Montag, 26. April 2010

Sex sells. Immer und überall!



Das hier schon mal als außerordentliche Sammlung gewürdigte Art Brut Center (Klosterneuburg/Gugging) geht merkwürdige Wege.
Derzeit werden zwei Sonderausstellungen gezeigt. Eine davon ist einem der bekanntesten Patienten von Leo Navratil gewidmet, Johann Hauser.
Johann Hauser, so teilt man uns auf Texttafeln mit, war ein schwer manisch-depressiver Mensch, der nicht geheilt werden konnte und sein Leben in der Anstalt in Gugging verbrachte. 53 Jahre lang.
Auf den Zeichnungen - fast ausnahmslos Frauen - werden wir mit ungewöhnlicher Aggressivität und tiefen Ängsten konfrontiert; mit wenigen Ausnahmen zeichnete Hauser verschlingende, entstellte, verformte, auf dominante und bedrohlich gezeichneten Geschlechtsmerkmale reduzierte Frauenkörper. Tiefes Rot und tiefes Schwarz sind die dominierenden Farben.
"Hauser's Frauen.!" (tatsächlich mit einem Rufzeichen und einem Punkt) ist die Werkschau betitelt; selbst wenn es - was bezweifelt werden darf - 'Hauser's Frauen' gewesen sein sollten, der Titel trifft nichts von der Obsession des Künstlers und kokettiert mit einem völlig ausgeleierten Klischee.
Nicht genug damit. Der eingangs der Schau offerierte Text bietet uns Hausers Werk als 'erotisch' an, noch einmal eine in jeder Hinsicht irreführendes, aber fürs Marketing zauberhaft wirkende Wort.
Und damit es auch der letzte Depp begreift, platziert man vor diesem Einführungstext eine Figurine eines Pin-Up im Stil der 50er-Jahre. So what??

Kommentare:

carl auböck hat gesagt…

herr fliedl, ich nehme an die ausstellungsmacher in gugging haben vielleicht folgendes auslösen wollen:
den verfremdungseffekt einer erotik ikone vor der tür, überhöht und künstlich aber trotzdem als "eindruck" (wie ein knopfdruck) auf einen 'gesunden' wie 'kranken' löst bei hauser einen ausdruck wie sie ihn beschreiben aus.
daß diese figur überhöht in diesem anbiente wirkt halte ich für absicht.
danke jedenfalls für ihre wahrnehmungen, alles sehr interessant!

Gottfried Fliedl hat gesagt…

Tut mir leid. Das verstehe ich nicht. Inwiefern ist das Pin Up "überhöht" und welchen "Verfremdungseffekt" soll es auslösen? GF

carl auböck hat gesagt…

hr. fliedl. ich meine halt, daß dieses 3d pinup aus plastik einfach eine überdrehung aller mit erotik konnotierten attribute einer frau (einer bestimmten epoche) darstellt.
eine "über" frau also sowie eben in comics und vielleicht märchen alles auf übertreibung gerichtet ist um einen lehr-effekt (ja, auch bei comics) zu erreichen.
diese übertreibungsfigur finde ich deswagen richtig an diesem ort weil sie dort direkt auf die übertreibung hausers trifft.
die plastik repräsentiert also einen fetisch, der uns verständlich entgegenkommt, in seiner übertriebenheit der formen farben und schminke, spiegelbild einer konsumwelt, in der
"die frau" ja eine tatsächlich gestaltende rolle spielt.
die bilder hausers verbohren sich im wahrsten sinn in seine eindrücke , vorstellungen von und über frauen und münden in die furiose darstellung des gefühlten, seiner wahrheit.
selten in der akademischen kunst.
vielleicht für sie auch interessant:
http://mondo-blogo.blogspot.com/
beste grüße aus wien!