Sonntag, 31. Oktober 2010

Gerettet! Gerettet? Die 'Hamburger Museumskrise' und die Frage, ob man was draus lernen kann...

Gerettet!  Gerettet? - Die Schließung des Altonaer Museums ist vom Tisch. Am Einsparungsziel wird aber festgehalten. Es wird auf die gesamte Stiftung der Historischen Museen ausgedehnt und muß auch nicht in einem, sondern in drei oder vier Jahren 'eingebracht' werden. Mit der Forderung nach einem Museumskonzept wird eine Neuorientierung von der Politik an die Museen adressiert, die mit der Hypothek verkürzter Mittel verbunden ist.
Was das für Konsequenzen haben wird, scheint niemand abschätzen zu können. Vorerst wird mal von allen Seiten 'freudig begrüßt', nämlich der Abstand vom Schließungs-Beschluß.
Was an dieser - vorerst befristet scheinenden - 'Museumskrise' interessant ist, daß die Logik der ökonomischen Rentabilität triumphiert. Befürworter wie Gegner teilen dieselbe Logik, in deren Rahmen die Debatte geführt wird. Es wird über die Höhe von Geldmitteln geredet, die Attraktivität - zuletzt die der Protesttage - in Besucherzählung quantifiziert, der Ausweg in rechtlichen Tüfteleien am Stiftungsgesetz gesucht.
Die deftige Politik der Gefühle, die Medien immer anspricht und immer mobilisiert, kam vom Altkanzler Schmidt. Seine "Museums-Heimat Hamburg", könnte die Wortspende gewesen sein, die alles entschied.
Das Museum und seine Befürworter hatte nicht so viel mehr als die üblichen Formeln, die aber den Nachteil haben, abgegriffen zu sein und nicht nur auf alle Museen, sondern im Prinzip auf alles und jedes anwendbar zu sein, was 'Kultur' sein soll.
Der Filter, durch den ich beobachten musste (hunderte Artikel in den wenigen Wochen des 'Aufruhrs'), war vielleicht zu dichtmaschig und ließ die Feinheiten lokaler Debatten nicht durch. Aber ich beobachte, daß Museen nicht gut vorbereitet sind, auf Verteilungskämpfe, die noch in einem Ausmaß kommen werden, wie man es sich jetzt kaum vorstellen mag. (Kleiner Blick zum Nachbarn: die neue Regierung Großbritanniens erwägt ernsthaft, den universitären Geisteswissenschaften alle staatliche Mittel zu streichen und eigenverantwortliche Refinanzierung anzustreben).
Der Umbruch, der vor sich geht (schnell, gewaltförmig, eskalierend) betrifft sicher nicht die Befindlichkeit einzelner kultureller Institutionen. Hinter dem seit Jahren als regierendes Prinzip der Politik durchgesetztem 'Sparzwang', verbirgt sich nicht, was das Wort Sparen eigentlich verspricht: Vorsorgen für die Zukunft. Sondern eine Umverteilung von Werten im Großmaßstab unter der Bedingung einer immer schneller eskalierenden Erosion des politischen.
Das trifft nun das Museum nicht bloß 'etatistisch'. Es trifft es, weil der öffentliche Diskurs, das vergesellschaftende Raisonement ein zentrales strukturelles Merkmal des Museums (seit seinen Anfängen…) ist. Das Museum verliert nicht nur Geld, es verliert die Möglichkeit, jene Öffentlichkeit mit herzustellen, in der allein noch gestritten und debattiert werden kann, ob es z.B. so etwas wie Museen überhaupt noch geben soll.
Deshalb ist interessant, daß sich die Öffentlichkeit formiert. In 'Altona', einer Webzeitung für den Stadtteil, lese ich: "Am 1. November werden interessierte Bürgerinnen und Bürger zu dem “Großen Volksratschlag” ab 19.00 Uhr ins Altonaer Theater geladen. Für die Initiatoren des Begehrens steht fest, es darf zunächst gefeiert werden. “Den Worten müssen jetzt entsprechende Taten folgen” ist die Forderung an die Öffentlichkeit. Der Garant des Erfolges lang in der Bereitschaft der Bürger, sich für die Kultur in dieser Stadt zu engagieren, stellen Aram Ockert, Elisabeth von Dücker und Peter Schwanewilms fest. Und man ist sich sicher: Hieran hat sich und wird sich auch für die Zukunft nichts ändern." Vielleicht ist es ja so, daß das Museum schon erkannt hat und daran arbeitet, daß diese Öffentlichkeit sich nicht nur 'vorm' Museum konstituiert, sondern mit dem Museum verwoben wird. Mir schiene das eine Gegenstrategie gegen nicht nur diese Krise: Gegenöffentlichkeiten, wo immer es nur geht, zu etablieren, wobei die Museen eine aktive Rolle spielen sollen und müssen.

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