


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