Donnerstag, 13. Januar 2011

Ausverkauf! (Museumskrise, noch eine Facette)

"Privatisierung" im Kulturbereich hat viele Facetten. Eine davon ist, sich nicht nur Geld über Sponsoring zu holen, sondern sich sozusagen mit Haut und Haar einer Firma, einem Konzern, einem Interesse auszuliefern. Die heutige Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung berichtet von zwei Fällen.
Kunstwerk, Flacon, Bömbchen, Verpackung, Kulturgut...?
Das Wallraf-Richartz-Museum in Köln läßt vom "seit zwei Jahren bankrotte Modemacher, der sich in seiner Heimat auf die Gestaltung von Trambahnen und Theaterkulissen verlegt hat" (Süddeutsche Zeitung), nämlich Christian Lacroix, eine Ausstellung über dessen Lieblingsmaler kuratieren und gestalten, einen reaktionären Salonmaler (SZ) Alexandre Cabanel.
Aber einer "der wichtigsten französischen Künstler des 19. Jahrhunderts", so das Museum auf seiner Webseite.
Das Karl Ernst Osthaus - Museum in Hagen zeigt "Flacons - Haute Couture der Düfte", eine Ausstellung zur "Kulturgeschichte von Parfum und Parfumgefäßen im Lauf der Jahrhunderte" und als solche laut SZ "...eine Karikatur der Vision des Museumsgründers und Mäzens Karl Ernst Osthaus, der, mitten in der industriellen Revolution, durch Kunst 'die Schönheit wieder als herrschende Macht im Leben' etablieren wollte." Und schließt daraus: "Damals ging es um die künstlerische Durchdringung aller Lebensbereiche - heute um die Etablierung von Markennamen in der Sphäre der Kultur."
Das passt ja insofern, als sich Museen zunehmend selbst als Marken etablieren möchten und die entsprechenden Techniken des Marketing, Branding, Wording, Benchmarking und was es sonst noch so alles an -ing gibt, bedient.
Alexandre Cabanel: Die Allegorie der Museologie entsetzt sich über die Entwicklung der Museen
Statt sachlicher Information gibts Werbegeschwurbel. "Das Gemälde (Geburt der Venus von Cabanel) ist von bezaubernder Schönheit und gehört heute zu den Highlights des Pariser Musée d'Orsay. Neben mächtigen Männern wie Napoleon III. und Maximilian II. von Bayern war Cabanel auch bei den Damen des Adels sehr beliebt." Ja dann!
Die SZ ist sogar so humorlos, angesichts dieser zwei Beispiele von 'Ausstellungen' und 'Kooperationen' von "Eindringlingen" zu sprechen, wo es doch nur um synergetisches Marketing geht (oder?): "Grundsätzlich ist die Frage zu stellen, ob es sich die Kulturpolitik leisten kann, teuer finanzierte Häuser solchen Eindringlingen zu öffnen, wo es an eigenen Mitteln für Ausstellungen fehlt."
Dabei hält sich die SZ mit Details nicht auf: einer der Sponsoren der Ausstellung - es handelt sich (fast möchte man sagen: na klar) um eine Privatsammlung -, ist eine Parfümeriekette, die direkt auf der Ausstellungsseite der Museumshomepage werben darf. Noch zwei weitere Firmen sind mit im Boot, aber alles natürlich einem edlen Zweck zugeordnet. "Die Ausstellung", so versichert uns das Museum, "wird ein großer Meilenstein in der bedeutenden Aufgabe (sein), das Kulturgut 'Parfumflacon' zu pflegen und zu unterstützen."(Was bedeutet, ein 'Kulturgut zu unterstützen'?).

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