Donnerstag, 10. Januar 2013

Ein Direktorenrücktritt

Peter Assmann, Direktor des Oberösterreichischen Landesmuseums wird demnächst zurücktreten. Der Grund ist offenbar die Einsetzung eines kaufmännischen Direktors, der ihm, das geht nur indirekt aus dem Bericht in  der Zeitung der Standard (hier) hervor, aufgezwungen wurde. Assmann: "Die Museen werden nun von einem Kaufmann geleitet, der noch nie in einem Museum gearbeitet hat" und: "Es ist absurd, die Verwaltung aufzublähen. Zumal die Organisationsstrukturanalyse von Beamten durchgeführt wurde - und nicht von externen Beratern."
Ich kann mich nur noch an einen zweiten Direktorenrücktritt erinnern, an den des Leiters des Völkerkundemuseums, der nach der Eingliederung in das Kunsthistorische Museum und fruchtlosen Planungen, das Museum mit dem Volkskundemuseum zusammenzulegen, gegangen ist. Auch damals dürfte der Mangel an Entscheidungsbefugnissen und die Vorgaben von KHM und Ministerium eine Rolle gespielt haben.
Das ist noch gar nicht so lange her und beide Rücktritte sind ein Symptom des Wandels der Museen, nicht nur in Österreich, hin zu einer stärkeren Ökonomisierung.
Es geht um zwei Aspekte und beide sind essentiell: wie stark schränkt die Orientierung an ökonomischer Effizienz die fachliche Autonomie der Museumsleitungen ein und über welche Kompetenz und Zielvorstellungen verfügen die einflussreichen "Manager", die immer mehr zum alter ego der Direktoren werden.
Und das ist kein auf das OÖ Landesmuseum begrenztes Problem. Wenn Assmann zurücktritt, aus den von ihm genannten Gründen, müssten eigentlich einige Direktoren mehr, die in der gleichen oder noch schwierigeren Situation sind, ebenfalls zurücktreten.
Der Rücktritt hat auch über das Landesmuseum hinaus Bedeutung: Peter Assmann war als Museumsleiter und als Präsident des Österreichischen Museumsbundes einer der wenigen in der Österreichischen Museumsszene, der sich immer wieder für Diskussionen eingesetzt oder Veranstaltungen initiiert hat und z.B. die Arbeit der Museumsakademie des steirischen Landesmuseums unterstützt und mit ihm kooperiert hat. Die mit offenen, analytischen Debatten nicht grade reich gesegnete österreichische Museumsszene verliert jemanden, für dessen "Ersatz" sich niemand aufdrängt.

Foto: Peter Assmann auf der Baustelle des Schlossmuseums

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