Donnerstag, 12. April 2012

Vorschläge zur Beschleunigung des Kulturinfarkts

Das in Deutschland erschienene Buch über den "Kulturinfarkt" wird schon über eine Woche vom Feuilleton hin- und hergewendet (nicht in Österreich, sowas interessiert hier keinen). Es ist offensichtlich kein sehr genau argumentierendes Buch und dementsprechend wird es eher als Symptom für eine Krise über die man nicht so gerne redet wahrgenommen als ernsthafte Diagnos. Die Reaktionen teilen sich dementsprechend in 'unbrauchbar' aber nützlich als Warnung, unbrauchbar, weil schlecht recherchiert / argumentiert oder unbrauchbar aber ich hätte da ein paar andere Fragen.
Die bislang schönste, weil unterhaltendste Reaktion finde ich heute, wo mal jemand die Ärmel hochkrempelt und sagt, o.k., machen wir mal Ernst mit dem meistzitierten Vorschlag des Buchs, streichen wir 50% des Kulturetats.
Die frechen, frech begründeten Vorschläge lassen kaum ein Tabu aus und ein paar Museen müssen auch dran glauben, wobei die Betroffenen damit rechnen müssen, auch wegen mangelhafter Gastronomie abserviert zu werden. Der Kritiker ißt sehr gerne gut. Womit man auch eine Ahnung vermittelt bekommt, was im Fall des Falles alles Kriterium in der Schlacht am Subventionstopf werden könnte.
Schlachten...ähm, Leseprobe: "Douglas Gordon entriss MMK-Direktorin Susanne Gaensheimer letztens das Mikrofon und schüttete Wasser über ihr Redemanuskript. In der Schirn kam kürzlich Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit zur Eröffnung der Edward-Munch-Ausstellung, weshalb man nicht mal zur Bar durchkam, wo mieser Weißwein gereicht wurde. Ergo geht die erste Runde ans MMK! Zweite Runde: Direktoren. Wieder klar MMK. Susanne Gaensheimer ist eine Frau, war mit Christoph Schlingensief befreundet und gibt sich trotz bayerischer Herkunft bescheiden. Max Hollein hingegen ist Österreicher, seine Frau designt Trachtenmode und er redet so begnadet frei, dass es zwecklos wäre, ihm irgendetwas übers Manuskript zu schütten."
Ja, das macht schon Laune, und im Kommentarteil greift der Leser, die Leserin freudig zu: Wie wärs denn mit Bayreuth?


DIE WElT, 12.04.2012

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