Mittwoch, 2. Januar 2013

Unglücklichkeitslehre (Das Museum lesen 30)


Alfred Polgar

Aus Guayaquil (Ekuador) wird gemeldet: »Die Regierung hat dreißig Kommunisten, die von anderen benachbarten Ländern nicht aufgenommen wurden, nach den Galapagos-lnseln deportiert. Die Regierung gibt bekannt, daß die deportierten Kommunisten auf den Galapagos-lnseln ihren Kommunismus ausüben können.«
Dort, auf den Galapagos-lnseln, dürfte man also nach einiger Zeit, in Miniaturausführung, alles übersichtlich beieinander, ein nach kommunistischen Grundsätzen hergerichtetes Gemeinwesen studieren können. Das bringt auf eine Idee: wäre es nicht sehr interessant, lehrreich und etwas durchaus Neuartiges, eine Ausstellung zu veranstalten, eine Great Show, wo die verschiedenen politischen Systeme in beispielhaft vollem Betrieb gezeigt würden, naturgetreu und lebensnah? Also etwa eine kommunistische, eine nationalsozialistische, eine faschistische, eine anarchistische Siedlung usw, bevölkert von Originaltrupps der respektiven politischen Färbung?
So wie seinerzeit die ethnographischen Ausstellungen, wo Samojiden oder Aschanti oder Singhalesen sich zur Schau stellten und man gegen geringes Entree beobachten konnte, wie sie leiben und leben, kochen, heiraten, ihre Kinder erziehen, Gericht halten, ihre Häuptlinge wählen und ehren, ihre Kulte üben und ihre Kriegstänze exekutieren Das Nebeneinander solcher Musterbetriebe wäre ungemein anschaulich, erlaubte instruktive Vergleiche und trüge zur Aufklärung der Ausstellungsbesucher bei, nach welcher Methode am liebsten sie unglücklich zu werden wünschen. Die Amerikaner sollten den Vorschlag überlegen. Es wäre eine sehr amüsante und farbige Ausstellung, hätte noch mehr Zulauf als die Olympiade und lohnte reichlich die Spesen des Unternehmens, selbst wenn Kinder und Militär, vom Feldwebel abwärts, nur die Hälfte zu zahlen hätten.
Pistolen und Handgranaten wären bei der Kassa abzugeben.

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