Sonntag, 22. Mai 2011

Frage

Wes Craven, namhafter und sehr erfolgreicher Regisseur von Horrorfilmen (Nightmare on Elm Street, Scream): "Das Kino ist ein Ort, an dem völlig fremde Menschen zusammensitzen und Dinge sehen, vor denen alle dieselbe Angst haben ... Als Erlebnis ist das nicht zu ersetzen."
Gibts eine Analogie beim Museumserlebnis?
Vielleicht als Gegenteil, als angstfreier Ort?

Kommentare:

Christopher hat gesagt…

Hübsche Frage, mE aber dennoch eine schiefe Analogie. 2 rasche Thesen zum "Erleben" in "Kino & Museum":

a. Kino ist gemeinsam-synchrones "Erleben", d.h. alle, die hier "zusammensitzen", setzen sich zur gleichen Zeit den gleichen Erfahrungen aus; museales "Erleben" ist idR individualisiert, zB Besucher verweilen unterschiedlich lange vor einzelnen Exponaten, legen die Reihenfolge, in der sie die einzelnen Exponate betrachten, (wenn auch in einem bestimmten vorgegebenen Rahmen) individuell fest etc.

b. Museum als "Erlebnis"-Ort bzw. moderne Ausstellungsgestaltung/Museumspädagogik hat regelrecht eine Anti-"Kino"-Tendenz, heißt: sie zielt gerade auf Aktivierung der BesucherInnen, nicht "passive" Rezeption.

Gottfried Fliedl hat gesagt…

Schon klar. Aber. Es gibt ja auch im Museum und in der Ausstellung so etwas wie eine "Aufführung", und das vor Publikum; und dazu gehört immer auch mehr als das individuelle Erleben, sondern auch ein, manchmal kaum bemerkbares, 'übersehenes' sozialisierendes Element. Richtet sich das auf etwas aus, analog zum, na sagen wir mal, Horrorkino, oder gibt es eine solche Gemeinsamkeit gar nicht. Oder anders: gibt es denn gar nix Affektives in der kollektiven Museumserfahrung, ist das ein total 'kaltes' Medium. Man fürchtet sich nicht nur nicht, man lacht ja auch nie...

carl auböck architekt hat gesagt…

die schaffung von erlebnisoasen in museen war die hoffnung verschiedener direktoren nach der staatlichen oktruyierung der vollrechtsfähigkeit.
die damen und herren rückten ihre häuser so in die nähe von supermärkten, wo waren nach der lehre von etwa christian mikunda "autochton" präsentiert werden sollen.. also mit "vernakularer stimmung".
den museen hat es garnicht genutzt(s.z.b. techn.museum wien), im gegenteil, die sammlungen wurden dafür zerrrissen, ihrer sinnhaften konsistenz beraubt und vermodet.
was einen erheblichen mehraufwand im wiederaufstellen bedeutet.
die rezipienz der besucher ändert sich doch ständig , ebenso die ansprüche an mediale auf- und vorbereitung. in österreich gibt es nur leider die budgets zur "neumöblierung" nicht.
einzige chance sehe ich im vermittlungspotential.. oral history oder .. museology die so vermittelt daß man sich schrecken, aber auch lachen kann, und , daß man sich auf jeden fall
"was merkt".