Mittwoch, 3. März 2010

Banken, Staat, Museum. Ein Krisenbild aus Island und ein Beitrag zu kleinen Serie "Gibt es eine Museumskrise oder nicht?"

Vor etwa 10 Jahren wurden Islands Banken privatisiert. Samt deren Kunstbesitz, der also zu diesem Zeitpunkt Gemeinbesitz war. Man verabsäumte, für die tausende von Kunstwerken eine entsprechende Vereinbarung zu treffen. Anders bei der Privatisierung der isländischen Post geschah, wo der Sammlungsbesitz an ein Museum übergeben wurde und anders als es z. B. bei der Privatisierung der Deutschen Post geschah, wo man diese vertraglich sogar zur Weiterführung von drei Museen verpflichtete.
Nun bieten Islands Banken dem Staat dessen ehemaligen Besitz an. Zum Kauf. Jenen Besitz, den sie bei der Privatisierung gratis erhalten haben. Kein Wunder, daß die Öffentlichkeit aufgebracht und das staatliche Kunstmuseum irritiert ist.
Immerhin ist der Vorgang über Island hinaus beispielhaft: es ist ein 'Modell' wie en bloc scheinbar unantastbarer Gemeinbesitz mit einem Federstrich privatisiert werden kann. Die Banken haben Bilder sogar veräußert (allerdings auch welche gekauft).
Was weiter passiert ist offen. Ein Kompromissvorschlag sieht vor, daß die Kunstwerke im Besitz der Banken bleiben solle, aber öffentlich zugänglich gemacht werden muß – am besten in einer der zum Museum umgebauten Banken. Bank wird Museum?

Aldo Keel: Keine kleinen Summen. Der Kunstschatz der isländischen Banken, in NZZ Online, 3.3.2010

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