Montag, 27. September 2010

Museumskrise am Beispiel Hamburg und Bremen. Der Präsident des Museumsbundes äußert sich dazu

Typisches Aussehen einer Museumskrise
In einem Interview mit dem Deutschlandfunk äußert sich der Präsident des Deutschen Museumsbundes zur drohenden Schließung des Altonaer Museums und dem Verkauf der Sammlung des Museum Weserburg in Bremen. Interessant an dem Gespräch sind zwei Äußerungen, die ich von einem 'Museumsfunktionär' bisher noch nicht gehört habe.
Die eine bezieht sich auf die Zahl der Museen, auf das 'Museumswachstum' und die andere auf deren Qualität.
Die Äußerung Gerhard Richters, von dem ja ein Bild aus dem Museum Weserburg im Interesse seiner weiteren Finanzierbarkeit versteigert werden wird, es gebe zu viele Museen greift Rodekamp so auf: "Es sind sehr große und viele Museen neu gegründet worden. Wir hatten die Blockbuster-Ausstellungen und wir haben heute vielleicht ein zu viel an Museen. Aber wir haben nicht ein zu viel an guten Museen. Wir haben eher ein zu viel an kleineren, relativ unbedeutenden Häusern. Und wir vom Deutschen Museumsbund haben schon seit Jahren dafür plädiert, Wachstum im Sinne des qualitativen Wachstums in der Museumsarbeit zu organisieren. Uns fehlt es in Deutschland ein wenig an den großartigen Häusern, wie wir es in Frankreich oder auch in England oder in Amerika haben."
Rodekamp kritisiert selbstverständlich die Entscheidung des Hamburger Senats und er sieht auch im Vorgehen des Museum Weserburg einen Tabubruch in Richtung, wie er es nennt, "Kapitalisierung der Kunst". Es geht wohl um einen "Paradigmenwechsel. Die klassische alte Kultur scheint bei den jetzigen Entscheidungsträgern nicht mehr die Rolle und die Bedeutung zu genießen."
Allerdings wird die Präzision der Diagnose in dem Moment ziemlich lasch, wenn es um das Entwickeln von Gegenstrategien, von Haltungen geht. Die Museen arbeiten ja teilweise selbst aktiv an diesem Paradigmenwechsel mit und vertiefen damit die Krise und erschweren den Aufbau von Gegenstrategien. Immer dort wo es um die Rechtfertigung der Existenz des Museums gegen den 'Tabubruch', gegen den 'Paradigmenwechsel' geht, versagt sozusagen die Stimme: "Aber Kultur an sich ist nicht nur immer eine mit Geld zu bezeichnende Arbeit, sondern wir wollen uns natürlich auch im Sinne des Dienens für die Gesellschaft einsetzen und unsere Angebote sind ganz wichtig im Bereich der kulturellen Tagessituation, auch der kulturellen Integration. Wir wollen uns deutlich machen, dass wir eigentlich unverzichtbar sind, gerade jetzt in einer schwierigen Situation, in der wir in der Gesellschaft hineingeraten sind."
Diese "Unverzichtbarkeit" zu argumentieren fällt den Museen sehr schwer, und erst recht, wenn sie sich in Beziehung setzen sollen zur kulturellen Tagessituation (was immer damit genau gemeint sein soll). Den Museen fehlt eine politisch-museologische Diagnose dessen, was vorgeht, die Diagnose dessen, in das sie nicht nur "hineingeraten sind", sondern was sie selbst auch mit erzeugt haben.

Dr. Volker Rodekamp, 56-jähriger Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums in Leipzig, wurde im Mai diesen Jahres zum Präsidenten des Deutschen Museumsbundes gewählt. Er hat Volkskunde, Ethnologie und Publizistik studiert.

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